Sonntag , 25. Oktober 2020
Schausteller-Vorsitzender Benno Fabricius. Foto: A/be

Eine Außenstelle des Jahrmarkts

Lüneburg. Beim Weihnachtsmarkt haben die Schausteller das letzte Mal Geld verdient, vielen steht das Wasser bis zum Hals. Sie bitten Lüneburg um Hilfe: Die Betriebe möchten in den kommenden Wochen und Monaten insgesamt zehn mobile Stände aufbauen und zwar auf der Bäckerstraße sowie an der IHK-Seite des Sand. Zudem könnte ein kleiner Markt mit Karussell, Enten werfen und Bändchen ziehen kombiniert mit einem Süßwarenangebot im Clamartpark entstehen. Einen entsprechenden Antrag hatte der Schaustellerverband Lüneburg und Umgebung bei der Stadt gestellt.

Doch Standorte in den Fußgängerzonen können sich weder Verwaltung noch Verwaltungsausschuss (VA) vorstellen, wie der Austausch auf der Sitzung am Dienstag ergab. Der Grund: Es werde zu eng in der Innenstadt, Abstandsregelungen könnten nicht eingehalten werden. Einmütig vorstellbar seien aber der Standort Am Sande vor der ehemaligen Einhorn-Apotheke, wenn alle sonstigen Voraussetzungen geklärt sind. Mehrheitlich vorstellbar sei auch, einen kleinen Teil des Clamartparks zu bespielen.

Keine Volksfeste bis Ende August

„Wir haben keine Einnahmen, aber Kosten“, hatte Benno Fabricius im Vorfeld der Sitzung gegenüber der LZ erklärt. Der Schausteller-Vorsitzende berichtet, dass nach dem Weihnachtsmarkt die Winterpause begann, danach machte Corona einen Strich durch alle üblichen Veranstaltungen wie den Frühjahrsmarkt. Bis Ende August dürfen keine Volksfeste gefeiert werden, so ist der Hamburger Dom beispielsweise abgesagt. Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. „Wir haben 40 Mitgliedsbetriebe, wir sind als Unternehmer ein Teil der Stadt“, betont Fabricius und appelliert an die Solidarität der Wirtschaft und der Bürger.

Am Mittwoch trafen sich Schausteller und Verwaltung im Rathaus zum Gespräch. Ordnungsdezernent Markus Moßmann, in dessen Aufgabenbereich Märkte und Sondernutzungen fallen, erklärt: „Wir verstehen das Anliegen der Schausteller. Andererseits wissen wir, dass die Abstandsregeln auf lange Sicht weiter Alltag bleiben und eines der wichtigsten Instrumente darstellen, um das Coronavirus in Schach zu halten. Es ist aber in unseren Fußgängerzonen schon wieder recht belebt. Dazu ist im Sommer sicherlich mit mehr Städtereisen zu rechnen als sonst – kurz: Wir halten zusätzliche Stände und Buden in den Fußgängerzonen für nicht sicher praktikabel.“

Die Stände sollen sich abwechseln

Vorstellbar dagegen seien Angebote dort, wo mehr Platz zur Verfügung stehe. Sollen die Flächen wegen der Frequenz relativ innenstadtnah sein, so ergab der Austausch im VA, käme allenfalls der von den Schaustellern auch angefragte Bereich Am Sande vor der ehemaligen Einhorn-Apotheke in Frage. „Auch den Clamartpark können wir uns für eine Art Familienangebot vorstellen, auf einer kleinen Fläche unten zur Roten Straße hin, wo auch sonst Veranstaltungen stattfinden dürfen“, so Moßmann. Hier konnte sich die Politik mit Mehrheit anschließen, es gab aber auch zum Beispiel Befürchtungen, die dauerhafte Bespielung könne das ökologische Gefüge vor Ort zu sehr stören, der Boden zu stark verdichtet werden. Allerdings: Aktuell wären nur ein, zwei Karussells dort im Gespräch plus vielleicht ein allgemeines Angebot und alkoholfreie Getränke. Die Stände sollen sich abwechseln, damit mehrere Schausteller zum Zuge kommen (vor allem welche aus Lüneburg), so der Wunsch von Verwaltung und VA), so dass dann auch jeweils der genaue Standort im Park ein wenig variiert werden könnte.

Die Schausteller müssen nun für die infrage kommenden Standorte konkrete Angebote mit Hygienekonzept vorlegen. Die Abstimmung mit dem Landkreis muss erfolgen. Nach Pfingsten kann es zu Entscheidungen über die einzelnen Standorte kommen. ca/lz