Dienstag , 22. September 2020
Eine der letzten Azubi-Börsen vor der Corona-Krise: Ausbildungsbotschafter Moritz Neven (l.) und Mika Unruh (2. v. r.) zeigten den Geschwistern Luca (2. v. l.) und Ben Girod, wie man auf einer Platine LED-Lämpchen in unterschiedlicher Geschwindigkeit zum Blinken bringt. Praxistage gehören seitdem der Vergangenheit an. Foto: t&w

Die Brücke ins Berufsleben

Lüneburg. Schule nach dem Shutdown: Der Unterricht läuft zum Großteil vor dem heimischen Bildschirm ab, Betriebspraktika und Jobbörsen sind ohnehin abgesagt. War es schon vorher schwierig für junge Menschen herauszufinden, welche Neigungen und Qualitäten sie haben, welche Ausbildung für sie in Frage kommt, so ist das seit Corona noch einmal komplizierter geworden. „Viele Schüler haben ohnehin keine oder eine falsche Vorstellung von Berufsinhalten“, weiß Heinrich Bär. Die „Ausbildungsbrücke“, deren Gesamtkoordinator er ist, ist daher in diesen Wochen mehr gefragt denn je. Die Pandemie hat diese Situation nochmals verschärft.

Das Patenmodell, das Bär in der Region Lüneburg organisiert, ist eine bundesweite Initiative der Diakonie, der sich im Kreis Lüneburg bislang zehn Haupt- und Realschulen angeschlossen haben und die über ein Netzwerk von rund 300 Betrieben in der Region verfügt. 69 ehrenamtliche Paten unterstützen Schüler von der Schule auf dem Weg ins Berufsleben – vom Erreichen des Schulabschlusses über das Bewerbungsverfahren für einen Ausbildungsplatz bis hin zum Abschluss der Ausbildung und zur Integration ins Berufsleben.

Vertrauensverhältnis wird aufgebaut

Die Ausbildungspaten sind Menschen aus Wirtschaft, Schulen und Behörden, die zum Teil noch selbst im Berufsleben stehen. „Vom Apotheker über Führungskräfte bis zu Psychologen und Personalleitern haben wir einen bunten Querschnitt und können diese Ehrenamtlichen entsprechend einsetzen“, schildert Bär.

Ziel ist es, junge Menschen zu begleiten und ihnen zu helfen, ihren Weg und den passenden Beruf zu finden. Dabei wird vielfach auch ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, sodass auch bei der Bewältigung privater Probleme, die oftmals in die schulischen Leistungen mit hineinspielen, geholfen werden kann. „Auch bei der Vermittlung von Praktika ist die Ausbildungsbrücke ein Türöffner“, weiß der Koordinator. Und auch während der Corona-Pandemie haben die Paten Kontakt zu ihren Schülern gehalten: „Da lief viel über WhatsApp, Skype und Telefon“, erläutert Bär. Mittlerweile gehen auch die persönlichen Treffen wieder los.

Auch Nachhilfe ist möglich

Die Ausbildungsbrücke organisiert zum einen die Patenschaften, die von der neunten Klasse bis zum Abschluss der Ausbildung dauern. Außerdem betreuen die Paten die Teilnehmer in einer 1:1-Beziehung während der Berufsausbildung. Derzeit sind 114 junge Menschen in dem Programm, so Bär. Zu Beginn eines Schuljahres besuchen Mitarbeiter des Projektes in den teilnehmenden Schulen die achten Hauptschul- sowie die neunten Realschulklassen und stellen das für die Schüler kostenlose Angebot vor. „Bei uns bekommst du deinen persönlichen Coach, er hilft dir, deinen Schulabschluss zu schaffen und einen Ausbildungsplatz und Beruf zu finden, der dir wirklich Spaß macht“, heißt es in Flyern, die in den Klassen verteilt werden. „Dein Ausbildungspate unterstützt dich bei Bewerbungen und bleibt dein Ansprechpartner während der gesamten Schulzeit und Ausbildung. Auch Nachhilfe ist möglich.“

Interessierte Schüler können sich dann direkt an die Ausbildungsbrücke wenden. Und die Nachfrage ist groß: So konnten drei weitere Schulen derzeit nicht in das Projekt aufgenommen werden, weil es an Paten fehlt. „Wir würden uns freuen, wenn sich weitere Ehrenamtliche bei uns engagieren würden“, sagt Heinrich Bär. Die Paten müssen eine abgeschlossene Berufsausbildung haben und ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Für weitere Informationen steht der Gesamtkoordinator unter heinrich.baer@lebensraum-diakonie.de zur Verfügung.

Von Thomas Mitzlaff