Samstag , 15. August 2020
Die Decke über dem ersten Obergeschoss ist jetzt fertig. Für Gehbehinderte wird die zweite Ebene später schwer erreichbar sein. (Foto: be)

Ver(schlimm)besserung?

Lüneburg. Das Votum war eindeutig: Die Mitglieder des Hochbauausschusses empfahlen auf ihrer Sitzung am Donnerstag dem Kreistag, am nächsten Montag einer Erhöhung der Arena-Baukosten um weitere 200 000 Euro zuzustimmen, damit ein zweiter Aufzug in die Sport- und Eventhalle eingebaut werden kann.

Dagegen stimmte nur Tanja Bauschke von den Grünen. Und vehement dagegen argumentiert hatte zuvor der Vorsitzende des Behindertenbeirates von Stadt und Landkreis Lüneburg, Jörg Kohlstedt. „Die Arena erfüllt weiterhin nicht die Bau- und sonstigen öffentlich-rechtlichen Anforderungen an die Barrierefreiheit“, kritisierte er die Maßnahme.

Kein direkter Anschluss ins zweite Obergeschoss

Der Behindertenbeirats-Vorsitzende verwies darauf, dass mit der zusätzlichen Investition weiterhin das zweite Obergeschoss nicht barrierefrei zu erreichen sei, da der Aufzug nur die im Keller und bislang ohne behindertengerechten Zugang befindliche Garderobe mit dem Erdgeschoss und der ersten Etage verbinde. Gehbehinderte kämen dann nur über den im VIP-Bereich angebundenen Fahrstuhl in das zweite Obergeschoss.

„Dann schließen Sie hier sehenden Auges eine große Gruppe von Menschen aus“, sagte er mit Blick auf die fast 1000 festen Sitzplätze und „die überwiegende Fläche der Gastronomie“ im zweiten Obergeschoss.

Kohlstedt, von Beruf selbst Architekt, merkte auch an, dass in der Garderobe keine Wendemöglichkeit für Rollstuhlfahrer sei: „Sie fahren gegen eine Wand und können nicht mehr rangieren. Wir können nur den Kopf schütteln.“

Gereon Raab vom Reese Baumanagement räumte ein, dass hier nur „eine Skizze“ vorliege. „Ja, da sind Fehler drin“, die Planung sei jetzt aber „fortgeschrieben“ worden.

Mehrere Ausschussmitglieder monierten, sie hätten schon zuvor angemahnt, dass planerische Details zwischen Verwaltung und Beirat zu klären seien. Hier habe es bisher einen Terminvorschlag gegeben, „der zu kurzfristig war“, räumte Landrat Jens Böther (CDU) ein. Kohlstedt erneuerte indes seine Kritik, dass dem Beirat die meisten Unterlagen noch nicht vorlägen.

Behindertenbeauftragte des Landes wird eingeschaltet

Ausschussmitglied Wolfgang Marten (SPD) wollte schließlich wissen: „Was ist Pflicht, was ist Kür?“ Raab antwortete: „Die Planung erfüllt die Ansprüche der niedersächsischen Bauordnung.“ Diese Aussage sei doch „justiziabel“, freute sich Martens SPD-Fraktionskollege Hinrich Bonin, worauf Raab antwortete: „Unsere Position ist die eines neutralen Beraters.“

Ganz auf den Grund gehen wollte der Ausschuss diesem Konflikt dann nicht. Tanja Bauschkes Antrag, hier erst Klarheit zu schaffen und dann zu entscheiden, stimmte nur die Grüne selbst zu. Kreisrätin Sigrid Vossers zeigte sich über die Diskussion „etwas befremdet“ und befand: „Diese Art des Miteinanders bringt uns nicht weiter.“ Daher soll jetzt die Behindertenbeauftragte des Landes, Petra Wontorra, eingeladen werden. Die örtlichen Beiratsmitglieder freuten sich im Anschluss, wenn die Rollstuhlfahrerin zu dem Konflikt Stellung nimmt.

Von Marc Rath