Donnerstag , 24. September 2020
Volle Kraft voraus im Internet: Thomas Beck (l.) vom Betreiber NGN macht den Speedtest für Wolfgang Schwarz, der jetzt mit Höchstgeschwindigkeit im Internet surfen kann. (Foto: t&w)

Glasfaser selbst im entlegensten Zipfel

Horburg. „Es war richtig, hätten wir es nicht getan, dann wäre bis jetzt auch nichts passiert.“ Klare Worte findet Uwe Luhmann, wenn es um den Aufbau eines Glasfasernetzes im ländlichen Raum geht. Der Vorstand der ElbKom, ein Kommunalbetrieb der Samtgemeinde Elbmarsch, zog jetzt ein Fazit über die Projekte in den vergangenen Jahren in den Dörfern der Samtgemeinden Elbmarsch, Bardowick und Gellersen. „Wir haben 2015 bei Null angefangen.“

Anlass war der Abschluss der Arbeiten in Barum, dem letzten Ausbaugebiet in der Samtgemeinde Bardowick. 2018 hatte das Projekt in der Mitgliedsgemeinde Wittorf begonnen, es folgten Handorf, Mechtersen, Wittorf, Barum und seine Ortsteile Horburg sowie St. Dionys. In Horburg wurde jetzt der erste Gigabit-Anschluss bei dem Mediziner Wolfgang Schwarz ans Netz genommen, der nun wie alle anderen Barumer auch nach langer Wartezeit endlich mit Höchstgeschwindigkeit durchs Internet surfen kann.

Mehr als 9000 Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen

„Bis zu den Sommerferien werden auch die letzten Arbeiten beim Ausbau in der Samtgemeinde Bardowick erledigt sein“, kündigt Luhmann an. Durch die Corona-Pandemie habe sich das Projekt verzögert, vor allem im Bereich Handorf, sagt er bei einer kleinen Feierstunde im Garten der Familie Schwarz.

Die ElbKom hat in der Zwischenzeit mehr als 9000 Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen (Elbmarsch: 4560, Bardowick: 2700, Gellersen: 1800). „Das sind rund 10.000 Verträge für Nutzer, die nun Zugang zum schnellen Internet haben“, verdeutlicht er.

Alleine in der Samtgemeinde Bardowick hat das Unternehmen rund 140 Kilometer Glasfaserleitungen verlegen lassen, in der Samtgemeinde Gellersen in Dachtmissen, Heiligenthal, Kirchgellersen, Südergellersen und Westergellersen etwa 110 Kilometer. Das Bauvolumen beziffert er mit rund 16 Millionen Euro in beiden Samtgemeinden. „Und das alles ohne Fördermittel“, hebt Luhmann die von den Kommunen ergriffene Hilfe zur Selbsthilfe hervor.

Arndt Conrad, stellvertretender Verwaltungschef in Bardowick, meint, ein wenig Mut habe dazugehört, das Vorhaben tatsächlich anzuschieben. Doch das Ergebnis spreche für sich: „Fast jedes Haus bei uns in der Samtgemeinde hat nun die Möglichkeit, sich ans Glasfasernetz anschließen zu lassen“, erklärt er. Es fehlen noch Bardowick und Vögelsen sowie Reppenstedt in Gellersen, wo der Ausbau ebenfalls läuft, aber nicht unter dem Hut der ElbKom, sondern in Regie eines Tochterunternehmens der beiden Samtgemeinden.

Selbst entlegene Zipfel erschlossen

Wenn schnelles Internet im ländlichen Raum, dann auch für alle: Die ElbKom hat selbst entlegene Zipfel erschlossen, wie etwa Einemhof, die Ferienhaussiedlung in St. Dionys und Fahrenholz in der Elbmarsch. „In Einemhof mussten sich die Hauseigentümer allerdings zum einem Teil an den Baukosten beteiligen“, berichtet Luhmann.

Für den ebenfalls abseits liegenden Bardowicker Bruch wird zurzeit über eine Lösung diskutiert, weil die Glasfaserleitung nicht unter der Bahnstrecke Hamburg-Hannover verlegt werden kann. „Wir überlegen daher, sie über eine Brücke zu legen.“ Die eigenen Projekte in Bardowick, Gellersen und der Elbmarsch sind zwar beendet, doch am Ende ist die ElbKom noch lange nicht. „Momentan sind wir im Gespräch mit der Stadt Winsen/Luhe über den Bau eines Glasfasernetzes in Rottorf.“

Auch den Brietlinger Ortsteil Lüdershausen in der Samtgemeinde Scharnebeck findet Luhmann interessant für das weitere Engagement. Darüber hinaus könnte er sich gut vorstellen, dass die Gemeinde ohnehin in den Fokus der ElbKom rücken könnte. „Bis zur Biogasanlage in Barum haben wir schon Leitungen verlegt, bis Brietlingen ist es dann nicht mehr weit.“

Von Stefan Bohlmann