Nach einem Unfall im Juni 2019 wurde Geesthachts Dampflok „Karoline“ jetzt in eine Spezialwerkstatt nach Bleckede abgeschleppt. Foto: tja

„Karoline“ wartet auf Behandlung

Geesthacht/Bleckede. Ein ungewöhnliches Gespann aus zwei Loks hat sich von Geesthacht aus über Hamburg und Lüneburg auf den Weg nach Bleckede gemacht: Dampflok „Karoline“, das 1945 gebaute dampfende Aushängeschild der Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn (AGE), musste von einer Diesellok zur Reparatur abgeschleppt werden. Seit wenigen Tagen steht sie in der Werkstatt in Bleckede. Eine 82 Jahre alte Autofahrerin hatte den Museumszug an einem Bahnübergang im Zentrum von Geesthacht im Juni 2019 übersehen und war seitlich in die Lok gekracht.

„Wir freuen uns, dass nun endlich die Reparaturarbeiten beginnen können“, sagt Hermann Scharping, der Vorsitzende der AGE, denn es war gar nicht so einfach, eine geeignete Werkstatt zu finden. „Die Lauftechnik wurde bei dem Unfall schwer beschädigt, so etwas kann kaum noch jemand reparieren“, erklärt Scharping.

„Man weiß ja nie, was noch kommt“

In der Werkstatt der Osthannoverschen Eisenbahnen AG (OHE) in Bleckede wurde der Eisenbahnverein aus Geesthacht fündig. Dort war aber lange kein Platz frei. „Die Achsen müssen ausgebaut werden, dafür muss die Lok aufgebockt werden“, so Scharping. Bei 56 Tonnen Gewicht kein leichtes Unterfangen. Und auch die Versicherungsfrage musste diskutiert werden. Der Schaden wurde von Gutachtern auf mindestens 60.000 Euro beziffert. Scharping: „Man weiß ja nie, was noch kommt.“

Wann die Dampflok nach Geesthacht zurückkehren wird, steht noch nicht fest. Bei der AGE hofft man, dieses Jahr noch fahren zu können. Jens Schaar, Werkstattleiter vom Eisenbahnausbesserungswerk der OHE in Bleckede, hat für die Reparaturarbeiten rund sechs Wochen Zeit angesetzt. „Je nach Zustand kann sich das aber auch drei bis vier Monate hinziehen.“ In frühestens zwei Wochen werde „Karoline“ auf die Hebeanlage gesetzt, erst dann könne sein Team einen Blick ins Innere der Dampflok werfen und eine genauere Einschätzung abgeben.

Zuletzt konnten bei der AGE wegen der Corona-Krise nicht einmal per Diesellok mit dem Museumszug, der sonst 12.000 Fahrgäste pro Jahr anlockt, Fahrten angeboten werden. Den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft wird dennoch nicht langweilig. Im Lokschuppen arbeiten sie momentan an einer weiteren historischen Lok, um „Karoline“ künftig entlasten zu können.

Von Timo Jann und Anna Petersen