Samstag , 26. September 2020
Knapp 200 Meter Gesamthöhe messen die Anlagen des Windparks Häcklingen-Melbeck. Eine Höhe, mit der die Vastorfer leben könnten für die geplanten Windräder in Wulfstorf. Foto: t&w

Das ist den Vastorfern zu hoch

Vastorf. Damit gar nicht erst Missverständnisse aufkommen, versucht Bürgermeister Peter Lade (SPD) potenziellen Kritikern auch gleich einmal den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Die Gemeinde Vastorf ist nicht grundsätzlich gegen Windkraft und wir lassen uns deshalb auch nicht vorwerfen, die Energiewende zu verhindern“, sagt er. Immerhin sei die Gemeinde eine der ersten im Landkreis Lüneburg gewesen, die reinen Ökostrom für ihre Liegenschaften bezogen hat. Bis zum heutigen Tag.

Doch die beiden Windräder, die im Nachbarort Wulfstorf im Kreis Uelzen errichtet werden sollen, passen dem Rat nicht. Die Kommunalpolitiker sind sich einig, dass die Anlagen überdimensioniert sind. Das hält der Vastorfer Rat in einer Stellungnahme fest, die er jetzt beschlossen hat. „Wir fordern, die Höhe der Anlagen auf maximal 207 Meter zu begrenzen. Da aber der Landkreis Uelzen die Gesamthöhe nicht begrenzt, sehen wir die auf unsere Bürger zukommenden Belastungen beim Schall und Schattenwurf als erheblich an“, sagt Lade.

240 Meter hohe Windräder

Da die geplanten Anlagen direkt an der Grenze beider Kommunen im Bereich am Steilberg in Wulfstorf in die Höhe wachsen sollen, sieht der Rat es als seine Pflicht an, auf alle zu erwartenden Risiken und Einschränkungen für die Vastorfer hinzuweisen. Denn: „Im schlechtesten Fall drohen uns nämlich 240 Meter hohe Windräder, die im südlichen Bereich nur 1,3 Kilometer vom Ort entfernt sind. Der Schattenwurf solcher Anlagen kann aber bis zu 1,5 Kilometer reichen.“ Peter Lade ergänzt: „Daher fordern wir den Einsatz eines Abschaltmoduls zur Vermeidung von Schattenwurf.“

In der Stellungnahme zu dem Projekt heißt es: „Uns ist bewusst, dass im Zulassungsverfahren die derzeitigen Gesetzesvorgaben eingehalten werden.“ Dennoch übt der Rat deutlich Kritik. „Sollten diese Anlagen, so wie geplant, genehmigt werden, steht die Profitgier einzelner vor dem Schutz von Mensch und Natur. Besonders die Tatsache, dass die Auswirkungen fast ausschließlich Bürger eines anderen Landkreises betreffen, hier die Gemeinde Vastorf, macht uns sprachlos.“

Der Schutz des Menschen rücke in den Hintergrund. „Die Anlagen ähneln vom Typ her denen, die sich bereits zwischen Sülbeck und Neetze im Wind drehen. Die in Wulfstorf könnten nochmals 40 Meter höher werden als die dortigen.“

Als Nistplätze oder Ruheräume genutzt

Doch auch die Natur rückt bei der Stellungnahme in den Fokus. „Wir halten die Fläche aufgrund des Vorkommens von Seeadler, Rotmilan und Kranich sowie mehreren Fledermausarten für ungeeignet.“ Daher seien die Anlagen bei erkennbarem Flugbetrieb der Tiere abzuschalten. Beim Bau der Zufahrt fordern die Vastorfer, Bäume, die als Nistplätze oder Ruheräume genutzt werden, nicht zu fällen. Überdies behalte sich die Kommune vor, Schwerlasttransporte auf ihren Gemeindestraßen zu verbieten, die zur Errichtung der Windräder notwendig sind.

Laut einem Gutachten soll auf eine Brandmeldeanlage verzichtet werden, da der Hersteller diese nicht für erforderlich hält. „Aufgrund des Abstands von nur 219 Metern zur Gemarkungsgrenze und der Tatsache, dass es sich dort um ein Wasserschutzgebiet handelt, halten wir die Installation einer automatischen Löschanlage durchaus für nötig.“ Denn diese sei für eine frühzeitige Gefahrenanzeige bedeutsam.

„Wie gesagt, wir sind nicht gegen die Windkraftanlagen. Aber wir versuchen, jeden Strohhalm zu ergreifen, um eine Höhenreduzierung zu erreichen“, so Peter Lade.

Von Stefan Bohlmann