Donnerstag , 1. Oktober 2020
Rund 100 Wohneinheiten könnten hier am Ortsrand von Rettmer entstehen. Foto: Michael Behns

Verwundert, verstimmt, verärgert

Lüneburg. Am nordwestlichen Ortsrand von Rettmer soll nach Vorstellung der Stadt ein Neubaugebiet entstehen. Gerade einen Monat ist es her, dass die Politik grünes Licht für den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes gegeben hat. Das ist praktisch der Startschuss für das Verfahren.

Rot sahen die Grünen kürzlich beim Blick in die Landeszeitung. Dort warb die Adank Bauträgergesellschaft bereits mit der Vermarktung der Flächen, die Erschließungsmaßnahmen seien für Ende des Jahres geplant, hieß es in der Anzeige. „Die Beteiligung der Politik scheint nur lässliche Nebensache zu sein“, reagierte Ulrich Blanck postwendend empört. Und sein Fraktionskollege Ulrich Löb schießt Richtung Rathaus: „Was ist dort, an der Politik vorbei, schon vorgeklärt worden?“

Im Rathaus weist man den Vorwurf von sich: „Wir waren auch verwundert, haben mit der Anzeige nichts zu tun.“ Die Verwaltung lege auf ein „ordnungsgemäßes und den üblichen Verfahrensabläufen folgendes Verfahren“ Wert. „Somit wäre frühestens mit einem Baubeginn ab Frühjahr 2021 zu rechnen“, erklärt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck.

Die Grünen legten ihr Veto ein

Im Bauausschuss Ende April hatten Stadtplaner Matthias Eberhard und Oberbürgermeister Ulrich Mädge deutlich gemacht, dass es trotz Wohnungsbauprogramm 2021 ein Minus von 300 Wohneinheiten bei Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern in Lüneburg gebe. Deshalb warb man für den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes „Rettmer Nord“, auf Basis dessen ein Neubaugebiet zwischen Heiligenthaler Straße und Margeritenweg entstehen soll.

Von rund 100 Wohneinheiten war die Rede, nachdem der Eigentümer der landwirtschaftlichen Flächen einen Käufer gefunden hatte. Auch hieß es, dass südlich der Heiligenthaler Straße ein weiterer Eigentümer eventuell Grund verkaufen wolle, so dass dort oder auch im Neubaugebiet „Rettmer Nord“ Seniorenwohnungen entstehen könnten.

Die Grünen legten ihr Veto ein: keine weiteren Entwicklungen von Neubaugebieten ohne Stadtentwicklungskonzept. Außerdem Innen- vor Außenentwicklung. Sie stimmten gegen den Aufstellungsbeschluss – wie auch die Linke, für die ein Bebauungsplan mit Einfamilienhäuser nicht in Frage kommt. In der Sitzung sei auch geklärt worden, dass der Investor für die Vorplanung zahlt. „Auf die Frage von Löb, ob der Investor im Falle, dass die Politik das Vorhaben nicht beschließt, auf seinen Kosten sitzen bleibt, wurde das als sein Risiko bezeichnet. Das Risiko scheint aber nicht zu bestehen, sonst würde ja kaum die Werbung geschaltet sein“, sagt Blanck.

Adank: Das ist unser Wunsch, jetzt ist die Zeit der Politik

Auch Politiker wie Frank Soldan (FDP), Christel John (CDU) und Klaus-Dieter Salewski (SPD) zeigten sich erstaunt über die Anzeige zu diesem Zeitpunkt. Soldan: „Der Investor greift damit der Bürgerbeteiligung und jedem Abwägungsbeschluss vor.“ Von den möglichen Seniorenwohnungen, die eventuell vis-a-vis des geplanten Gebiets oder auch in diesem intergriert entstehen sollen, sei in der Anzeige keine Rede, wundert sich John. Und Salewski verdeutlicht: „Mit diesem Beschluss werden die notwendigen Arbeiten für einen Bebauungsplanentwurf begonnen. Mit einem entsprechenden Entwurf ist aus meiner Sicht nicht vor Frühjahr 2021 zu rechnen. Wie sich Politik dann entscheidet, ist noch offen und wird dann entschieden.“

Rainer Adank ist indes selbst verwundert – über diese Reaktionen. „Dieser Plan ist unser Wunsch aufgrund langjähriger Erfahrungen.“ Seine Ideen habe er im Einvernehmen mit der Verwaltung entwickelt. „Jetzt ist die Zeit der Politik“, betont er. Dieser wolle er keineswegs vorgreifen. „Ich will hier aber auch ein Zeichen gegen den Stillstand durch Corona setzen und Interessenten zeigen, wie es weitergehen kann.“

Von Antje Schäfer