Dienstag , 22. September 2020
Mehr Steine als Pflanzen – so sollen Gärten in Lüneburg nach dem Wunsch vieler nicht mehr aussehen. Foto: Adobe Stock

Grün statt Steinwüsten

Lüneburg. Kieselsteine in verschiedenen Grautönen und dazu Platten dominieren die sogenannten Schottergärten. Auch in Lüneburg sind sie auf dem Vormarsch, wie nicht nur Umweltverbände und Verwaltung durchaus kritisch beobachten. Denn sie bieten im Gegensatz zu begrünten Gärten vielen Vögeln und Insekten keinen Lebensraum, heizen sich zudem im Sommer stark auf. Schlecht fürs Stadtklima. Ulrich Blanck (Grüne) machte die Steinwüsten erneut zum Thema. In der Ratssitzung forderte er, dass in Bebauungsplänen festgesetzt wird, wie viel Fläche der Vorgärten maximal befestigt werden darf. Nach ausgiebiger Diskussion wurde der Antrag zur weiteren Diskussion in den Bauausschuss überwiesen. Dort wurde das Thema bereits im vergangenen Sommer verhandelt.

Festgeschrieben haben möchten die Grünen, dass maximal 50 Prozent des Vorgartenbereichs von Wohnhäusern und 60 Prozent bei Doppelhäusern und Hausgruppen befestigt sein darf. Denn alle Freiwilligkeit und der Appell, auf Schottergärten zu verzichten, fruchte häufig nicht, machte Blanck deutlich. Dazu verwies er auch auf die Stadt Erlangen, die als erste Stadt in Bayern eine Freiflächensatzung beschlossen hat, mittels derer bei Neu- und Umbauten das Anlegen von geschotterten Steingärten verboten wird.

Aus ökologischen Gründen ein Problem

Dagegen gehalten hatte bereits im vergangenen Sommer im Bauausschuss Yvonne Hobro von der Verwaltung, dass Festsetzungen in Bebauungsplänen zu Grünanteilen kontrolliert werden müssten. Das sei personal- und kostenintensiv. Für Blanck kein Gegenargument zur Forderung der Grünen: Die Kontrolle und Erfassung der versiegelten Flächen müsse ohnehin zur Berechnung der getrennten Abwassergebühr erfolgen. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen plädierte für die Überweisung in den Fachausschuss, 39 der 40 Ratsmitglieder votierten dafür.

Birte Schellmann (FDP) erklärte, der Antrag habe Berechtigung, weil Schottergärten aus klimatischen und ökologischen Gründen ein großes Problem sind. Aber es gebe bereits die klare Vorgaben durch die Niedersächsische Bauordnung, wie nicht bebaute Flächen begrünt sein müssten. Darauf sollten Eigentümer hingewiesen werden.

Eine weitere Reglementierung fanden neben der FDP-Politikerin auch Dirk Neumann (AfD), Carmen Maria Bendorf (SPD), Heiko Meyer (parteilos) und Michèl Pauly den falschen Weg. Sie appellierten an freiwilliges Umdenken und Eigenverantwortung der Bürger. Gleichzeitig gelte es, die Bürger für grüne Gestaltung der Gärten zu sensibilisieren. Bereits bei der Sitzung des Bauausschusses im August 2019 hatte Stadtbaurätin Heike Gundermann deutlich gemacht: Jeder Schottergarten ist ein Minus für die Klimabilanz. Im Rat sagte sie jetzt: „Ich möchte ihre Erinnerung auffrischen. Bei der Beratung im August waren sich alle Fraktionen einig, auf Freiwilligkeit zu setzen.“ Die Stadt habe dann auch Faltblätter erstellt zum Thema Gartengestaltung und in den Ortsräten vorgetragen. Seit Ende des vergangenen Jahres sei in jeder Baugenehmigung der Passus enthalten, dass alle nicht überbauten Flächen Grünflächen sein müssen.

Von Antje Schäfer