Samstag , 19. September 2020
Die „Amt Neuhaus“ wird technisch bei Bedarf ertüchtigt, um den Fährbetrieb zu gewährleisten. (Foto: be)

Doppelstrategie für die Elbfähre

Bleckede. Die Pause brachte den Durchbruch. Einstimmig hat der Mobilitätsausschuss des Lüneburger Kreistages Zukunftsoptionen für die Elbfähre Bleckede-Neu Bleckede abgesteckt. Der Landkreis setzt auf zwei Varianten: Die derzeit über die Elbe setzende „Amt Neuhaus“ wird technisch bei Bedarf ertüchtigt, um den Fährbetrieb zu gewährleisten. Gleichzeitig werden die Planungen für eine Fähre mit klimafreundlichem Antrieb fortgesetzt, wobei nicht nur ein Schiffsneubau infrage kommen muss, sondern die Umrüstung der „Amt Neuhaus“ auf einen klimafreundlichen Antrieb ebenfalls eine Möglichkeit sein kann.

„Wir sollten die Anschaffung der Fähre als Innovation begreifen und versuchen, sie als Modellprojekt zu realisieren, das gefördert wird.“
Martin Gödecke, Ausschussmitglied

Ein Rechtsanwaltsbüro soll mit dem Landkreis einen fachlichen Berater finden, der die verschiedenen Möglichkeiten prüft.

Dieser Entscheidung ging eine rund 20-minütige Unterbrechung der jüngsten Sitzung des Gremiums in der Oberschule Am Katzenberg in Adendorf voraus. Nachdem die Ausschussmitglieder ausführlich über die Zukunft der Elbfähre Bleckede-Neu Bleckede diskutiert hatten, bat Günter Dubber (CDU) darum, die Sitzung zu unterbrechen.

Denn es war im Laufe der Aussprache klar geworden, dass fraktionsübergreifend alle die gleichen Ziele haben: weiterhin eine sichere Fährverbindung für die Bürger in Amt Neuhaus und Bleckede sowie eine klimafreundlich betriebene Fähre für die Zukunft.

„Müssen an die Zukunft denken“

Während der Auszeit steckten die Ausschussmitglieder die Köpfe zusammen, um die vorherige Diskussion inhaltlich so zu sortieren, dass ein für alle gangbarer Weg zustande kommt. Am Ende stand der Kompromiss, den der Kreistag bei seiner Sitzung am Montag, 15. Juni, ab 16 Uhr im Kulturforum Gut Wienebüttel noch absegnen muss.

Rückblick: Zum politischen Streit war es Anfang Mai gekommen, als Landrat Jens Böther (CDU) die Idee im Kreisausschuss durchbrachte, die mehr als 80 Jahre alte Fähre zu ertüchtigen und damit die bisherige Planung für ein neues Schiff mit klimafreundlichem Antrieb zu verschieben.

„Es wäre fahrlässig, das Verfahren bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auszusetzen“, mahnte jetzt im Verlauf der Debatte Achim Gründel (SPD). „Wir müssen an die Zukunft denken“, ergänzte er.
Zumal es aus technischer Sicht längst möglich sei, eine Fähre mit Elektromotor einzusetzen, ergänzte Ralf Gros (Bündnis 90/Die Grünen). „Die Firma Siemens baut in Norwegen Elektrofähren, die mit Hilfe von Wasserstoff betrieben werden. Auch in Finnland und Dänemark gibt es bereits Elek-trofähren“, sagte Gros.

Dem schloss sich Martin Gödecke (Unabhängige) an. „Der Bund hat gerade ein milliardenschweres Paket für die Förderung der Wasserstofftechnologie beschlossen. Wir sollten daher die Anschaffung der Fähre als Innovation begreifen und versuchen, sie als Modellprojekt zu realisieren, das gefördert wird“, erklärte der Bleckeder.

Fähre muss leistungsstark sein

Landrat Jens Böther sagte, auch er halte eine Elektrofähre auf der Elbe für möglich. Jedoch sehe er dafür noch keine Marktreife. „Die Betriebssicherheit ist das wesentliche Kriterium. Den Bürgern ist es nicht wichtig, mit welchem Antrieb die Fähre fährt, sondern dass sie von einem Ufer ans andere verlässlich übersetzt“, meinte er. Das bedeutet, so Wilhelm Kastens (CDU), dass eine Fähre entsprechend leistungsstark sein müsse, weil die Elbe ein Fluss sei, der so veränderbar ist wie kein anderer: „Die neue Technik kann diese Leistungsstärke noch nicht erbringen.“

Letztlich gehe es darum, dass das künftige Fährschiff dem Einsatzort Elbe angepasst werden müsse, sagte Ralf Gros. „Das dauert. Deshalb müssen wir einen Weg finden, mit dem wir es schaffen, dass die alte Fähre so lange durchhält.“ Denn, so erklärte Franz-Josef Kamp (SPD), es müsse allen klar sein, dass in zwei Jahren keine neue Wasserstoff-Fähre einsatzbereit ist: „Die Variante für die Zwischenzeit wäre die Ertüchtigung. Kosten von 410 000 Euro dafür sind nicht zu teuer.“

Diese Summe hatten vor der Diskussion Betriebsleiter Werner Düker und Dirk Eden, Ingenieur für Schiffbau und Meerestechnik, von der Hitzler-Werft in Lauenburg für die mögliche Instandsetzung der „Amt Neuhaus“ als Kalkulation präsentiert. Unter anderem für die beiden Dieselmotoren und die Bodenplatte. Landrat Böther betonte aber auch: „Die Grundsubstanz der Fähre ist in Ordnung. Sie ist nicht abgängig.“

Von Stefan Bohlmann