Samstag , 26. September 2020
Im Lüneburger Freibad Hagen (Bild links) stürzen sich die Schwimmmeisterin Annika Czerwinska (vorn) und ihr Kollege Nico Schmidt in die Fluten, in Adendorf schwimmt Brigitte Vahrenholt ihre ersten Bahnen der neuen Saison. (Foto: be)

Mit viel Schwung ins kühle Nass

Lüneburg/Adendorf. Die Coronakrise stellte auch die Geduld der Wasserratten auf eine harte Probe – am Montag war es endlich soweit, die ersten Freibäder in Niedersachsen luden zum Schwimmen ein. Bardowick und Dahlenburg waren dabei, ebenso das Freibad Adendorf und das Lüneburger Freibad Hagen. Bei Lufttemperaturen von 15 Grad hielt sich der Andrang in Grenzen – aber einige Hundert Gäste machten den ersten Sprung der Saison ins kühle Nass. Für alle Bäder gilt: Mehrmals täglich wird gereinigt und desinfiziert, Abstände sind einzuhalten.

In Adendorf gehörte Betriebsleiter Roman Zuther zur „Frühschicht“, die im Freibad am Scharnebecker Weg die Sommersaison 2020 mit mehr als dreiwöchiger Verspätung eröffnete: „Schon um 6.20 Uhr standen die ersten Gäste vor dem Eingang. Wie es sich gehört, mit entsprechendem Abstand voneinander. Viele alte Bekannte waren da.“

Jeweils 100 Badegäste zurzeit, die jeweils für eine Stunde das Bad besuchen können, das ist das Konzept, das Adendorf für den Wiederbeginn gewählt hatte. Unter den vielen Freibädern in Niedersachsen, die öffneten, hatte sich der Norddeutsche Rundfunk Adendorf als Beispiel ausgesucht – mehrmals täglich berichtete der NDR live von dort.

Zu denen, die gleich am ersten Tag den Sprung in kühle Nass machten, gehörte Brigitte Vahrenholt. „Seit 30 Jahren bin ich fast täglich hier. Es ist einfach herrlich und im Wasser gar nicht kalt“, sagte sie. Kein Wunder – bei 23 Grad Wassertemperatur und nur 15 Grad an der Luft. Vahrenholt ist Vorstandsmitglied im Förderverein Baden in Adendorf, der die Schwimmmeister um Roman Zuther unterstützt. Bis zum späten Nachmittag hatten knapp 190 Badegäste die Gelegenheit genutzt, die ersten Bahnen durch das Adendorfer Bad zu ziehen – Bürgermeister Thomas Maack und der zuständige Fachbereichsleiter Holger Schölzel waren zufrieden.

Geöffnet ist in Adendorf zurzeit nur das 50-Meter-Becken, im Lüneburger Freibad Hagen ist neben dem Schwimmer- auch das Nichtschwimmerbecken freigegeben, in Hagen dürfen auch die Sprungbretter genutzt werden.

„Schon ab 6.15 Uhr hat sich eine Schlange vor der Kasse gebildet.“ – Dirk Günther, Geschäftsführer Kurmittel Lüneburg GmbH

Dirk Günther, Geschäftsführer der Kurmittel Lüneburg GmbH, konnte den Beginn der Saison 2020 kaum abwarten. Wie Adendorf öffnet auch das Freibad Hagen um 6.30 Uhr seine Pforten. „Schon ab 6.15 Uhr hat sich eine Schlange vor der Kasse gebildet, Gäste im Bademantel, mit Badelatschen“, berichtete Günther, der frühmorgens selbst vor Ort war.

Anders als in Adendorf müssen sich Badegäste im Freibad Hagen online anmelden, können sich ein Zeitfenster wählen, dürfen dann bis zu drei Stunden bleiben. „Ich freue mich so, dass wir endlich wieder öffnen konnten, dass es endlich wieder möglich ist, mit den Gästen zu schnacken“, so Günther, der sich in den letzten Tagen ausschließlich mit dem Öffnungsbedingungen für das Freibad beschäftigt hatte. 150 Badegäste waren bis zum Nachmittag nach Hagen gekommen. „Und etwa 50 Voranmeldungen liegen uns für heute noch vor“, berichtete er.

Nicht weit hat es Frank Kerstens zum Freibad in Hagen, mehrmals in der Woche schwimmt er dort seine Bahnen, 1000 Meter müssen sein. „Schön, dass endlich geöffnet ist“, sagte er. Einen Kilometer im Wasser brachte Kerstens auch gestern hinter sich. „Das ging schon ganz gut“, erzählte er, erfüllte nebenbei auch gleich die Bedingungen für das Sportabzeichen.

Und auch die Schwimmmeister freuten sich darüber, endlich wieder in „ihrem“ Element zu sein. „Das ist wunderbar, sogar die Sonne kommt raus. Ist unser Freibad nicht ein herrlicher Anblick?“, schwärmte Annika Czerwinska. „Schön, dass es wieder losgeht“ – Kollege Nico Schmidt sprach sicher für alle, die so lange auf den Beginn der Saison warten mussten.

Von Ingo Petersen