Donnerstag , 22. Oktober 2020
Im Juli 2019 sind zwei Segelflugzeuge über Lüneburg zusammengestoßen. Ein Segelflieger schaffte die Notlandung auf dem Lüneburger Flugplatz. Der zweite Flieger verlor das Seiten und Höhenleitwerk und rettete sich mit dem Fallschirm. Das Flugzeug stürzte ins Wohngebiet an der Ostumgehung. (Foto: be)

Pro und Contra zum Flugplatz (Teil 2)

Lüneburg. In knapp zwei Wochen startet Lüneburgs erster Bürger­entscheid. Knapp 60000 Einwohnerinnen und Einwohner ab 16 Jahren sind am 14. Juni aufgerufen, eine Frage mit Ja oder Nein zu entscheiden: „Soll die Hansestadt Lüneburg mit dem Luftsportverein Lüneburg e.V. einen Vertrag über den Weiterbetrieb des Flugplatzes Lüneburg über den 31.10.2020 hinaus für 15 Jahre abschließen?“

Die LZ will auf verschiedenen Kanälen über diese Streitfrage informieren und ein Forum für Fragen bieten. Heute nun der zweite Teil einer fünfteiligen Serie, in der beide Seiten jeweils gleichberechtigt zu Wort kommen. Heute nehmen Richard Meier, 1. Vorsitzender des Luftsportvereins, und Ulrich Blanck (Grüne), Sprecher der Stadtrats-Gruppe Grüne/CDU/FDP, zur Frage „Flugplatz-Gegner verweisen auf die Gefahr von Abstürzen. Nachvollziehbar oder überzogen?“ Stellung.

Zugleich können Sie Ihre Fragen stellen. Am 9. Juni werden diese um 16 Uhr beantwortet von Bürgerentscheid-Mitinitiator Axel Rokohl und Oberbürgermeister Ulrich Mädge, aber auch von Meier und Blanck. Es ist das einzige Streitgespräch zwischen beiden Seiten. Wegen der Corona-Pandemie muss es ohne Publikum stattfinden, kann aber auf Facebook live verfolgt werden. Die wesentlichen Inhalte werden anschließend in der LZ abgedruckt.

Ihre Fragen senden Sie bitte bis zum 8. Juni per Mail an marc.rath@mh-lg.de oder per Post an die Redaktion der Landeszeitung, Am Sande 16-20, 21335 Lüneburg. lz

Frage 2: Flugplatz-Gegner verweisen auf die Gefahr von Abstürzen. Nachvollziehbar oder überzogen?

 

  • Richard Meier
  • Ulrich Blanck

Für den Luftsportverein antwortet: Richard Meier (1. Vorsitzender)

Dieses Szenario malen die Flugplatzgegner seit jeher an die Wand. Anders als in den Jahren 2 008/2009, als der Oberbürgermeister den Flugplatz mit einer Asphaltlandebahn ertüchtigen wollte, haben nun er und Teile des Stadtrates dieses Argument für sich entdeckt, um zu rechtfertigen, den Flugplatz und damit auch den gemeinnützigen Luftsportverein für immer aus der sportlichen Landschaft zu entfernen.

Der Flugplatz ist im Laufe der Jahre durch Entscheidungen von Rat und Verwaltung von industrieller Bebauung „umzingelt“ worden. Wie viele andere Fluplätze auch, liegt er nicht auf der „freien Wiese“, und hat daher flugbetriebliche Einschränkungen.

Dennoch ist die momentane Darstellung der möglichen Gefahr und das Ausmaß möglicher Schäden überzogen und nicht objektiv begründet.

Sicher, es hat im Laufe des Flugbetriebs am Lüneburger Flugplatz Vorkomnisse und Unfälle gegeben, bei denen Luftfahrzeuge beschädigt und auch Insassen verletzt wurden. Es ist jedoch hochgradig populistisch das Bild zu zeichnen, dass den Lüneburger Bürgern täglich Flugzeuge auf den Kopf fallen.

Richtig ist, daß in den letzten 85 Jahren, solange wird der Flugplatz an diesem Standort schon betrieben, kein Ereignis dazu geführt hat, daß ein unbeteiligter Dritter einen Körperschaden erlitten hat. Eine Bilanz, die im Vergleich zu dem Geschehen auf Lüneburgs Straßen, für sich spricht.

Auch die Lüneburger Bürger, die im direkten Umfeld des Flugplatzes wohnen, sehen mehrheitlich keine außergewöhnliche Gefährdung, sonst hätten etwa 5000 Menschen, die im Umfeld des Fluplatzes leben, das Bürgerbegehren wohl nicht durch ihre Unterschrift unterstützt.

Auch sehen weder die zuständige Luftaufsichtsbehörde noch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, als fachlich zuständige Stellen, eine außergewöhnliche Gefährdung der Bürger durch an- oder abfliegende Luftfahrzeuge.

Für die Hansestadt antwortet: Ulrich Blanck (Grüne, Sprecher der Stadtrats-Gruppe Grüne/CDU/FDP)

Die ursprüngliche Anlage des Flugplatzes stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Fläche war seinerzeit um ein Vielfaches größer und weiträumig von landwirtschaftlichen Flächen umgeben. Die Umgebung hat sich mittlerweile sehr stark gewandelt. Es sind ganze Stadtteile, zuletzt das Hanseviertel, sowie Gewerbegebiete rund um das Flugfeld entstanden. In der Umgebung des Flugplatzes leben, wohnen und arbeiten heute etwa 24 000 Menschen. Die Landebahn ist mittlerweile eingeengt von umliegenden Bebauungen, der Bundeswehr und dem Wall der Ostumgehung. Eben diese, in Niedersachsen absolut einzigartige Lage des Flugplatzes in einer Stadt, birgt natürlich Risiken und hat in den letzten Jahren leider auch bereits zu mehreren Unfällen, bisher glücklicherweise ohne den Verlust von Menschenleben, geführt.

Die Landebahn, die bereits unmittelbar hinter dem Wall der Ostumgehung beginnt, macht es so gefährlich. Zwei gravierende Unfälle sind ganz offensichtlich darauf zurückzuführen. Eine Maschine schaffte es beim Start nicht über den Wall, blieb nur noch wenige Meter von der Fahrbahn der Ostumgehung entfernt hängen. Eine zweite Maschine im Landeanflug erreichte die Landebahn nicht und stürzte auf die Straße „Stadtkoppel“, nur ca. 20 Meter hinter dem Sportplatz der Igelschule. Diese beiden Abstürze wurden von auswärtigen Piloten verursacht, die den Wall wohl nicht richtig einschätzen konnten und den fliegerischen Anforderungen letztlich nicht gewachsen waren.

Was passiert, wenn ein Flugzeug in den Verkehr auf der Ostumgehung stürzt, dürfte jedem klar sein. Ebenso wäre es eine Katastrophe, wenn eine Maschine den Wall beim Start streifen und einige Meter weiter auf die Schule oder Kita stürzen würde. Das durch die stattgefundenen Unfälle zweifelsfrei als real nachgewiesene Risiko ist in der Abwägung zwischen der Ausübung eines Hobbys und dem Schutz der Bevölkerung nicht mehr verantwortlich hinnehmbar. Die Sicherheit der Bevölkerung muss die oberste Priorität haben.

Fortsetzung folgt.

Mehr dazu:

Pro und Contra zum Flugplatz (Teil 1)