Dienstag , 22. September 2020
Verkehrssicherheitsberater Martin Schwanitz demonstriert hier mit zwei Kollegen den richtigen Abstand zwischen Rad und Auto. Foto: Polizei

Gold für die Verkehrswacht

Lüneburg. Die freudige Nachricht seitens der Deutschen Verkehrswacht e. V. kam per Videomitteilung, denn die Festveranstaltung in Mainz findet coronabedingt nicht statt: Für die Präventionsaktion der bildlichen Darstellung des Sicherheitsabstands von mindestens 1,50 Metern beim Überholen von Radfahrern erhält die Verkehrswacht-Ortsgruppe Lüneburg den 1. Preis der Verbandszeitschrift „mobil und sicher“ 2020. Damit sind 1550 Euro Preisgeld verbunden.

Die Anerkennung würdigt zum einen die eindrückliche Darstellung, für die die Aktiven im letzten Jahr an einem Sonntagmorgen nach Sonnenaufgang Abstandsszenen von Fahrrad und Auto auf ansonsten stark frequentierten Lüneburger Hauptstraßen nachstellten. Zum anderen auch die bis in die Nachbarländer reichende Verbreitung der Foto- und Videosequenzen.

Vielfach wird an Radfahrern viel zu dicht vorbeigefahren

Die Aktion, die mithilfe des ADFC-Kreisverbands Lüneburg durchgeführt wurde, sollte anhand von Beispielen aus Lüneburg zeigen, wie groß der Mindestabstand von 1,50 Meter beim Überholen an verschiedenen Stellen wirklich ist. Vielfach ist nämlich zu beobachten, dass an Radfahrern viel zu dicht vorbeigefahren wird. Dies ist einer der Gründe, weshalb Radeln von vielen immer noch als unsicher erlebt wird. Die entstandenen Fotos und Videos stellte die Verkehrswacht Lüneburg in die eigenen facebook-, YouTube- und Instagram-Auftritte ein.

Mit dem Thema schien ein Nerv getroffen zu sein, denn die Darstellungen erreichten mehr als 100.000 Nutzer. Sie wurden von zahlreichen anderen Seiten wie Verbänden, Verkehrswachten und Fahrschulen deutschlandweit und im benachbarten Ausland geteilt. Die Aktion wurde zudem von Zeitungen und Fernsehen aufgenommen.

So wurde u. a. eines der Videos erst kürzlich am 18. Mai im ZDF in der Sendung Terra Xpress gezeigt. Die Aktion unterstützte so die Debatte um die Sicherheit der Radfahrer. Dazu diente in Lüneburg auch ein Fachvortrag des bundesweit bekannten Verkehrsrechtsexperten Prof. Dr. Dieter Müller von der Hochschule der sächsischen Polizei an der Leuphana im Oktober, der ebenfalls auf YouTube eingestellt wurde.

In einem zweiten Schritt wurde zusammen mit der örtlichen Buchhandlung Lünebuch ein Partner gefunden, der in der Vorweihnachtszeit die auffälligen ADFC-Warnwesten mit dem Rückenaufdruck „Abstand mind. 1,50 m“ verkaufte. Das Angebot wurde sehr gut angenommen, und die Westen können im Lüneburger Straßenbild regelmäßig wahrgenommen werden.

Preisverleihung wird nachgeholt

Martin Schwanitz, Initiator der Aktion, der zum Vorstand der Verkehrswacht-Ortsgruppe gehört, ist sehr glücklich mit diesen Ergebnissen: „Die Aktion zeigt die berechtigten Bedürfnisse der Radfahrer, zu denen auch unsere Kinder gehören. Wir alle sollten daran interessiert sein, die tatsächliche und gefühlte Sicherheit von Radfahrenden zu erhöhen, indem man sich nicht mehr Sorgen um den Mindestabstand machen muss.
29 Nebenbei werden dann auch mehr Menschen Radfahren wollen.“

Und der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe, Prof. Dr. Peter Pez von der Leuphana, der mit einem anderen Projekt zu den Nominierten des Dt. Nachhaltigkeitspreises 2019 gehörte, schließt an: „Lüneburg spielt verkehrspolitisch jetzt in der Bundesliga mit. Diesen Rückenwind werden wir für unsere Verkehrswachtaktionen nutzen.“

Die Preisverleihung sollte ursprünglich in Mainz stattfinden. Die Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlauben aber derzeit keine derartigen Veranstaltungen. Im nächsten Jahr soll jedoch zusammen mit den diesjährigen Gewinnern beim Gesellschaftsabend der Deutschen Verkehrswacht in Warnemünde nachgefeiert werden. lz