Dienstag , 22. September 2020
Tom Twesten und die anderen Mitglieder der Dorfjugend wollen wegen Corona nicht auf Traditionen verzichten. (Foto: t&w)

Mechtersen: Brauchtum auf Sparflamme

Mechtersen. Pfingsten gehört seit jeher der Dorfgemeinschaft. Dann schmückt die Dorfjugend Mechtersens die Ortseingänge mit selbstgebundene n Girlanden aus grünen Blättern, schlägt junge Birken, verteilt sie als Pfingstbäume im Ort und zieht dafür von Haustür zu Haustür. Das ist guter Brauch in der kleinen, rund 700 Einwohner zählenden Gemeinde. Nur nicht in diesem Jahr.

Denn das Land Niedersachsen hat in seiner Verordnung vom 25. Mai Pfingstbräuche wie etwa das gemeinsame Baumschlagen und Aufstellen der Pfingstbäume untersagt. Wegen der Corona-Pandemie zum Schutz vor Infektionen mit dem Virus. „Selbstverständlich halten wir uns an das Verbot und bleiben zuhause“, sagt Tom Twesten von der Dorfjugend.

Doch so ganz wollen die jungen Leute in Mechtersen das Brauchtum an Pfingsten nicht unter den Tisch fallen lassen. Trotz der Einschränkungen. „Wir haben eine Mini-Girlande gebunden und im Dorf aufgestellt“, erzählt der 21-Jährige.

Drittwichtigster christlicher Feiertag

Dabei habe man sich streng an die Auflagen zum Infektionsschutz gehalten. „Wir haben darauf geachtet, dass wir nicht aus mehr als zwei Haushalten kommen und Mundschutz tragen“, sagt er. Und so müssen die Mechterser auch in diesem besonderen Jahr, an dem vieles anders ist, Pfingsten dennoch nicht auf den Grünschmuck in ihrem Dorf verzichten. Wenn auch viel kleiner als sonst, denn eigentlich werden die Girlanden zwischen Bäumen über die Straße gespannt.

„Ein bisschen Tradition muss sein. Immerhin wird sie seit Generationen bei uns gepflegt. Selbst mein Großvater, er wird 85 Jahre alt, hat als junger Mann schon Girlanden gebunden und Pfingstbäume geschlagen und dann an die Haushalte verteilt“, berichtet Tom Twesten.

Das Pfingstfest ist neben Ostern und Weihnachten der drittwichtigste christliche Feiertag, weil er als Geburtsstunde der Kirche gilt. Aber es fällt eben auch in die Blüte des Frühjahrs. „Mit dem Maigrün feiern wir bei uns den Frühling“, erklärt er. Nicht nur das. „Jedes Jahr an Pfingsten nehmen wir neue Mitstreiter auf. Denn nach der Konfirmation dürfen Jugendliche bei uns mitmachen.“
Die Dorfjugend Mechtersen ist kein Verein. Zurzeit wirken in dem Zusammenschluss rund 40 Aktive mit, ungefähr gleich viele Frauen und Männer im Alter von 14 bis 30 Jahre: unter anderem Schüler, Junglandwirte, Studenten, Zimmerleute, IT-Fachkräfte, Bürokaufleute.

Auch im Neubaugebiet beliebt

„Wir sind das Bindeglied der jungen Generation im Ort. Unsere Aktionen wie kleinere Ausflüge, gemeinsames Boßeln und der Einsatz für die Dorfgemeinschaft schweißen zusammen“, erzählt Tom Twesten.

Die Dorfjugend organisiert neben den Pfingstbräuchen nämlich auch das Osterfeuer. „Wir feiern immer zusammen und zwar generationsübergreifend.“ Nur eben nicht in diesem Jahr, da kommt auch in Mechtersen wegen der Corona-Krise die Geselligkeit zu kurz. „Nachdem das Osterfeuer schon abgesagt wurde, fällt nun die nächste traditionelle Veranstaltung aus“, bedauert Tom Twesten, der nun auf Pfingsten 2021 setzt.

Denn auch die Neubürger finden schnell Gefallen an dem, was die Dorfjugend auf die Beine stellt. „In unserem kleinen Neubaugebiet kommt unser Pfingstbaumaufstellen immer gut an. Wie überall im Ort, erhalten wir auch dort reichlich Spenden an den Haustüren als Lohn für unseren Einsatz.“

Auch in Soderstorf in der Samtgemeinde Amelinghausen fällt das Brauchtum aus. „Aufgrund der aktuellen Situation um die Corona-Pandemie haben auch wir uns dazu entschlossen, das bekannte Pfingstbaumpflanzen ausfallen zu lassen“, teilt die Gemeinde mit. Es wird stattdessen für das ganze Dorf einen Baum an der Kreuzung gepflanzt, außerdem werden vor der Bäckerei und dem Friseursalon jeweils ein Baum gepflanzt.

Von Stefan Bohlmann