Freitag , 18. September 2020
Magnesia-Personalchefin Nadine Knels und Geschäftsführer Markus Cording. (Foto: t&w)

Wenn die neue Kollegin zu Hause bleiben muss

Lüneburg. Ein neuer Job, der erste Arbeitstag. Vorstellungsrundgang durch die Abteilungen, den eigenen Schreibtisch im Büro einrichten. Und gespannt sein, wie man sich mit den Kollegen versteht, wie man sich einfindet in die neuen Aufgaben… So oder ähnlich mag sich auch Nadine Knels ihren Start bei der Firma „Magnesia“ im Lüneburger Hafen vorgestellt haben, als sie die Zusage für die Stelle als Personalleiterin erhielt. Doch dann funkte das Coronavirus dazwischen. Und Knels betrat am 1. April kein Büro, keinen Aufenthaltsraum, keine Kochnische, um sich ihr Mittagessen zuzubereiten. Die neue Personalchefin blieb zu Hause. Denn die meisten Mitarbeiter ihres neuen Arbeitgebers befanden sich im Home Office.

Ins kalte Wasser geworfen

„Ich war natürlich skeptisch. Wie soll so ein Start funktionieren, wie wird sich das anfühlen“, schildert die neue Personalleiterin dem Arbeitgeberverband (AV) Lüneburg-Nordostniedersachsen in einem Videointerview (https://vimeo.com/413510086). Für den AV ist das Thema Home Office seit Ausbruch der Corona-Pandemie ein Arbeitsschwerpunkt. „Viele Unternehmen wurden ins kalte Wasser geworfen, die Skepsis war vielerorts groß“, weiß Verbandssprecherin Renate Peters. Wurde das Thema Heimarbeit bis zum Frühjahr in vielen Betrieben eher halbherzig vorangetrieben, so gab es plötzlich keine Wahl mehr – wer wollte schon riskieren, dass Großteile der Belegschaft infiziert würden?

Markus Cording erinnert sich noch genau an den Tag, als das Thema Home Office bei „Magnesia“ plötzlich aktuell wurde. Seit 35 Jahren ist die Firma in Lüneburg ansässig, sie handelt mit Mineralstoffen und ist europaweit tätig. Den beiden Geschäftsführern Cording und Johann Studtmann war an jenem 12. März klar, dass sie schnell handeln mussten. Die beiden nächsten Monate würde ihr Geschäft boomen, aus der Pharma- und der Nahrungsmittelbranche würde es viele Anforderungen geben. „Einen Tag später hatten wir die meisten Mitarbeiter im Home Office“, schildert Cording.

Von 50 Mitarbeitern arbeiten 40 von zu Hause aus

Letztlich arbeiteten von rund 50 Mitarbeitern 40 vom heimischen Arbeitsplatz – auch Nadine Knels. „Wir haben dann am zweiten Tag alle Mitarbeiter zu einer Videokonferenz eingeladen, und da haben wir Frau Knels dann virtuell durch die einzelnen Abteilungen geführt“, schildert Geschäftsführer Cording. Mittlerweile sind zwei weitere Kollegen zu Home Office-Zeiten bei Magnesia gestartet.

Und die geänderten Arbeitsweisen haben sich während der Pandemie bewährt: „Natürlich muss es sich erst einspielen und der Abstimmungsaufwand ist größer“, schildert der Geschäftsführer. Doch die anfängliche Skepsis, dass die Arbeit von zu Hause ausgenutzt werden könne, sei mittlerweile gewichen. „Wir haben eher den Eindruck, dass vielerorts sogar mehr gearbeitet wird“. Vor allem aber können Mitarbeiter auch mangels Kinderbetreuung Familie und Arbeit unter einen Hut bringen. „Wir haben da ein sehr vertrauensvolles Zusammenspiel.“

„Die größten Herausforderungen im Home Office stellen wohl die unzähligen Ablenkungen dar“, sagt dazu Karin Haas, beim AV zuständig für die Personalentwicklung. Noch schnell den Einkauf erledigen, mit den Kindern spielen und schon ist der halbe Tag vergangen. Ihr Tipp: Gemeinsam mit dem Chef definieren, in welchem Zeitraum was erledigt werden soll. „Notieren Sie, was sofort erledigt werden muss, was Zeit hat oder delegiert werden kann.“ Um sich morgens mental auf einen ganz normalen Arbeitsalltag einzustellen, sollte man sich entsprechend kleiden und nur zur üblichen Zeit am Schreibtisch sitzen, um nicht in eine negative Arbeitsspirale zu rutschen. „Hören Sie auf Ihre innere Stimme und machen Sie bewusst eine Pause, wenn Sie sich unkonzentriert fühlen“, empfiehlt Haas.

Zunächst tageweise wieder zurück ins Büro

Bei Magnesia schraubt man derweil angesichts der sinkenden Corona-Zahlen die Home Office-Zeiten allmählich zurück und bietet den Mitarbeitern an, zunächst tageweise wieder ins Büro zu kommen. Ein Angebot, dem manche tatsächlich eher zögerlich folgen. Markus Cording hofft, dass die Kollegen jetzt positiver auf dieses Thema gestimmt sind und es als Möglichkeit sehen, ihren Arbeitsalltag noch flexibler zu gestalten. Und dass der Gesetzgeber die entsprechenden Rahmenbedingungen schafft.

Von Thomas Mitzlaff