Mittwoch , 30. September 2020
Das Elektroauto ist per App buchbar und bringt Passagiere zu Bushaltestellen oder Bahnstationen. (Foto: privat)

Auf flexiblen Routen bequem ans Ziel

Lüneburg. Individuell, losgelöst von Linien und starren Fahrplänen: Das ist „ioki Hamburg“, ein sogenannter On-Demand-Shuttle (zu deutsch etwa: Pendelverkehr auf Bestellung). Ein Konzept, das den öffentlichen Nahverkehr stärken soll und gleichzeitig die Luftverschmutzung senkt durch den Einsatz von Großraum-Elektroautos, die wie die typischen Taxis in London aussehen.

Derzeit wird ein Förderantrag vorbeitet

Der Service wird unter dem Markennamen „ioki“ angeboten. Möglicherweise künftig auch im Landkreis Lüneburg, ein entsprechender Förderantrag bereitet federführend der Nachbarkreis Harburg als gemeinsames Projekt der Landkreise Harburg, Lüneburg und Stade vor.

Den Shuttle-Service haben seit dem Start im Sommer 2018 schon von mehr als 215 000 Menschen in den Stadtteilen Osdorf, Lurup und Billbrook genutzt, etwa die Hälfte von ihnen, um sich zu einer größeren ÖPNV-Haltestelle bringen zu lassen. Das berichtet der Betreiber, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein. 20 Elektrofahrzeuge bringen Passagiere täglich rund um die Uhr ans Ziel.

Keine Bindung an starren Fahrplan

Das Prinzip: Fahrgäste buchen den Shuttle per App. Da dieser an keinen Fahrplan gebunden ist, verläuft die Route je nach Fahrgastinteresse. Mit der Einbindung des Service in den ÖPNV zum HVV-Tarif könnten außerdem mehr Menschen dazu bewegt werden, das eigene Auto stehen zu lassen, so die Hoffnung der Betreiber. Die App kommt von „ioki“, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn für intelligente On-Demand-Mobilität.

Bei der jüngsten Sitzung des Mobilitätsausschusses des Lüneburger Kreistages wollte der Abgeordnete Markus Graff (Die Linke) von der Kreisverwaltung wissen, ob geplant ist, den Service in den Landkreis Lüneburg auszuweiten. „Nach unseren Informationen plant die Bahntochter ‚ioki‘, ihr Angebot zu dem bestehenden ÖPNV im Süden Hamburgs auszuweiten“, sagte er. Kooperationspartner sei die KVG Stade.

Fünf Kreise sind interessiert

„Die drei betreffenden Landkreise Stade, Harburg und Lüneburg haben sich darauf geeinigt, dass der Landkreis Harburg federführend einen Antrag zur Förderung von ‚ioki‘ beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt“, heißt es in der schriftlichen Antwort der Verwaltung. Ein mögliches Angebot soll für Lüneburg, Stade, Buxtehude, Buchholz und Winsen/Luhe geprüft werden.

Die Betreiber wollen demnach nun auch Erfahrungen im ländlichen Raum machen und seien daher über die Hamburger Hochbahn an die Süderelbe AG, als Regionalentwicklungsgesellschaft für den südlichen Elberaum, herangetreten, berichtet die Verwaltung. Außerdem sei die KVG als Lizenznehmer der Verkehre in den Landkreisen kontaktiert worden.

Einjährige Testphase geplant

Das Vorhaben läuft unter dem sperrigen Titel „On-Demand-Shuttle-Verkehre für die Verbesserung der Teilhabe ländlicher Räume“. „Die einjährige Testphase kann zu 100 Prozent gefördert werden“, so die Verwaltung weiter. Sobald es neue Ergebnisse hinsichtlich des Förderantrages gibt, wird die Verwaltung im Mobilitätsausschuss berichten.

Von Stefan Bohlmann