Samstag , 19. September 2020
Der Neuwagenverkauf läuft noch schleppend: Verkaufsberater Niclas Dannacker und seine Kollegen im Autozentrum an der Uelzener Straße hoffen auf einen Aufschwung im Juni. Foto: be

Beim Autokauf ausgebremst

Lüneburg. Wenn der Kunde nicht ins Autohaus kommen mag, dann kommt das Autohaus eben zum Kunden: Ungewöhnliche Zeiten erfordern Kreativität. Und so schickt das Team von Dannacker&Laudien in diesen Wochen ein Messemobil durch die Landkreise, um darin Interessierte an ihrer Heimatadresse zu beraten – natürlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Die Idee ist so gut angekommen, dass VW-Markenvorstand Jürgen Stackmann sie jüngst sogar auf seinem Twitter-Account hervorhob. „Solche Reaktionen motivieren natürlich zusätzlich“, sagt Christian Hackbarth, Geschäftsführer von Dannacker&Laudien.

Es sind schwierige Zeiten für die Autohändler der Region. Der Neuwagen-Absatz ist um 60 bis 70 Prozent zurückgegangen, berichten die Chefs verschiedener Autohäuser übereinstimmend. Und das ausgerechnet im Frühjahr, das eigentlich zu den absatzstärksten Jahreszeiten gehört. Einen „Bärendienst“ habe dabei die Politik dem Gewerbe erwiesen, indem man die Entscheidung über Finanzspritzen bei Autokäufen auf den Juni vertagt habe: „Es muss eine schnelle Entscheidung geben. Wie sie aussieht, spielt letztlich nur eine untergeordnete Rolle, aber wir brauchen Planungssicherheit“, sagt Hackbarth. Und sein Kollege Frank Hansmann von B&K ergänzt: „Wir brauchen definitiv eine Aussage der Bundesregierung, egal in welche Richtung die auch geht.“ Die Vertagung einer Entscheidung sei wenig hilfreich, „wenn die Menschen ohnehin schon verunsichert sind und ihr Geld zusammenhalten.“

Reifenwechsel und Routinecheck

Dabei habe man eigentlich gerade in diesen Wochen einen Käufermarkt, so Hackbarth. Das beziehe sich nicht nur auf Preisnachlässe, „derzeit gibt es auch viele Pakete dazu“. So enthalte eines eine Raten-Ausfallversicherung, um den Fall einer Arbeitslosigkeit abzudecken – gerade angesichts der Corona-Situation könne das ein wichtiger Baustein sein. Ganz abgesehen von der Frage, wer denn letztlich überhaupt von einer eventuellen staatlichen Kaufprämie profitiere, „für bis zu fünf Jahre alte Autos wird es ja vielleicht überhaupt nichts geben“, gibt Andreas Kruse, Verkaufsleiter beim Autohaus Stein zu bedenken. „Gut möglich, dass man da dann jetzt günstiger mit einem Autokauf fährt, bevor alle losgehen.“

Während weitere Neuwagen in den Autohäusern erst nach und nach eintrudeln, da auch die Werke ihre Produktion heruntergefahren hatten, läuft das Geschäft auf dem Gebrauchtwagensektor und in den Werkstätten gut bis sehr gut, die meisten Betriebe lassen die verordnete Kurzarbeit gerade auslaufen. „Beim Service stabilisiert sich das Auftragsvolumen bei rund 90 Prozent“, sagt etwa Karl-Peter Plaschka vom gleichnamigen Autohaus. Zwar spiegele sich das geringere Verkehrsaufkommen auf den Straßen mit entsprechend weniger Unfällen und großen Reparaturaufträgen auch hier wieder, „aber durch Serviceangebote wie Reifenwechsel und Routinecheck können wir zumindest unsere Mitarbeiter beschäftigen“.

„Es ist alles anders als zuvor“

Beim Gebrauchtwagengeschäft habe sich vieles auf die Online-Abwicklung verlagert: „Die Zahl der Anfragen über diesen Weg hat sich zeitweilig verdoppelt.“ Der Verkaufsweg sei relativ unproblematisch, da dieser Zweig nicht so beratungsintensiv sei. „Das Auto steht da so wie es ist – da kann man über Ausstattung und Antriebsart natürlich nicht verhandeln“, so Plaschka.

Jetzt im Mai sei man auf dem Gebrauchtwagensektor schon wieder auf dem Vorjahresniveau, bestätigt auch Christian Hackbarth diesen Trend: „Der Bedarf ist einfach immer da und so ein Wagen ist sofort verfügbar.“

Unter dem Strich aber, da macht sich Lüneburgs B&K-Chef Frank Hansmann keine Illusionen, „ist derzeit alles anders als zuvor und das wird auch noch einige Zeit so bleiben.“ Jetzt schaut die Branche darauf, was die Bundesregierung im Juni beschließt.

Von Thomas Mitzlaff