Sonntag , 27. September 2020
Scala-Geschäftsführerin Ruth Rogée öffnet den Vorhang schon einmal ein kleines Stück. Am 2. Juli soll es wieder losgehen. Foto: t&w

Keine Totenrosen vor dem Eingang

Lüneburg. Plötzlich kam Nervosität auf. Ist das Scala-Programmkino am Ende, den Corona-Tod gestorben? Rote Rosen sollen am Eingang gelegen haben. Totenrosen. „Das ist eine verrückte Geschichte“, sagt Ruth Rogée, Scala-Geschäftsführerin – und lacht. Sie klärt auf: Die Rosen waren Nelken, Teil einer Aktion zum 8. Mai. Dem Kino geht es gut. Am 2. Juli soll es wieder losgehen.

Öffentliche Hilfe, Geld von Nordmedia und gestundete Miete helfen über die filmlosen Wochen. „Außerdem bilden wir immer Rücklagen für das Frühjahr, das traditionell eine Zeit mit weniger Besuchern ist“, sagt Rogée. Sie ist recht entspannt und rechnet damit, etwa jeden dritten Platz besetzen zu können, wenn endlich wieder Filme gezeigt werden dürfen. Das sollen zuerst „Berlin Alexanderplatz“ und „Undine“ sein.

1,5 Meter Distanz auch in den Kinosälen

Die Säle im Filmpalast könnten früher bespielt werden. Die Zeit des Leerstands wurde genutzt, um eine neue, aufwendige Tontechnik in die großen Säle 1 und 8 zu installieren (Bericht folgt). Aber wann geht es los? „Es geistert im Moment der 8. Juni herum. Wir sind bereit. Aber offiziell ist das noch nicht“, sagt Kinoleiterin Annette Wörsdörfer. Sie hat längst ausgerechnet, wie es funktionieren kann. Bei einem gebotenen Abstand von 1,50 Meter kann sie 20 Prozent der maximalen Plätze besetzen. Das entspricht im größten Saal 1 weniger als 100 Besucher.

Ob die Zahl machbar ist, wird eine entsprechende Verordnung des Landes zeigen. In Schleswig-Holstein, wo seit 18. Mai Kinos öffnen dürfen, sind laut dem Hauptverband Deutscher Filmtheater maximal 50 Besucher pro Vorstellung erlaubt. Es sind aber erst wenige Häuser dabei. Die CinemaxX-Gruppe hat ihr Kieler Kino neben zwei weiteren Häusern der Kette in Deutschland geöffnet, mit allen üblichen Corona-Maßnahmen: Kontakdaten, Leitsystem, Maskenpflicht bis zur Einnahme des Platzes, 1,5 Meter Platzabstand, nur nicht für Paare und Familien etc. Sonst herrscht noch weitgehend Dunkelheit auf den Leinwänden. In Lübeck immerhin bietet das Kommunale Kino in der Mengstraße ein Programm. oc

Bundesweit keine einheitliche Regelung

Eine Frage des Abstands

In den Ländern sind die Termine für die Kino-Wiedereröffnungen uneinheitlich geregelt. Die ersten Lichtspielhäuser in Hessen, Sachsen und Schleswig-Holstein haben bereits geöffnet. Am Montag folgten Kinos in Mecklenburg-Vorpommern, dann die in Rheinland-Pfalz, am Donnerstag öffnete Sachsen-Anhalt. Für Sonnabend ist die Wiederöffnung in Nordrhein-Westfalen geplant. Für die anderen Bundesländer sind bisher keine Termine bestätigt.

Kinoverbände haben die Regeln zur Wiedereröffnung von Lichtspielhäusern kritisiert. „Welche Hygienemaßnahmen wir umsetzen sollen, ist bisher bundesweit nicht klar geregelt“, sagt Christine Berg vom Vorstand HDF Kino. In ganz Deutschland gebe es keine einheitliche Linie.

Eines der größten Probleme seien zudem die Abstandsregeln, die meist 1,5 Meter zwischen Besuchergruppen vorschreiben. Das bedeutet, dass mehrere Plätze neben, vor und hinter einem Besucher frei bleiben müssen. So kann ein Kinosaal laut Berg aber nur zu maximal 20 oder 25 Prozent ausgelastet werden. „Wenn zwei Plätze belegt sind, müssen zwölf frei bleiben“, sagt sie. „Oberste Priorität ist, Gäste und Mitarbeiter zu schützen. Aber wir haben das Gefühl, dass die Regeln für Kinos wahnsinnig streng angesetzt werden.“ Sie verwies auf Supermärkte oder die Bahn, wo nicht immer 1,5 Meter Abstand gehalten werden.

Christian Bräuer von der AG Kino betont, dass schon ein Meter Abstand – wie in Österreich, Italien und Frankreich – eine Verbesserung wäre, weil dann jede Reihe besetzt werden könnte. „Dann wäre ein Schachbrettsystem denkbar, bei dem zwar jede Reihe, die Plätze aber versetzt und nicht direkt hintereinander belegt werden.“ rdn/dpa