Postweg in Hagen
Auf der freien Fläche zwischen der bestehenden Wohnbebauung könnten Einzel- und Doppelhäuser entstehen. Fürs erste wurde der Bebauungsplan auf den Weg gebracht. (Foto: be)

Wohnungen statt Wiese

Umgeben von Wohnbebauung liegt derzeit am Postweg in Hagen eine Fläche, die als Wiese genutzt wird. Der Eigentümer möchte, dass dort Häuser entstehen. Erste Weichen für die Bauleitplanung wurden gestellt.



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Umgeben von Wohnbebauung liegt derzeit am Postweg in Hagen eine Fläche, die als Wiese genutzt wird. Der Eigentümer möchte, dass dort Häuser entstehen. Erste Weichen für die Bauleitplanung wurden gestellt.

Lüneburg. Nur fehlende Baugrundstücke bremsen das weitere Wachstum Lüneburgs. Trotz der hohen Preise übersteigt die Nachfrage immer noch das Angebot. Kein Wunder also, dass ständig nach neuen Baugrundstücken oder zumindest der Möglichkeit der Nachverdichtung Ausschau gehalten wird.

Nun ist man im Stadtteil Hagen fündig geworden. Umgeben von Wohnbebauung liegt am Postweg in Hagen eine zirka 6000 Quadratmeter große Fläche, die derzeit überwiegend als Wiese genutzt wird. Der Eigentümer ist nun an die Stadt herangetreten mit dem Wunsch, dass dort eine Wohnbaufläche entsteht. Mehrheitlich votierten die Mitglieder des Bauausschusses für die Änderung des Flächennutzungsplanes sowie den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes. Es gab eine Gegenstimme von der Linken, zwei Grünen-Mitglieder des Ausschusses enthielten sich.

Durch das Grundstück geht ein Graben

Der Flächenenutzungsplan stellt derzeit zum Postweg hin einen Spielplatz dar, der aber nie hergestellt wurde, sowie rückwärtig landwirtschaftliche Flächen. Umliegend sind allgemeine Wohngebiete dargestellt sowie auf der anderen Seite des Postweges ein Wochenendhausgebiet. Damit dort Wohnbebauung entstehen kann, muss der Flächennutzungsplan geändert werden und parallel dazu die Aufstellung des Bebauungsplanes erfolgen. Im Verfahren geht es unter anderem darum, eine städtebauliche Entwicklung planungsrechtlich abzusichern.

Stadtbaurätin Heike Gundermann erläuterte, dass durch das Grundstück ein Graben geht, entlang dem eine Erschließungsstraße entstehen könnte. Möglich wäre eine Bebauung mit Einzel- und Doppelhäusern sowie zum Postweg hin mehrgeschossige Gebäude. Auch für dieses kleine Wohngebiet solle die 30-Prozent-Regelung für geförderten Wohnungsbau gelten. Auf Nachfrage von Christel John (CDU) erläuterte die Stadtbaurätin, dass dort 10 bis 15 Häuser entstehen könnten. Die Linke lehnt auch dieses Wohnbauprojekt ab, weil Fläche versiegelt werde und das Stadtentwicklungskonzept noch fehle, machte Karlheinz Fahrenwaldt deutlich.

Preise für Zement extrem gestiegen

Mit der Bearbeitung der Bauleitplanungen wird ein externes Planungsbüro beauftragt. Der Eigentümer der Flächen werde alle Kosten für die Planung und erforderliche Gutachten übernehmen, eine Kostenübernahmeerklärung liege vor, verdeutlichte Gundermann.

Ob hier mehr Einfamilien- oder mehr Doppelhäuser entstehen, ist also noch offen, Klar ist dagegen, dass sich die Diskussion über die Art der Bebauung auch in Lüneburg verschärfen wird. Gibt es irgendwann auch hier ein Verbot, Einfamilienhäuser zu bauen? In Hamburg gibt es bereits zwei Gebiete, in denen es ein solches Verbot gibt. Die Grünen haben die Diskussion zusätzlich befeuert. Einfamilienhäuser gelten Kritikern als ökologisch bedenklich, der Flächenverbrauch als zu hoch. Tatsächlich aber sinkt der Anteil von Einfamilienhäusern schon seit Jahren. Das geht aus den neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Ein Blick auf die Baugenehmigungen zeigt, dass bereits knapp 60 Prozent aller neuen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen.

Die Suche nach neuen Baugrundstücken und die Zahl der Bauanträge dürfte auch aus anderen Gründen weiter zunehmen: Die Preise für Zement sind extrem gestiegen, zugleich sinkt die Verfügbarkeit von Sand. Hinzu kommt das Niedrigzinsniveau. Viele Investoren werden also weiter auf „Betongold“ setzen, denn preisgünstiger wird Bauen auf absehbare Zeit bestimmt nicht.

Von Antje Schäfer und Werner Kolbe

Zur Sache

Preise steigen in drei Jahren um 26 Prozent

166 Quadratmeter groß, Anfang der Siebzigerjahre gebaut, Kostenpunkt 319.550 Euro – so sieht ein durchschnittliches Einfamilienhaus in Niedersachsen aktuell aus. Wer derzeit eine Wohnung sucht, muss mit etwa 144.417 Euro für eine durchschnittlich 69 Quadratmeter große Wohnung von 1962 rechnen. Das zeigt eine Auswertung des Immobilienvormarktes Scoperty (www.scoperty.de) von mehr als 3,3 Millionen aktuellen Objekt-, Lage- und Preisdaten in Niedersachsen. Die Daten zeigen auch einen deutlichen Anstieg der Immobilienschätzwerte seit 2018 in den meisten Landkreisen. Laut Scoperty lag der durchschnittliche Quadratmeterschätzwert über alle Objekte hinweg in Niedersachsen im vierten Quartal 2020 bei 1999 Euro – und damit rund 26 Prozent über den Schätzwerten vom ersten Quartal 2018 (1584 Euro). Die mit Abstand teuersten Landkreise sind dabei Harburg (2912 Euro pro Quadratmeter), Oldenburg (2747 Euro) und Lüneburg (2698).

Spitzenwerte erreichen Norderney, Juist und Borkum mit durchschnittlich 6261 Euro in Norderney, 5070 Euro in Juist und 4635 Euro in Borkum. Besonders günstig ist es dagegen im Kreis Holzminden mit 903 Euro. Die Gemeinden Eimen und Wangelnstedt zählen mit ihren 598 Euro pro Quadratmeter zu den günstigsten Gemeinden des Landes.

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