Samstag , 19. September 2020
Noch werden die Kunden gebeten, sich ihr Ticket vorab am Automaten oder über die HVV-App zu kaufen. In den kommenden Wochen werden die Busse jedoch nachgerüstet, sodass auch die Fahrer wieder Fahrkarten verkaufen können. Foto: phs

Einstieg bald wieder vorn im Bus

Lüneburg. Keine Schulkinder im Bus, keine Einkaufslustigen auf dem Weg in die Innenstadt und auch keine Familienausflüge zu Freizeitangeboten im Landkreis: Die Einschränkungen wegen des Coronavirus haben sich in den letzten Wochen auch auf den Nahverkehr der KVG ausgewirkt. Nur langsam geht es wieder bergauf.

„Im gesamten Verbund hatten wir einen Rückgang von 80 Prozent der Fahrgastzahlen“, beziffert der Pressesprecher Oliver Blau die Verluste der KVG. Mit Blick auf Lüneburg waren es allein durch die Schulschließungen etwa 90 Prozent weniger Menschen, die mit dem Bus gefahren sind.

Durch das langsame Hochfahren des Schulbetriebs, sowie der Öffnung von Geschäften und Restaurants gehen nun auch die Fahrgastzahlen schrittweise wieder nach oben. „Allerdings nicht in der Relation, wie wir sie kannten“, meint Blau. „Wir haben jetzt vielleicht 40 Prozent der alten Nachfrage.“

Viele Nutzer haben sich in der Krise umorientiert

Bis im Nahverkehr alles wieder normal ist, könne noch viel Zeit vergehen, mutmaßt Blau. Es komme dabei nicht nur darauf an, wie lange Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht noch bestünden und wann es einen Impfstoff geben werde. „Viele unserer Fahrgäste haben sich umorientiert“, erklärt der Pressesprecher. Vermutlich habe der ein oder andere Gefallen am Fahrradfahren gefunden, außerdem könne es sein, dass auch in Zukunft viel mehr Menschen aus dem Homeoffice arbeiten und somit nicht mehr auf den Busverkehr angewiesen sind. „Es wird deshalb unsere Aufgabe sein, die Kunden zurückzugewinnen“, ist sich Blau sicher.

Neben den schwindenden Fahrgästen verzeichnet die KVG noch ein weiteres Problem: Da die vorderen Eingänge zum Schutz der Busfahrer geschlossen wurden, konnten die Tickets in den letzten Wochen dort nicht mehr erworben werden. „Durch die Einstellung des Fahrerverkaufs wurden somit seit Mitte März durch die KVG überhaupt keine Fahrkarten mehr verkauft.“

Nahverkehrsbetriebe hoffen auf Hilfe

Lediglich über die App des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) oder der Deutschen Bahn, sowie an Ticketautomaten konnte ein Fahrschein gekauft werden. Die Möglichkeiten konnten und wollten wohl nicht alle Fahrgäste nutzen. Blau: „Es sind nicht nur deutlich weniger Menschen Bus gefahren, zusätzlich hatten von denen längst nicht alle ein Ticket.“

Das sei jedoch kein Lüneburger Problem, sondern ein bundesweites. „Es gibt bereits Gespräche und Forderungen, dass die Nahverkehrsunternehmen unterstützt werden müssen.“ Ob dabei der Bund, das Land Niedersachsen oder der Landkreis Lüneburg einspringen werde, sei noch nicht klar. Blau: „Das geht jetzt von Ebene zu Ebene, jeder schaut erstmal, was die anderen sagen. Aber irgendeine Regelung muss es da geben.“

Die KVG schafft eines der Probleme nun schon mal aus dem Weg: „Alle Fahrzeuge der KVG werden beginnend mit dieser Woche mit Schutzabtrennungen im Bereich des Fahrerarbeitsplatzes nachgerüstet – ab der Umrüstung kann jeder Bus wieder den Vorneeinstieg reaktivieren, und der Fahrer kann dann wieder Fahrscheine verkaufen und kontrollieren“, sagt Blau. Bis das in allen Bussen möglich ist, werden noch einige Wochen vergehen, die ersten sollen aber schon in dieser Woche unterwegs sein.

Von Lilly von Consbruch