Dienstag , 22. September 2020
2014 und 2019 hat der Rat der Stadt Lüneburg gegen einer Verlängerung des Pachtvertrages gestimmt. (Foto t&w)

Pro und Contra zum Flugplatz (Teil 3)

Lüneburg. In knapp zwei Wochen startet Lüneburgs erster Bürger­entscheid. Knapp 60000 Einwohnerinnen und Einwohner ab 16 Jahren sind am 14. Juni aufgerufen, eine Frage mit Ja oder Nein zu entscheiden: „Soll die Hansestadt Lüneburg mit dem Luftsportverein Lüneburg e.V. einen Vertrag über den Weiterbetrieb des Flugplatzes Lüneburg über den 31.10.2020 hinaus für 15 Jahre abschließen?“

Die LZ will auf verschiedenen Kanälen über diese Streitfrage informieren und ein Forum für Fragen bieten. Heute nun der dritte Teil einer fünfteiligen Serie, in der beide Seiten jeweils gleichberechtigt zu Wort kommen. Heute nehmen Richard Meier, 1. Vorsitzender des Luftsportvereins, und Ulrich Blanck (Grüne), Sprecher der Stadtrats-Gruppe Grüne/CDU/FDP, zur Frage „Es gab zwei Ratsbeschlüsse (2014 und 2019), den Pachtvertrag auslaufen zu lassen. Doch es blieb ein Streitthema. Warum?“ Stellung.

Zugleich können Sie Ihre Fragen stellen. Am 9. Juni werden diese um 16 Uhr beantwortet von Bürgerentscheid-Mitinitiator Axel Rokohl und Oberbürgermeister Ulrich Mädge, aber auch von Meier und Blanck. Es ist das einzige Streitgespräch zwischen beiden Seiten. Wegen der Corona-Pandemie muss es ohne Publikum stattfinden, kann aber auf Facebook live verfolgt werden. Die wesentlichen Inhalte werden anschließend in der LZ abgedruckt.

Ihre Fragen senden Sie bitte bis zum 8. Juni per Mail an marc.rath@mh-lg.de oder per Post an die Redaktion der Landeszeitung, Am Sande 16-20, 21335 Lüneburg. lz

Frage 3: Es gab zwei Ratsbeschlüsse (2014 und 2019), den Pachtvertrag auslaufen zu lassen. Doch es blieb ein Streitthema. Warum?

 

  • Richard Meier
  • Ulrich Blanck

Für den Luftsportverein antwortet: Richard Meier (1. Vorsitzender):

Die Ratsbeschlüsse bedeuten in letzter Konsequenz das Ende des gemeinnützigen Luftsportver eins. Es gibt keine realistische Alternative für ein Fluggelände auf städtischem Grund oder im Landkreis Lüneburg. Die Beschlüsse und Vorhaben der Stadt bedeuten die Zerstörung von ökologisch wertvollen Flächen und einer Kaltluftschneise.

Grundlage für die Haltung des Rates war im Jahr 2014, dass mit Abzug der Bundeswehr, damit frei werdende Kasernenflächen, zusätzlich mit im Osten erschließbaren stadteigenen Flächen, ein neues Plangebiet zu schaffen sei. In dieses großflächige Gebiet hätte, nach Vorstellung des Vereins, auch ein Flugplatz mit geschwenkter Landebahn integriert werden können. Daher hatte der LVL eine temporäre Verlängerung des Vertrages um fünf Jahre akzeptiert.

Nach 2014 haben sich die Rahmenbedingungen durch das Verbleiben der Bundeswehr jedoch verändert, sodass nur noch die Flugplatzfläche für eine Beplanung zur Verfügung steht, die aber mit gravierenden Planungshemmnissen behaftet ist.

Das hat den LVL im Oktober 2018 veranlasst, in erneute Gespräche mit dem Rat einzutreten. Diese Gespräche mündeten in den Antrag, den Betreibervertrag erneut zu verlängern, bis geklärt ist, was unter Berücksichtigung von ökologischen, stadtklimatischen und bauleitplanerischen Rahmenbedingungen auf dieser Fläche überhaupt möglich und sinnvoll ist.

Die grundsätzliche Betrachtungsweise des LVL wurde auch von einigen Ratsfraktionen geteilt. Lediglich Sicherheitsaspekte, die aus Sicht des Vereins vom Rat falsch bewertet werden, führten letztendlich zu einer Ablehnung unseres Antrages.

Der LVL initiierte, dass die Lüneburger Wähler diese Fragen nun selber entscheiden. Die Tatsache, dass unser Bürgerbegehren von annähernd 12 000 Bürgern unterstützt wurde, überzeugt uns von der Richtigkeit dieses Weges.

Die nun vom Oberbürgermeister beabsichtigte Nutzung beinhaltet viele offene Fragen, beruht nicht auf seriösen Fakten und stellt aus Sicht des Vereins ein „Flickwerk“ dar. „Was nicht sein soll, das nicht sein darf.“

Für die Hansestadt antwortet: Ulrich Blanck (Grüne, Sprecher der Stadtrats-Gruppe Grüne/CDU/FDP)

Es gab in Lüneburg schon immer unterschiedliche Meinungen zu diesem Flugplatz. Für die Flieger und sicher auch für viele andere ist es einfach eine Sportstätte. Andere Menschen sehen dort die Reste des ursprünglichen Nazifliegerhorsts, Basis verschiedener Kampfgeschwader, die am Polenfeldzug und der Bombardierung von Lodz und auch am Massaker von Guernica beteiligt waren.

Der Flugplatz ist nach dem Krieg im Laufe der Jahre immer weiter geschrumpft – die Nutzungskonflikte sind im gleichen Maße gewachsen. Waren es zu Beginn nur wenige, wurden es im Laufe der Zeit immer mehr Motorflugzeuge. Damit einhergehend ist die Lärmbelästigung immer weiter gestiegen. Für viele Anwohner, gerade in Neu Hagen, die häufig ohnehin schon intensiv vom Straßenverkehrslärm belastet sind, ist dieser Lärm, der ja ganz vorwiegend an den Sommerwochenenden stattfindet, eine erhebliche Belastung.

Wer die Woche über hart gearbeitet hat und am Wochenende dann in seinem Garten oder auf dem Balkon entspannen möchte, muss den Lärm des ins Sylt-Wochenende fliegenden Autohaus-Besitzers hinnehmen. Der bevorzugt seinerseits die zeitsparende Anreise in seinem Flugzeug, statt gemeinsam mit der gemeinen Bevölkerung im Stau zu stehen. Das hier Wenige für sich Privilegien einfordern und das zu Lasten Vieler – das ist sicher ein nicht unwesentlicher Quell des Konfliktes. Grundsätzlich endet nun mal die Freiheit des Einzelnen dort, wo sie die Freiheit anderer einschränkt.

Der von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt gewählte Rat hatte – auch unter dem Eindruck der Flugunfälle – 2014 beschlossen, den Flugplatz 2020 final zu schließen. Auf diesen Beschluss, der bereits 2014 ein schwieriger Kompromiss war, haben sich viele Menschen verlassen. Der Rat hat diese Entscheidung 2019 nochmals bestätigt und klargestellt, dass er sich an die 2014 geschlossenen Vereinbarungen halten wird und damit sowohl die Gefährdung durch mögliche Flugunfälle als auch die Lärmbelästigung beendet.

Mehr dazu:

Pro und Contra zum Flugplatz (Teil 1)

Pro und Contra zum Flugplatz (Teil 2)