Wirtschaftsförderer Jürgen Enkelmann (l.) und Oberbürgermeister Ulrich Mädge (r.) beantworteten die Fragen der Bürger, der ehemalige Chefredakteur der Landeszeitung, Christoph Steiner, moderierte den Online-Info-Abend. Foto: t&w

Digitale Fragestunden

Lüneburg. Das Thema beschäftigt die Gemüter – und beschleunigt ganz nebenbei die digitale Entwicklung: Um allen Bürgern die Gelegenheit zu geben, auch in Zeiten von Corona Fragen zur Zukunft des Flugplatzes zu stellen und Antworten auf noch ungeklärte Sachverhalte zu bekommen, hatte die Verwaltung am Montagabend zu einem Online-Info-Abend eingeladen. Die Informationen waren dann auch umfassend, die Diskussionen nicht: Der Luftsportverein hatte seine Teilnahme, wie bereits zuvor für die Veranstaltung in der Schlieffenkaserne, abgesagt.

Die Besetzung in der neuen Musikschule war dementsprechend analog zur analogen Runde der vergangenen Woche: Neben Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge bezog der Chef der Wirtschaftsförderung, Jürgen Enkelmann, Stellung zur Thematik, als Fachmann für die rechtlichen Sachverhalte hatte die Stadt ihren Dezernenten Markus Moßmann hinzugebeten. Durch den Abend führte erneut der ehemalige Chefredakteur der Landeszeitung, Christoph Steiner.

Der begrüßte dann auch die Zuschauer an den Bildschirmen und äußerte sein Bedauern darüber, dass kein Vertreter des Luftsportvereins Bereitschaft gezeigt hatte, an der Veranstaltung teilzunehmen. Einer kurzen Präsentation des Sachverhaltes durch Mädge folgten knapp zwei Stunden, in denen die Bürger Gelegenheit hatten, Fragen zu formulieren – telefonisch oder schriftlich über Facebook und YouTube oder per E-Mail. Und davon machten auch viele Gebrauch.

Immer wieder Anfragen von außerhalb

Viel Bedarf nach Aufklärung fand nach wie vor die Nachnutzung des Areals, die der Oberbürgermeister erneut erläuterte: 40 Prozent sollen als Gewerbefläche verwendet werden, insbesondere einige der dort bereits ansässigen Firmen hätten Interesse bekundet, ihre Unternehmen erweitern zu wollen. Eine solche Umsetzung sei quasi sofort möglich. Neuansiedlungen müssten hingegen etwas mehr Geduld aufbringen: Sollte der Bürgerentscheid negativ ausfallen, müsse der Luftsportverein in einem ersten Schritt seine Hallen abreißen, dann müsste eine Erschließungsstraße gebaut werden. Mitte 2021 – so Mädge – sei mit einer Fertigstellung zu rechnen.

Und dass es immer wieder Anfragen von außerhalb gebe, betonte Enkelmann: „Wir stehen im direkten Konkurrenzkampf zu den umliegenden Landkreisen. Wenn wir keine Flächen bieten können, geht das Gewerbe eben woanders hin.“ Gerade die vorhandene Infrastruktur von Straße, Schiene und Wasserweg mache das Gebiet aber für viele ideal. Ideal sei aus seiner Sicht auch Mehrwert für die Bürger: „Wir haben hier viele Fachkräfte, die jetzt noch auspendeln.“ Denen würde eine Perspektive geboten.

Die würde der Feuerwehr genommen: Noch ist der Flugplatz, der korrekt „Sonderlandeplatz“ heißt, Standort des Feuerwehrflugdienstes. Von hier aus startet die kleine Cessna zu Beobachtungstouren und unterstützt bei konkreten Einsätzen die Einsatzkräfte am Boden. Mädges Aussage dazu: Die Feuerwehrflüge könnten über den Flugplatz im Landkreis Uelzen erfolgen, zudem hätte sich der Einsatz von Drohnen bewährt: Sie seien schneller vor Ort als die Brandschützer in ihren Maschinen, die bislang gesammelten Erfahrungen seien durchweg positiv.

Ein Experiment, das die Stadt wiederholen wird

Positiv seien letztlich auch die Auswirkungen für die Umwelt, wie Enkelmann wiederholt betonte: Wenn die Menschen Arbeit vor Ort fänden, würden Pendlerströme unterbunden, das hätte einen ebenso positiven Effekt auf die CO₂-Bilanz wie die Schaffung der 60 Hektar großen Ausgleichsfläche mit Solarfeldern, Teilaufforstung und Blühstreifen. Zudem, so der Oberbürgermeister, würden die neuen Unternehmensgebäude unter ökologischen Aspekten errichtet werden. Modernes Gewerbe, das sei das, was Lüneburg ansiedeln will. Und das sei auch das, was die Bundesregierung durch ihr Konjunkturprogramm Digitalisierung fördern will.

Dass die Stadt den Schritt in diese Richtung mitgehen kann, hat sie am Montagabend bewiesen: Die erste digitale Bürgerveranstaltung verlief ohne Probleme. Im Rückblick sagt Rathauschef Mädge: „Es war ein Experiment, das die Hansestadt aber durchaus wiederholen wird.“ Der Oberbürgermeister sieht das digitale Format als Angebot an diejenigen, „deren Interesse nicht so groß ist, dass sie zu einer Bürgerversammlung gehen, die von zu Hause aus aber schon mal reinschalten“.

Nach Angaben der Stadt gab es auf YouTube rund 220 Aufrufe während der Sendung und noch einmal 275 danach. Auf Facebook sahen die Online-Bürger-Info zwischen 70 und 100 Personen live, bis Dienstagnachmittag wurde die Seite mit dem Video insgesamt 3685 Mal aufgerufen. Bis zum Bürgerentscheid am 14. Juni kann das Video auch weiterhin abgerufen werden auf YouTube, Facebook und auch über die städtische Homepage.

Von Ute Lühr

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