Samstag , 19. September 2020
Wenn es nach dem BUND ginge, würden die Planungen für Neubaugebiete wie zum Beispiel Am Wienebütteler Weg erst einmal auf Eis gelegt bis das Stadtentwicklungskonzept vorliegt. (Foto: be)

„Konzeptloser Flächenfraß“

Lüneburg. Konzeptlosen Flächenfraß für immer neue Baugebiete am Rande der Stadt Lüneburg kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Regionalverband Lüneburg. „Dabei gibt der noch aktuelle Landschaftsplan von 1996 viele Empfehlungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung, doch diese wurden größtenteils nicht umgesetzt“, meint Sibylle Wickbold vom Vorstand. Der fordert: Bis das Integrierte Stadtentwicklungskonzept und der aktualisierte Landschaftsplan nicht vorliegen, soll es keine Beschlüsse zu Bebauungsplänen wie zum Beispiel Am Wienebütteler Weg oder anderen geplanten Neubaugebieten geben.

Empfehlungen für nachhaltige Stadtentwicklung

Zuletzt wurde im Bauausschuss erörtert, dass bis zu 400 Wohneinheiten im geplanten Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg entstehen könnten. Bislang hatte es immer 260 geheißen. „Im Landschaftsplan von 1996 hingegen heißt es sogar, dass die Fläche aufgrund der durch die Wohnbebauung zu erwartenden direkten und indirekten, zum Teil unausgleichbaren Auswirkungen auf Klima, Boden, Flora und Fauna sowie Erholung nicht bebaut werden sollte“, zitiert Wickbold. Zur Erläuterung: Der Landschaftsplan ist Grundlage für Flächennutzungs- und Bebauungspläne und soll vor allem die Kommunen in die Lage versetzen, ihre Verantwortung für die Naturschutz- und Umweltbelange wahrzunehmen.

Was dort festgehalten ist, seien zwar Empfehlungen für eine nachhaltige grüne Stadtentwicklung, so die Umweltschützerin. „Aber aus unserer Sicht sind es klare Vorgaben für die Stadt, die sich Zukunftsstadt nennt. Dementsprechend müsste sie handeln. Aber es wird konzeptlos in die Landschaft gebaut. Grünflächen, die für die Lebensqualität einer Stadt wichtig sind, gehen verloren.“ Aber auch vor dem Hintergrund der Klimakrise sei das unverantwortlich.

Innen- vor Außenentwicklung

Für den BUND-Regionalverband ist es ein „Killerargument, wenn es heißt: Die Menschen brauchen Wohnraum, wir müssen bauen.“ Zumal hier die Nachfrage von vielen Zugezogenen bedient werde, meint Wickbold. Wenn bauen, dann habe Innen- vor Außenentwicklung Vorfahrt, sprich Nachverdichtung. Das sieht das Baugesetzbuch so vor. Passieren müsse aber auch das mit Maß und dürfe nicht zur massiven Versiegelung von Flächen führen.

Für die Stadt sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck zu der Kritik des BUND: „Die Erarbeitung eines Landschaftsplanes dauert mehrere Jahre, die Grundlagen des Planes von 1996 sind also heute 30 Jahre alt und inzwischen von der Entwicklung von Natur und Landschaft überholt. Es kann niemand ernsthaft fordern, dass wir ausschließlich 30 Jahre alte Pläne zu Rate ziehen. Darum wurde ja auch 2017 durch den Landkreis ein neuer Landschaftsrahmenplan aufgestellt, für das Stadtgebiet eine aktuelle Biotoptypenkartierung durchgeführt und ein Landschaftsplan im Entwurf fertiggestellt. Vor einem Beschluss ist jedoch noch eine Vielzahl von Stellungnahmen zu berücksichtigen.“

Strukturlose Ackerfläche in Wienebüttel

Natürlich sei jede Bebauung ein Eingriff, das sei unstrittig. „Aber sie erfolgt nur nach umfangreichen Verfahren und sorgsamer Abwägung. Wir haben in Wienebüttel strukturlose Ackerfläche, das Ziel der Strukturanreicherung/Förderung der Strukturvielfalt wird durch die Ausgleichsmaßnahmen am neuen Siedlungsrand erreicht, also vor Ort, ebenso ein wichtiges Kriterium.“

Die Stadt müsse aber auch Wohnen ermöglichen und könne nicht den Menschen, die dringend auf Wohnungen warten, sagen: wartet ruhig noch ein paar Jahre länger, in Lüneburg passiert jetzt erstmal gar nichts, bis nicht alle Konzepte geschrieben sind. „Die Erkenntnis über die schwierige Wohnungssituation in Lüneburg war die Grundlage für den Beschluss zum Wohnungsbauprogramm 2016 und das Votum, laufende Bauleitplanungen und das Wohnungsbauprogramm ausdrücklich fortzuführen und nicht zuvor die Erstellung eines Integrierten Stadt-entwicklungskonzeptes abzuwarten. Den Prozess für dieses Konzept werden wir aber in diesem Jahr starten.“

Von Antje Schäfer