Sonntag , 27. September 2020
Pia Kober lernt mit den Schwestern Dana (r.) und Deala. Die beiden sind erst durch den LernRaum auf die Kindertafel aufmerksam geworden. Foto: t&w

So wird den Jüngsten geholfen

Lüneburg. Viele Kinder haben derzeit noch keinen Präsenzunterricht in der Schule oder müssen zumindest die Hälfte der Zeit von zu Hause aus lernen. Dabei brauch en die meisten Unterstützung, doch nicht immer können die Eltern diese bieten. Die Kindertafel Lüneburg hat deshalb einen LernRaum für Kinder aus benachteiligten Familien eingerichtet, außerdem gibt es bundesweit eine online Corona-School, an der auch einige Lüneburger Studenten und Schüler teilnehmen.

„Normalerweise bieten wir Hausaufgabenbetreuung in Gruppen an“, erklärt Diakonin Antje Stoffregen, die die Kindertafel der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde leitet. Da das derzeit nicht mehr möglich ist, wurden Lernräume eingerichtet, um vor allem die Kinder zu unterstützen, die zu Hause nicht genug Platz und Ruhe haben oder deren Eltern aufgrund von Sprachbarrieren nicht bei der Bearbeitung der Aufgaben helfen können.

Bis zu 15 Kinder in einer Stunde

„Diese Kinder kommen jetzt vormittags für jeweils eine Stunde und machen gemeinsam mit einem Ehrenamtlichen ihre Aufgaben“, verdeutlicht Stoffregen. Da Geschwister gleichzeitig in einem Raum lernen dürfen, können jede Stunde zwölf bis 15 Kinder gleichzeitig in den acht Räumen betreut werden. Insgesamt 40 Kinder nutzen das Angebot, viele von ihnen kommen täglich. Mehr Platz ist in der Kindertafel auch nicht, derzeit gibt es sogar schon eine Warteliste. 40 Lüneburger helfen den Schülern als sogenannte Lernpaten bei ihren Aufgaben, darunter sind 25 Studenten der Leuphana.

Weitere 60 Leuphana-Studenten engagieren sich in der digitalen Corona-School. Lisa Mursal (25) ist eine von ihnen und unterstützt seit drei Wochen eine Grundschülerin aus Karlsruhe. Das Grundkonzept des kostenlosen Online-Angebots ist einfach: Studenten melden sich unter www.corona-school.de an und stellen damit ihre Hilfe in verschiedenen Fächern zur Verfügung. Auf der anderen Seite können Eltern ihre Kinder auf der Plattform registrieren und angeben, in welchen Fächer diese Unterstützung brauchen.

„Nachdem ich mich angemeldet hatte, musste ich erstmal ein Videogespräch mit einem Freiwilligen der Corona-School führen“, erzählt Mursal. Dabei sei ihr Studentenausweis kontrolliert worden, außerdem hätte sie ein paar Fragen zu ihrer Motivation beantworten müssen. „Das ist eine Art Kontrollmechanismus der Corona-School, bevor man mit seinem Schüler verknüpft wird.“

Studenten werden gesucht

Jeder Student bekommt einen Schüler zugewiesen, mit dem er sich dann digital verabreden kann. Aussuchen kann man sich diesen nicht, wohl aber angeben, ob man lieber Grundschüler oder etwas ältere betreuen möchte. Auch gibt es bei der Anmeldung die Möglichkeit, dazuzuschreiben, dass man gerne einem Schüler aus Lüneburg helfen möchte. Die Mitarbeiter der Corona-School prüfen dann, ob eine solche Verknüpfung möglich ist.

„Ich treffe mich virtuell zweimal die Woche für eine Stunde mit meiner Schülerin“, sagt Mursal. Das sei jedoch jedem freigestellt: „Manche treffen sich auch öfter oder kürzer: Das kommt ganz auf die individuelle Absprache an.“

Bundesweit haben sich über 7500 Studenten bei der Corona-School angemeldet, jedoch suchen fast 11.000 Schüler auf diesem Weg Unterstützung. Um diese Nachfrage bewältigen zu können, werden derzeit noch mehr Studenten gesucht, die den Schülern ehrenamtlich bei ihren Aufgaben helfen wollen. Mursal motiviert: „Die Corona-School ist ein guter Weg, um in dieser Krise einen Beitrag zu leisten.“

Von Lilly von Consbruch