Samstag , 31. Oktober 2020
Unfall bei Rosche auf der B493: Dies ist eines von vier beteiligten Fahrzeugen, eine Frau wurde dabei verletzt. Foto: Polizei

Endstation U-Haft

Lüneburg. Es sind Szenen wie in einem Krimi. Junge Männer stehlen ein Auto, liefern sich wilde Verfolgungsjagden über fast 50 Kilometer mit der Polizei, rasen falsch herum durch Einbahnstraßen, missachten rote Ampeln, verursachen Unfälle. Rund ein Dutzend Streifenwagen und ein Hubschrauber sind schließlich nötig, um die wilde Fahrt durch zwei Landkreise zu beenden. Zurück bleiben mehrere demolierte Fahrzeuge und eine verletzte Frau.

Doch es ist kein Film, es ist Realität, was sich vergangene Woche auf Lüneburgs und Uelzens Straßen ereignete. Und es ist nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass es keine Todesopfer gab. Denn wer mit über 100 km/h durch die Innenstädte von Lüneburg und Uelzen sowie mit Tempo 180 über Landstraßen donnert, der hat kaum noch Kontrolle über seinen Wagen und nimmt unkalkulierbare Risiken in Kauf.

„Das hätte noch ganz anders ausgehen können“, sagt am Dienstag auch Polizeisprecherin Antje Freudenberg. Derzeit sind ihre Kollegen noch dabei, die Umstände jener dramatischen Stunden genau zu rekapitulieren, die dem mutmaßlichen 18-jährigen Haupttäter unmittelbar den Weg ins Untersuchungsgefängnis bescherten.

Quartett flüchtet mit überhöhter Geschwindigkeit

Dienstagabend letzter Woche hatte der junge Mann mit einem gleichaltrigen Komplizen zunächst einen Mercedes in Alt Garge gestohlen. Eine Stunde später nahmen sie damit auf der Lüneburger Willy-Brandt-Straße einem anderen Auto die Vorfahrt, rammten dieses und flüchteten mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Universität. „Wer da am Steuer saß, wissen wir noch nicht abschließend“, schildert Freudenberg. Eine Fahndung blieb erfolglos.

Mittwochmorgen gegen 5 Uhr dann in der Goseburg der nächste Pkw-Diebstahl, diesmal ein Audi. Stunden später treffen zivile Polizeibeamte am Wilschenbrucher Weg dann zufällig auf die beiden 18-Jährigen, in deren Begleitung sich noch ein 15- und ein 17-Jähriger befinden.

Das Quartett steigt in den Audi und flüchtet mit überhöhter Geschwindigkeit, der Mercedes bleibt zurück. Mit Tempo 100 geht es unter Missachtung aller Verkehrsregeln durch die Lüneburger Innenstadt und weiter Richtung Soltau. Die Polizisten brechen die Verfolgung schließlich ab, weil sie zu gefährlich für Unbeteiligte wird.

Eine Frau erleidet Verletzungen

Stunden später fällt der Audi einer Streife im Raum Ebstorf auf. Jetzt sitzen nur noch zwei junge Männer im Wagen. Die Verfolgung, an der mehrere Polizeifahrzeuge sowie ein Hubschrauber beteiligt sind, führt fast 30 Kilometer quer durch den Landkreis Uelzen, mit hoher Geschwindigkeit durch dichte Uelzener Wohngebiete bis nach Rosche. Dort nehmen die 18-Jährigen einem anderen Wagen auf der B 493 die Vorfahrt, letztlich sind vier Autos in den Zusammenstoß verwickelt, eine Frau erleidet Verletzungen. Die Fahrt mit dem beschädigten Fluchtfahrzeug endet bei Rosche, die Täter wollen zu Fuß flüchten. Doch die Polizisten sind schneller. Insgesamt waren mehr als ein Dutzend Polizeiwagen sowie das Mobile Einsatzkommando an der Fahndung beteiligt.

Der 18-jährige Fahrer füllt bei den Strafbehörden schon zahlreiche Strafakten, er war erst im April aus dem Gefängnis entlassen worden. Dort verbüßte er eine Jugendhaftstrafe. „Bevor man in dem jungen Alter ins Gefängnis muss, hat man sich schon einiges geleistet“, heißt es dazu aus Ermittungskreisen. Unter anderem soll der junge Mann zahlreiche Einbrüche begangen haben. Die Staatsanwaltschaft beantragt einen Untersuchungs-Haftbefehl wegen Fluchtgefahr, das Amtsgericht Lüneburg schickt den jungen Mann gleich wieder in U-Haft.

Von Thomas Mitzlaff

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