Klaus Hoppe und Campus haben in dem ehemaligen Seniorenheim auch Studentenwohnungen geschaffen. Foto: A/be

Das Campus-Reich wächst erneut

Lüneburg. Es sei ein Schnäppchen gewesen, Campus habe ein gutes Geschäft gemacht: Die Gruppe hat das ehemalige Anna-Vogeley-Heim zu einem sehr günstigen Preis kaufen können. Hinter vorgehaltener Hand gibt es Kritik an der Entscheidung der wirtschaftlichen Leitung des Städtischen Klinikums, das Gebäude für 2,6 Millionen Euro an die Gesellschaft zu verkaufen. Die Argumentation: Die städtischen Gremien hätten den Komplex behalten sollen, um gemeinnützige Organisationen mit Räumen unterstützen zu können. Sowohl Campus-Geschäftsführer Klaus Hoppe als auch Klinik-Geschäftsführer Dr. Michael Moormann weisen die Unterstellungen zurück.

Das ehemalige Altenheim am Bockelsberg war lange ein Sorgenkind der Stadt – es machte Verluste. Als es 1960 mit 43 Einzel-, 14 Zweibett- und zwei Dreibettzimmern öffnete, war es ein gutes Stück lokaler Sozialpolitik. Benannt nach der engagierten Sozialdemokratin und Lüneburger Awo-Gründerin Anna Vogeley, bot es über Jahrzehnte eine Heimat für Senioren. Doch in die Jahre gekommen, rechnete es sich schließlich nicht mehr.

Sanierungen waren nötig

Das Haus, das schließlich organisatorisch der Gesundheitsholding und damit dem Klinikum zugeschlagen wurde, machte Verluste. Die lagen zwischen 2006 und 2010 bei rund drei Millionen Euro. 2012 schloss das Heim. Seit 2010 suchte Geschäftsführer Moormann nach einem Käufer oder Mieter – erfolglos. Im Sommer 2012 übernahm Campus die Immobilie mit einem Mietvertrag für 20 Jahre.

Hoppe und seine Mitstreiter schufen Wohnungen für Studenten, fanden als Mieter verschiedene Organisationen, auch das Umweltbildungszentrum Schubz zog ein. Trotzdem blieb das Haus für das Klinikum ein Zuschussgeschäft, Sanierungen waren nötig. Also fiel laut Moormann die Entscheidung, sich von dem Komplex an der Wichernstraße zu trennen: „Wir haben ein Wertgutachten erstellen lassen und das Objekt öffentlich ausgeschrieben.“ Von Dutzenden Interessenten blieb eine Handvoll übrig: „Keiner außer Herrn Hoppe hat ein Kaufangebot abgegeben.“

Es stehen auch teure Reparaturen an

Gründe, warum die Liegenschaft trotz eines explodierenden Immobilienmarktes wenig attraktiv gewesen ist, liegen nahe: Campus hat noch einen langjährigen Mietvertrag, es stehen teure Reparaturen an, und das Ensemble steht auf einem Erbpachtgrundstück, das einer städtischen Stiftung gehört.

Die Wurzeln der heutigen Campus-Gruppe begannen Anfang der 1990er-Jahre zu wachsen. Damals hatten Studenten einen Block der ehemaligen Scharnhorst-Kaserne besetzt. Die Militärgeschichte ging nach dem Mauerfall dort zu Ende, die Universität entstand. Campus betreibt inzwischen mehrere Wohnheime und Geschäfte, auch die Ritterakademie als Veranstaltungszentrum gehört dazu. Campus gliedert sich in einen Verein und eine Stiftung, für den operativen Part ist die Campusmanagement GmbH zuständig. Die eigene Bauabteilung betreut eben auch die Immobilien.

Allein 300.000 Euro für Umbauten

Hoppe reagiert genervt auf die Kritik. Er hält dagegen: Campus habe das Haus vor Jahren übernommen und ihm ein tragfähiges Konzept gegeben. Mit eigenen Leuten habe man Umbauten erledigt und dabei 300.000 Euro investiert. Jetzt sei man als einziger Käufer übrig geblieben. Der Kaufpreis liege in Höhe des Wertgutachtens abzüglich der Kosten für weitere Sanierungen. „Wenn einer meint, wir hätten das so billig gekauft“, sagt Hoppe, „dann hätte er selber zuschlagen können. Hat aber niemand.“

Von Carlo Eggeling