Dienstag , 29. September 2020
Die Gebäude der Leuphana bleiben auch für die Prüfungen geschlossen. Foto: t&w

Möglichst wenig Prüfungen vor Ort

Lüneburg. Prüfungen, bei denen über 300 Studenten einen Hörsaal besetzen, sind in der Corona-Pandemie undenkbar geworden. Nachdem das Sommersemester online stattgefunden hat, sollen nun auch die Prüfungen auf diesem Weg durchgeführt werden – wenn die Anwesenheit nicht als zwingend nötig erachtet wird. Die Entscheidung treffen die Lehrenden.

Diese Regelung wurde vergangene Woche im Senat der Universität beschlossen und die Rahmenprüfungsordnung entsprechend geändert. „Online ist nach wie vor das Mittel der Wahl“, sagt Pressesprecher Henning Zühlsdorff. Die Prüfungen sollen im Wesentlichen digital stattfinden, letztlich können die Lehrenden sich aber auch anders entscheiden.

„Wir haben den Vorschlag begrüßt“

„Sieht jemand die Notwendigkeit, eine Klausur vor Ort stattfinden zu lassen, werden wir die Begründung prüfen und dem dann gegebenenfalls stattgeben.“ Das Gebäudemanagement der Universität habe deshalb bereits geprüft, wie Präsenzprüfungen unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen möglich sein könnten. „Das ist alles nicht ganz ohne und mit einem erheblichen Aufwand verbunden“, erklärt Zühlsdorff, warum der digitale Weg Vorrang haben sollte.

Die Studenten hatten sich das Prozedere anders gewünscht, sind formal aber von der Gestaltung der Prüfungsform ausgeschlossen. „Die Prüfungsausschüsse, in denen auch Studenten sitzen, wurden für die Zeit der Corona-Krise aus der Rahmenprüfungsordnung rausgestrichen, wir haben somit kein offizielles Mitspracherecht bei der Gestaltung der Prüfungsform mehr“, erklärt Anna Dingler, Sprecherin des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA). Dabei ist es letztlich nur ein kleiner Wunsch, der Universität und AStA trennt: „Wir haben den Vorschlag begrüßt, dass die Prüfungen weitestgehend online stattfinden. Jedoch haben wir gefordert, dass die Wahl bei den Studenten und nicht bei den Lehrenden liegt“, sagt Dinglers AStA-Kollege Daryoush Danaii.

„Wir sind da im Austausch mit der Uni“

Schließlich seien manche der jungen Leute durch eine schlechte Internetverbindung oder fehlende digitale Ausrüstung nicht in der Lage, problemlos an online-Klausuren teilzunehmen. Dafür versuche der AStA derzeit, Einzelarbeitsplätze in den Räumen der Universität zur Verfügung zu stellen. „Wir sind da im Austausch mit der Uni und hoffen, dass sie auf unsere Vorschläge eingeht“, sagt Anna Dingler.

Auch die Präsenzprüfungen könnten Studenten vor Herausforderungen stellen. Entweder, weil sie selbst zur Risikogruppe gehören, mit solchen in einem Haushalt leben, oder weil sie sich gerade überhaupt nicht in Lüneburg aufhalten.

Die Studenten forderten deshalb, „in diesem besonderen Semester einen Freiversuch einzuführen“, erklärt Dingler. Dadurch würde eine nichtbestandene Prüfung als nicht unternommen gelten. Der Antrag wurde im Senat abgelehnt, Henning Zühlsdorff betont jedoch, dass die Leuphana keinen Studenten „im Regen stehen lassen“ werde. „Wir haben die Möglichkeit auf Einzelfälle einzugehen“. lvc