Samstag , 19. September 2020
Anni und Hermann Ostwald sind seit 70 Jahren verheiratet und feiern heute ihre Gnadenhochzeit. Foto: ki

Gewitter markiert Auftakt einer langen Ehe

Dahlenburg. Sie wollten zur Dahlenburger Kirche, um dort um 14 Uhr getraut zu werden. Doch den Termin konnten sie nicht einhalten. Ein schweres Gewitter und starker Regen gingen über dem Flecken nieder. „Wir konnten nicht ins Auto steigen“, erinnern Anni und Hermann Ostwald an den 26. Mai 1950. Doch mit einer Verspätung ging es dann doch los. Es war eine wunderschöne Hochzeitsfeier, erinnern sich die Jubilare, die in der gerade eröffneten Tischler-Werkstatt der Eltern von Anni Ostwald mit 30 Gästen gefeiert wurde.

Nunmehr feiern Anni und Hermann Ostwald das seltene Fest der Gnadenhochzeit. War es vor 70 Jahren ein Unwetter, das die Trauung verzögerte, ist es nunmehr die Corona-Pandemie, die eine Feier nicht möglich macht. „Wir hatten uns so auf die Feier gefreut, die nun nichts wird, aber wir holen das mit Gewissheit nach“, versichert das Jubelpaar, das alles bereits vorbereitet hatte.

Das Pfingstfest hat für Anni und Hermann Ostwald eine ganz besondere Bedeutung. Sie lernten sich beim Dahlenburger Schützenfest zu Pfingsten 1947 kennen und heirateten drei Jahr später – natürlich zu Pfingsten. Anni und Hermann Ostwald, die beide in diesem Jahr 92 Jahre alt werden, strahlen eine innere Zufriedenheit aus, auch wenn die Zeit nicht immer einfach war. „Die Zufriedenheit schweißt uns zusammen“, nennen die beiden das Geheimnis ihres Glücks.

Sie engagieren sich in neun Vereinen des Fleckens

Hermann Ostwald ist Dahlenburger durch und durch, obwohl 1928 in Stettin geboren. Er wurde dort mit 15 Jahren noch während seiner Malerlehre vom Reichsarbeitsdienst zum Kriegsdienst eingezogen und kam an die Ostfront. Er wurde durch mehrere Granatsplitter verwundet und hatte dann das Glück, als Verwundeter von Polen mit dem Lazarettzug nach Ellringen in den Kreis Dahlenburg zu kommen. Dort arbeitete er drei Jahre in der Landwirtschaft. „Ich bin auf dem Hof Benecke sehr gut aufgenommen worden. So, als wäre ich der Sohn“, freut sich Ostwald noch heute. Seine Malerlehre schloss er danach ab.

Die Ostwalds sind durch und durch fröhliche Menschen. Sie engagieren sich in neun Vereinen des Fleckens und feiern gern in fröhlicher Runde mit einem großen Freundeskreis. Im Schützenverein Dahlenburg war Hermann Ostwald zudem im Schießsport sehr aktiv. Mehrmals nahm er an Landesmeisterschaften teil und errang Titel. 1972 wurde er Schützenkönig und später zweimal König der Könige im Verein und im Schützenkreis Bleckede. Zugleich ist er auch der „Haus- und Hofmaler“ der Vereine und der Gemeinde.

Zahlreiche Schilder und Bilder tragen seine Handschrift. Er ist damit zu einer Institution im Flecken geworden, hat überall seine künstlerischen Spuren hinterlassen. Den Schriftzug über der Fürstenwall-Schule hat er gestaltet und ebenso die Willkommensgrüße an den Orteingängen. Zudem sind ihm wunderschöne Ehren- und Königsscheiben ihm zu verdanken. Krankheitsbedingt musste Ostwald den Beruf jedoch aufgeben. Er arbeitete die letzten Jahre seines Berufslebens als Hausmeister an der Grundschule.

„Dor geihst du hin, dor lernst du Lüü kennen“

Anni Ostwald, geborene Karstens, kam als Dreijährige mit ihren Eltern nach Dahlenburg, als ihr Vater sich mit einer Tischlerei selbstständig machte. Nach der Konfirmation besuchte die Jubilarin 1943 die Haushaltsschule in Lüneburg, die sie jedoch nach der Besetzung durch Niederländer verlassen musste. Danach arbeitete sie in Ellringen. Zum Dahlenburger Schützenfest, wo sich die Jubilare zu Pfingsten 1947 kennen lernten, hatte Anni Ostwald eigentlich gar nicht gehen wollen, doch ihre Chefin bestand darauf: „Dor geihst du hin, dor lernst du Lüü kennen“.

Um in Barskamp einen Bauernhof zu übernehmen, heirateten Anni und Hermann Ostwald jung. Doch die Landwirtschaft lag ihnen nicht. Es ging zurück nach Dahlenburg. 1959 erfüllte sich das Paar dann den Wunsch nach einem Eigenheim Am Riesenstein, in das sie dann mit ihren beiden Kindern einzogen. Das Grundstück ist so groß, dass auch die Kinder darauf siedeln konnten. „Wir wohnen alle eng zusammen“, freuen sich die Jubilare, denn so sehen sie auch ihre drei Enkel und drei Urenkel heranwachsen.

Von Gudrun Kiriczi