Sonntag , 20. September 2020
Das Ausblick-Team verabschiedet sich (v. l.): Peter Wilke, Reinhild Zenz, Brigitte Hempel, Waltraut Peter, Matti Lackschewitz, Miriam Kleck, Maja Schwaak, Beate Dapper. Foto: privat

Ein Stück Kulturgut verschwindet

Lüneburg. Es ist nach 30 Jahren und 120 Ausgaben ein Abschied mit vielen Facetten. Der Leser erfährt auf 40 Seiten viel vom Abschied aus der Heimat, dem Abschied von einem lieben Menschen. Und er muss feststellen, dass er all diese Angebote zum letzten Mal in gedruckter Form in der Hand hält. Denn nach drei Jahrzehnten stellt der „Ausblick“, der unter dem Dach der Volkshochschule Lüneburg erschien, die Arbeit ein.

„Damit verschwindet ein Stück Kulturgut aus unserer Gesellschaft“, schreibt der Chefredakteur Peter Wilke in seinen Abschiedsworten. Und viele Leser sehen es ähnlich. Die letzte Ausgabe des „kostenfreien Magazins für Menschen mit Lust auf Leben“, wie es auf der Titelseite heißt, ist nicht nur gespickt mit Beiträgen, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen, sondern auch mit guten Wünschen für den weiteren persönlichen Weg. „Diese Lust auf das Leben hat man diesem Bürgermagazin stets angemerkt“, schreibt etwa Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge. „Bleiben Sie neugierig, mutig und lebenslustig“, wünscht er dem Redaktionsteam. Und: „Es endet ein gewachsenes Lüneburger Beteiligungsformat.“

Einfach kein Nachfolger

Die Mannschaft besteht ausschließlich aus ehrenamtlichen Mitarbeitern mit Brigitte Hempel als Verantwortliche an der Spitze. 21 Jahre, seit Heft Nummer 37, liegt die Gestaltung des „Ausblicks“ in ihren Händen. „Vor anderthalb Jahren habe ich gesagt, dass ich aufhören möchte, aber es fand sich einfach kein Nachfolger“, sagt die 84-Jährige. Kein Wunder, erfordert die Produktion eines solchen Heftes doch großen ehrenamtlichen Einsatz. Themen müssen gefunden, Anzeigenkunden akquiriert, Seiten gestaltet, Texte geschrieben werden. Vier Ausgaben im Jahr, jede mit 10.000 Auflage, die in Geschäften auslag.

Als sich das Redaktionsteam Anfang März trifft, um die Gestaltung der letzten Ausgabe zu besprechen, ahnt noch keiner, dass dieser Abschied so ganz anders aussehen würde als gedacht. Das Coronavirus bringt die Abläufe gehörig durcheinander, das Heft mit der Nummer 120 wird schließlich im Homeoffice erstellt. Auch das ist noch einmal eine große Herausforderung.

Gruppenfoto auf der Titelseite

Auf dem letzten Ausblick verabschiedet sich das Team des Magazins mit einem gemeinsamen Gruppenfoto auf der Titelseite von seinen Lesern. Zum Abschied gibt es viele Mails, wie zum Beispiel von der BBS I, deren Schüler in Projektwochen viel von der Redaktion gelernt haben. Die Tipps hätten den Unterricht sehr bereichert, schreibt eine Lehrerin in sehr persönlichen Zeilen an Chefredakteur Peter Wilke, „für die wundervollen Erfahrungen danke ich sehr“.

Der „Ausblick“ ist jetzt Geschichte. Ein Magazin, das „stehts am Puls der Zeit“ gewesen sei, bedankt sich auch Landrat Jens Böther bei den Ehrenamtlichen.

Von Thomas Mitzlaff