Freitag , 18. September 2020

Trockenheit ohne Ende?

Deutsch Evern. Der für Wald und Flur so wichtige Dauerregen bleibt weiterhin aus. Für etwas Entspannung an der Dürrefront könnten die Ausläufer eines Islandtief s sorgen, die zum Sonnabend Niederschläge im Bereich von fünf bis zehn Liter pro Quadratmeter bringen sollen. Das wäre aber nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein, denn schon am Sonntag rückt ein Sonnenhoch aus Westen nach.

Es lässt bis Mitte nächster Woche die Temperaturen auf die Sommermarke von 25 Grad steigen. Ob sich danach kühlere Atlantikluft mit etwas Regen breitmacht oder der Frühsommer bis Pfingsten durchhält, steht noch nicht fest. Insgesamt ist eine grundlegende Umstellung zu einer regenreichen Großwetterlage nicht in Sicht. So werden sich die Sorgenfalten vieler Land- und Forstwirte wohl weiter vertiefen.

Rund 530 Stunden Sonne

Damit bestätigen sich die frühen Prognosen der langfristigen Klimamodelle. Schon im Januar sagten sowohl das europäische ECMWF als auch das amerikanische NOAA-Langfristmodell eine erhebliche Frühjahrstrockenheit für Norddeutschland voraus. Doch im Laufe des Februars griff bei Landwirten und Wasserversorgern Tiefenentspannung um sich. Eine ungewöhnlich intensive Regenperiode schien die Horror-szenarien der Modelle zu widerlegen. Mitte März kam mit dem abrupten Wechsel von Tief- auf Hochdrucklagen dann die große Wende zu trockenem Wetter. Fortan machten die meisten Regengebiete um Norddeutschland einen großen Bogen. So kamen zwischen dem 15. März und 15. Mai im Kreis Lüneburg nur 35 bis 45 Liter Regen pro Quadratmeter runter und damit maximal 40 Prozent des langjährigen Mittelwertes (1981-2010). Im Gegenzug lieferte die Sonne mit rund 530 Stunden ein sensationelles Plus von fast 60 Prozent ab. Das geschah bei relativ verhaltenen Temperaturen, was die Austrocknung der Böden bremste.

Die Trends der Modelle sehen nicht gut aus

Ein verheerendes Szenario für Natur und Landwirtschaft wären anhaltende Trockenheit und Hitze im Juni. In dieser Hinsicht sehen die Trends der Modelle nicht gut aus. Aktuell stehen im ersten Sommermonat in Nord- und Nordostdeutschland 30 bis 40 Prozent der normalen Niederschläge infrage, bei gleichzeitig ein bis zwei Grad zu hohen Temperaturen. Und auch für den Juli sieht es kaum besser aus.

An Christi Himmelfahrt geht es wolkig, trocken und angenehm warm weiter. Bei einem schwachen Wind aus unterschiedlichen Richtungen werden ausflugsfreundliche 19 Grad am Mittwoch und bis 21 Grad am Donnerstag erreicht. Der Freitag setzt mit heiteren 25 Grad noch einen drauf, bevor am Sonnabend die Fronten eines Islandtiefs mit schauerartigem Regen und einem Schwall Polarluft durchziehen. Nach einem Temperatursturz auf höchstens 16 bis 17 Grad geht’s am freundlichen Sonntag mit den Temperaturen schon wieder deutlich bergauf.

Von Reinhard Zakrzewski