Freitag , 18. September 2020
Hauptkommissarin Kathrin Richter (vorne), Polizeichef Jens Eggersglüß und Christiane Scholl, Geschäftsführerin des Kriminalpräventionsrates, inmitten der Briefsendungen, die ab dem kommenden Montag verteilt werden. Foto: t&w

Mehr Sicherheit für Senioren

Lüneburg. Sie melden sich am Telefon als Polizeibeamte und geben vor, einen Einbrecher festgenommen zu haben. „Bei dem haben wir einen Notizzettel mit Ihrem Namen und Ihrer Anschrift gefunden“, behaupten dann die Täter und erklären, dass man zu „Ihrem Schutz“ vorbeikommen wolle, um Geld und Wertgegenstände abzuholen und bei der Polizei sicher aufzubewahren. Doch Vorsicht, glauben Sie solchen Anrufern nicht. Denn es sind Betrüger, zu deren Opfern vornehmlich Seniorinnen und Senioren gehören.

Um speziell diesen Personenkreis zu informieren und zu schützen, startet ab kommender Woche die Kampagne „Im Alter sicher leben“. Initiiert wurde sie von der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen und dem Kriminalpräventionsrat (KPR) von Stadt und Kreis in Kooperation mit dem Medienhaus Lüneburg.

Täter rhetorisch sehr geschickt

Immer wieder versuchen Betrüger mit dem sogenannten Enkeltrick oder als „falsche Polizeibeamte“ Senioren um ihr Bargeld oder Erspartes zu bringen. Auch wenn darüber immer wieder berichtet wird, ist die Gefahr gegeben, dass doch jemand drauf reinfällt, wenn am anderen Ende der Leitung angeblich ein Polizist ist. „Ältere Menschen assoziieren damit Freund und Helfer. Wenn dann noch die 110 im Display auftaucht, wird mancher schnell zum Opfer. Zumal die Täter rhetorisch sehr geschickt sind und sich die Telefonnummer 110 leicht manipulieren lässt“, sagt Kathrin Richter. Die Hauptkommissarin bei der Polizeiinspektion (PI) Lüneburg hält zum Thema Sicherheit für Senioren seit vielen Jahren Vorträge.

Das Dramatische bei solchen Fällen ist: Wenn jemand zum Opfer wird, dann ist der Schaden groß. „Manch alter Mensch hat dabei sein ganzes Vermögen verloren. Neben dem materiellen Schaden kann es auch zu psychischen Folgen kommen“, wissen Kathrin Richter und Jens Eggersglüß, Chef der Polizeiinspektion. Er appelliert: „Wenn es zu solchen Anrufen kommen sollte, rufen Sie über Notruf 110 die Polizei an und haken nach.“ Wer sich das nicht traue oder im Zweifel sei, „ist gut beraten, wenn er sich eine zweite Meinung im Familien- oder Bekanntenkreis einholt. Dann relativiert sich das Ganze meistens und der Betroffene wird nicht auf die Forderungen solcher Betrüger eingehen.“

Info-Broschüre „Im Alter sicher leben“

Eine weitere Variante des Betrugs: Täter geben sich in Corona-Zeiten als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus, um abzuzocken. Das war letztendlich für Polizei und Kriminalpräventionsrat –, der durch unterschiedliche Arbeitskreise Bürger aufklären will, um so Straftaten vorzubeugen – der Anlass für die Kampagne. Angesprochen werden Senioren, die vor 1950 geboren sind. Sie erhalten ab dem kommenden Montag Post: In einem Briefumschlag steckt die Info-Broschüre „Im Alter sicher leben“.

Darin beschrieben sind unterschiedliche Gefahren und wie Betroffene sich schützen können. Dazu ein Anschreiben des entsprechenden Empfängers von Polizeichef Eggersglüß sowie Infos der PI. Praktischer Clou: Ein Türanhänger mit den Aufschriften: „Keine Fremden in die Wohnung lassen!“ und „Kein Geld an Fremde übergeben!“ sowie den Notrufen von Polizei und Feuerwehr.

Wahre Helden des Verteilens werden die fünf Kontaktbeamten sowie zehn Polizeianwärter sein. Ab Montag verteilen sie 8500 Briefsendungen nach genauen Straßenplänen in der Stadt. Ist das erledigt, bekommen weitere 6500 Bürger im Landkreis das Info-Paket.

15.000 Info-Pakete an Bürger ab 70 Jahren

Bei Haushalten mit Ehepaaren ab 70 Jahren ist immer nur einer von beiden der Empfänger. „Seniorenheime werden von uns gesondert angeschrieben und können speziell zusammengestelltes Info-Material bekommen“, sagt Kathrin Richter. Sie ist Kopf und Ansprechpartnerin der Aktion, ihre Telefonnummer findet sich gleich auf Seite 2 der Broschüre. Kathrin Richter, KPR-Geschäftsführerin Christiane Scholl und Jens Eggersglüß machen deutlich: „Jede Tat, die mit dieser Aktion verhindert wird, ist ein großer Erfolg.“

Von Antje Schäfer