Freitag , 18. September 2020
Erste Ideen für den geplanten Kant-Bau (Mitte) sehen eine Backstein-Front passend zur bereits vorhandenen Fassade (rechts) vor. Grafik: Ostpreußisches Landesmuseum

Grünes Licht für den Philosophen

Lüneburg. 2024 wird Lüneburg große internationale Aufmerksamkeit erfahren, davon ist der Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums, Dr. Joachim Mähnert, überzeugt. In dem Jahr wäre der wohl bedeutendste Sohn Königsbergs, der deutsche Philosoph Immanuel Kant, 300 Jahre alt geworden. Dann soll auch die neue Kant-Sammlung in Lüneburg der Öffentlichkeit in einem neuen Gebäudetrakt des Museums präsentiert werden. Jetzt gab es grünes Licht für die Bauvoranfrage.

Drei Etagen, 700 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 12 Meter Gesamthöhe, ein Untergeschoss, Lückenschluss – das sind die Kernpunkte einer Bauvoranfrage, die das Ostpreußische Landesmuseum (OL) dem Bauamt der Stadt Lüneburg nebst einer Visualisierung der Frontansicht vorgelegt hatte – und die bei der Behörde Zustimmung fand.

„Ein wichtiger Erfolg, um bald mit der internationalen Ausschreibung für den Architektenwettbewerb zu beginnen“, freut sich Mähnert. Die Vorgaben dafür seien bewusst sparsam gewählt worden, man wolle den Architekten Gestaltungsspielraum lassen, „oft ergeben sich daraus auch Ideen, an die wir vorher gar nicht gedacht haben“.

Der neue Trakt ist als Lückenbüßer vorgesehen

Gänzlich frei sollen die Architekten indes nicht agieren. „Wir plädieren für eine Fassade in rotem Backstein, die sich der Front des Museums in der Ritterstraße anpasst“, erläutert Mähnert. Denn der neue Trakt ist als Lückenschluss an der Stelle vorgesehen, an der jetzt noch Parkplätze vorhanden sind. Deren Mieter werden jetzt informiert.

Mit dem Lückenschluss – auch ein Wunsch der Stadt – soll auch die Alt-Fassade überarbeitet werden. Geplant ist, den derzeit noch vorhandenen Glas-Vorbau durch eine Backsteinwand zu ersetzen. „Die nach Süden ausgerichtete Glaswand hat für die Klimatisierung und den Lichtschutz empfindlicher Exponate immer Probleme bereitet, deshalb wollen wir das jetzt ändern.“

Mehrere Tausend umfasst die Sammlung vom Duisburger Königsberg-Museum, die das OL 2016 übernommen hatte, viele sollen zukünftig gezeigt werden. Darunter persönliche Gegenstände des großen Aufklärers wie dessen Uhr oder auch Geschirr aus seinem Haushalt, wo er gemeinsam mit seinen Gästen nach seinen Vorlesungen am Vormittag an der Königsberger Universität speiste, außerdem Hunderte Original-Abbildungen.

„Wir entmündigen uns an so vielen Stellen“

Noch sei aber nicht alles gesichtet, das finde jetzt erst statt, ergänzt Mähnert. Dazu gehöre auch die Prüfung auf Echtheit der Dokumente und deren Provenienz. Die Arbeit soll von einem Wissenschaftler übernommen werden, man starte jetzt die Suche. Die Objekte sollen aber nur ein Teil der Kant-Ausstellung werden. Einen zweiten Schwerpunkt sieht Mähnert in der Vermittlung des Kant‘schen Denkens. Im Zentrum könne er sich dafür sehr gut das Kant-Zitat von 1784 vorstellen: „Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

Denn das Zitat hat Mähnert zufolge auch heute noch große Bedeutung: „Wir entmündigen uns an so vielen Stellen.“ Statt sich anderen blind anzuvertrauen und „Fake News“ aufzusitzen, sei es wichtig, selber nachzudenken. Bei allen Debatten dieser Jahre, ob Flüchtlingswelle, Klimawandel oder jetzt die Corona-Pandemie, käme man an Kant nicht vorbei. „Kants Philosophie ist nicht leicht zu lesen, aber sie birgt unglaublich viel Potenzial, und das will ich rüberbringen.“

Auch wenn es bis zum 300. Geburtstag noch etwas Zeit ist, findet Mähnert den Terminplan „durchaus ambitioniert“. Denn an dem Bauvorhaben sind auch die Geldgeber Bund und Land beteiligt, sie wollen in jeden Schritt einbezogen werden. Außerdem stehen vor Baubeginn noch die archäologischen Grabungen und Untersuchungen an, „und auch die können noch Überraschungen bringen.“

Von Ulf Stüwe