Samstag , 19. September 2020
Zwei komplette Jahrgänge möchte die IGS Lüneburg mit iPads ausstatten, die dafür erforderliche technische Ausstattung der Schule über den Digitalpakt finanzieren. Foto: t&w

Digitalpakt in der Warteschleife

Lüneburg. Die Corona-Krise hat schonungslos offengelegt, was viele schon lange bemängelt haben: Deutschland ist in Sachen Digitalisierung noch immer eine Wüste. Und das gilt auch für die Schulen. Nach langem Ringen haben sich die Politiker im Februar vergangenen Jahres endlich auf den lang ersehnten Digitalpakt geeinigt, fünf Milliarden Euro sollen deutschlandweit an die Bildungseinrichtungen fließen – doch trotz Homeschooling scheint das Geld nur zu tröpfeln.

An der Integrierten Gesamtschule Lüneburg (IGS) hat man die Hausaufgaben gemacht – und muss doch geduldig warten: „Zunächst hat sich das ganze Projekt lange hingezogen, weil die Länder befürchteten, dass das föderale System weiter ausgehöhlt, der Bund sich zunehmend in die Bildungspolitik – also deren Urkompetenz – einmischen würde“, erklärt Sabine Mansfeld, didaktische Leiterin der Einrichtung, „nun hapert es an der Einforderung der Mittel.“ Und das ärgert die Verantwortlichen.

Das Land setzt auf von Eltern finanzierte Geräte

Dabei war die IGS gut vorbereitet, wie die Pädagogin unterstreicht: „Zunächst ging es darum, anhand der von Niedersachsen zum Thema Medienkompetenz beschlossene Ziellinie 2020 den Bedarf zu ermitteln, also festzulegen, was wir eigentlich benötigen, um das abgebildete Kompetenzraster erreichen zu können.“ Dazu wurden umfangreiche Pläne erarbeitet.

Martin Meier-Schütze, kommissarischer Schulleiter erläutert: „Wir haben festgelegt, dass wir uns zwei komplette iPad-Jahrgänge wünschen, ab Sommer diesen Jahres den elften, künftig auch den jetzigen fünften, wenn dieser in der siebten Jahrgangsstufe ist.“ Die Anschaffung der Endgeräte sei dabei nicht entsprechend der Förderrichtlinien durch die Gelder des Digitalpaktes zu finanzieren, sodass das Land Niedersachsen auf elternfinanzierte Endgeräte setzt – „wobei es natürlich sehr günstige Miet-Kauf-Modelle gibt und bedürftige Familien zudem finanziell unterstützt werden“. Vielmehr gehe es um die Ausstattung der Schule.

Leistungsfähiges WLAN, „so leistungsfähig, dass es den Ansprüchen gerecht wird“, so Meier-Schütze, aber auch höhere Speicherkapazitäten der Server sowie umfassende Präsentationsmedien stehen auf der Wunschliste der Schule. Sabine Mansfeld sagt: „Gerade jetzt merken wir, dass es keinen Sinn macht, wenn die Schülerinnen und Schüler zwar Endgeräte benutzen können, sie untereinander aber gar nicht vernetzt sind.“

Insgesamt stünden den städtischen Bildungseinrichtungen dafür 3,4 Millionen Euro zur Verfügung, der IGS allein 500.000 Euro: „Wir wissen genau, was wir benötigen, nur abrufen können wir die Mittel nicht.“ Deshalb ärgere sie sich auch über die Vorwürfe, die Schulen würden das Geld nicht einfordern – das könne allein die Stadt. Der Landkreis sei da doch viel schneller, wie das Beispiel der Schule am Katzenberg in Adendorf zeige.

„Wie ein Sprint, aber mit gebundenen Beinen“

Im Rathaus ist man sich der Situation bewusst: „Eine gute technische Ausstattung – in allen Lebensbereichen und gerade auch in der Bildung – hat aufgrund von Corona einen nochmal höheren Stellenwert bekommen“, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. Zugleich seien gerade auch die Bereiche Schule und EDV durch das Virus sehr stark eingebunden. „Das ist wie ein Sprint, aber mit gebundenen Beinen.“

Grundsätzlich sei allein rund die Hälfte der zur Verfügung stehenden 3,4 Millionen Euro für den Ausbau des WLAN an den Schulen geplant, weitere Priorität habe die Ausstattung mit Präsentationsmedien sowie speziellen digitalen Geräten wie beispielsweise Druckern. Für mobile Endgeräte stünden 25.000 Euro pro Einrichtung zur Verfügung. „Wir sind mit der IGS im Gespräch, damit wir möglichst schon zum nächsten Schuljahr Zwischenlösungen für die aktuellen Erfordernisse realisieren können.“ Natürlich müsse man dabei auch die aktuellen Lieferengpässe bei Tablets und weiteren Geräten sehen.

Unabhängig davon werde der große Digitalpakt weiter abgearbeitet werden müssen, auf Basis der Vorgaben des Landes und der Konzepte der Schulen. Eine Administratoren-Stelle werde in Kürze ausgeschrieben.

Das Geld vom Bund wird nicht reichen

„Der Digitalpakt an sich ist ein Projekt, das auf mehrere Jahre angelegt ist“, so die Stadtpressesprecherin, „wir müssen immer alle unserer 19 Einrichtungen im Blick haben und sehen, dass wir Lösungen finden, die zusammenpassen, gerade, wenn es um den späteren Support geht. „Hier sollten die nächsten Treffen der Arbeitsgemeinschaften weiterführen, die im Frühjahr aber wegen Corona ausgefallen sind.“ Grundsätzlich gleiche der Prozess eher einem Dauerlauf. „Und klar ist auch: Das bislang vom Bund dafür zur Verfügung gestellte Geld wird nicht reichen.“

Von Ute Lühr