Das Schiffshebewerk in Scharnebeck ist zwar nicht mehr das größte seiner Art weltweit, doch immer noch ein beliebtes Ausflugsziel bei Touristen. Foto: A/t&w

Touristiker hoffen auf Heimspiel-Effekt

Lüneburg. Besonders schwer gebeutelt von der Corona-Krise ist die Tourismus-Branche. Auch den Touristikern in Lüneburg und Umgebung haben die Auswirkungen des Virus schwer zugesetzt. Jetzt wird Tourismus in Niedersachsen langsam wieder möglich, allerdings mit angezogener Handbremse: Hotels öffnen am 25. Mai wieder, noch gilt jedoch eine Belegungsobergrenze von aktuell maximal 50 Prozent.

Schon seit vierzehn Tagen ist die Anreise in Ferienwohnungen, Ferienhäuser, auf Campingplätze und Wohnmobilplätze wieder erlaubt. Bei Ferienwohnungen und Ferienhäusern darf es vorerst nur alle sieben Tage eine Belegung geben, so dass keine tägliche Anreise möglich ist. Campingplätze und Wohnmobilstellplätze dürfen nur 50 Prozent ihrer Kapazität vermieten.

Am härtesten treffe es die Hotels

Vor allem die derzeit noch diskutierte Sieben-Tage-Regelung sei eine schwere Bürde, sagt Jens Kowald, Geschäftsführer der Flusslandschaft Elbe GmbH. „Wir sind ja nun mal eher eine Zweit- bis Dritt-Urlaubsregion, die Leute kommen vielleicht für ein verlängertes Wochenende, selten länger. Das bedeutet jetzt viel Leerstand.“

Am härtesten treffe es aber die Hotels. „Wenn man sich an alle Hygieneregeln hält, bleibt vielleicht eine Auslastung von 8 bis 28 Prozent. Natürlich stellt sich dann die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, aufzumachen. Aber die meisten Hoteliers versuchen alles möglich zu machen, nichts ist für sie schlimmer als Stillstand.“

Schifffahrten auf der Elbe sind sowohl für Touristen als auch für Lüneburger eine beliebte Attraktion. Doch in Niedersachsen liegen die Ausflugsdampfer immer noch an der Kette, während es in Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen schon wieder heißt „Volle Fahrt voraus“. Jürgen Wilcke, der Betreiber des Fahrgastschiffes MS Lüneburger Heide hofft sehnsüchtig, am 25. Mai starten zu dürfen, spätestens aber Pfingsten. „Wir haben höhere Betriebskosten als viele Gastro-Betriebe, dürfen aber auch nur mit sehr wenigen Gästen fahren, es ist ungerecht, dass wir gegenüber der ,normalen‘ Gastronomie benachteiligt werden.“

Der Region rund um Lüneburg kommen momentan vor allem Tagesgäste zu Gute. Kowald hofft, dass es bald weitere Lockerungen gibt, „damit wir an der Elbe langsam wieder in normales Fahrwasser kommen“. Das wichtigste sei es, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. „Jetzt gilt es für uns alle, neue Kraft zu tanken.“ Als Ausflugsziele für Himmelfahrt empfiehlt er das Schiffshebewerk in Scharnebeck, das Biosphaerium in Bleckede, das Wasserschloss Winsen und die Wassermühle Karoxbostel.

Lars Werkmeister, der Geschäftsführer der Lüneburg Marketing GmbH zeigt sich zuversichtlich, was den Tourismus in der Stadt angeht: „Die Voraussetzungen wirken erstmal surreal, aber immer mehr Leute kommen in die Stadt und gewöhnen sich langsam an die Regeln.“ Wichtig sei es nun, die Motivation der Menschen zu erfassen, sie auszuwerten und die passenden Angebote zu schaffen. „Manche Menschen hält zu Hause nichts mehr, andere sind zögerlich.“ Für Urlaub in Deutschland sei die Lüneburger Heide auf jeden Fall ein prädestiniertes Reiseziel. „Was weg ist, ist weg, aber ein Traum wäre eine höhere Auslastung als sonst in den kommenden Monaten.“ Daher sein Appell an die Politik: „Differenzieren, welche Maßnahmen wirklich nötig sind. Für die Hotels und Gastronomen geht es um viel.“ Von den Lüneburgern wünscht er sich, dass sie die lokale Gastro unterstützen. „Boot fahren in Schröders Garten, Essen gehen im Lieblingsrestaurant, das braucht Lüneburg jetzt. Ein Wir-Gefühl ist wichtig, die Stadt braucht Frequenz.“

Nur 26 Prozent der Deutschen seien reisebereit

Ulrich von dem Bruch von der Lüneburger Heide GmbH ist ebenfalls zufrieden angesichts der widrigen Umstände. „Es läuft alles langsam an und wir bewegen uns auf einem guten Niveau.“ Nur 26 Prozent der Deutschen seien dieser Tage reisebereit, die Vorbehalte groß. „Dabei sind die Deutschen sonst Reiseweltmeister. Und da spielt uns jetzt der Vertrauensvorsprung des eigenen Landes in die Karten. Wir profitieren nun von unserer dünnen Besiedlung und der Weitläufigkeit der Heide.“ Besonders gefragt seien gerade Natur-erlebnisse, vor allem Radfahren und Wandern. „Wer kann das besser bieten als wir.“

Um in den Feiertagen Ballungen zu verhindern, rät er ausflugshungrigen Lüneburgern, mal andere Ziele anzusteuern: „Es muss ja nicht immer nur der Wilseder Berg sein, auch die Weseler Heide in Undeloh, das Grundlose Moor in Walsrode oder die Osterheide in Schneverdingen sind schön.“

Weitere Ausflugstipps gibt es unter www.lueneburger-heide.de, lueneburg.info und erlebnis-elbe.de.

Von Lea Schulze

Keine Tour am Vatertag

Verstärkte Polizeikontrollen

Das alljährliche Ritual am Vatertag mit dem Bollerwagen durch Stadt und Land zu ziehen, das sich insbesondere bei jungen Nicht-Vätern großer Beliebtheit erfreut, muss in diesem Jahr ausfallen. Die feucht-fröhlichen Touren von Personen verschiedener Haushalte lassen sich nicht mit den geltenden Auflagen der aktuellen Niedersächsischen Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vereinbaren. Deshalb setzt die Polizei gerade in diesem Jahr auf starke Präsenz. Auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes können bei Ordnungswidrigkeiten Bußgelder von bis zu 25.000 Euro drohen.

Ein entsprechender Bußgeldkatalog für Niedersachsen ist parallel in Kraft getreten, so dass empfindliche Bußgelder drohen. Durch eine Verfügung des Landkreises Lüneburg wird auch der Inselsee mit Parkplatz und Zufahrten in Scharnebeck am Himmelfahrtstag für Besucher gesperrt sein. „Verhalten Sie sich so, dass die Polizei nicht einschreiten muss, das ist unser Wunsch für den Himmelfahrtstag. Verleben Sie stattdessen einen schönen ‚Vatertag‘ im engsten Familienkreis und bleiben Sie gesund“, lässt die Polizei Lüneburg verlauten.