Sonntag , 27. September 2020
Grafik: Evers & Küssner Stadtplaner, Hamburg

Grünes Licht für 400 Wohnungen

Lüneburg. Viel Grün und deutlich mehr Wohnungen als bislang vorgesehen, so präsentierte Stadtbaurätin Heike Gundermann den frisch erarbeiteten Bebauungsplan für das Neubaugebiet „Am Wienebütteler Weg“. Bis zu 400 Wohnungen sollen im Nordwesten Lüneburgs entstehen, teils Einfamilienhäuser, teils Reihen- und Mehrfamilienhäuser, ein gutes Drittel davon im Sozialen Wohnungsbau. Bei der großen Mehrheit der Mitglieder des Bauausschusses kam der Plan gut an.

„Großes Lob!“ lautete die Reaktion von Birte Schellmann. Vor allem das Verkehrskonzept für das Areal, die Erschließung des Geländes und die Aufnahme vieler Vorschläge und Ideen aus der vorangegangenen Bürgerbeteiligung überzeugte die FDP-Ratsfrau.

Viel Zustimmung aus den Fraktionen

Auch von der CDU gab es grünes Licht, mit dem Bebauungsplan Nr. 174 nun in die Öffentlichkeit zu gehen. „Ich kann dem Plan nur zustimmen“, sagte Christel John.

Ebenso die SPD: „Ein Konzept, das uns sehr überzeugt“, betonte Klaus-Dieter Salewski.

Selbst die Grünen, die das Vorhaben bislang eher kritisch begleitet haben, befanden, dass der Plan „grundsätzlich in die richtige Richtung“ gehe, wie Ulrich Löb bemerkte. Weil dem Ausschuss aber das Energie-Gutachten nicht vorgelegt worden war und die Brennstoffversorgung für das geplante Blockheizkraftwerk vage blieb, enthielten er und sein Fraktionskollege Ulrich Blanck sich bei der Abstimmung.

Linke kritisieren „Puzzlestück“-Politik

Generalkritik hingegen kam von Christoph Podstawa (Linke). Er beklagte das fehlende Stadtentwicklungskonzept als Voraussetzung für die Planung von Neubaugebieten. Stattdessen würden „Puzzlestücke“ aneinandergereiht, die zudem zu einem „Flächenfraß“ führten, „den wir uns nicht mehr leisten können“. Als Einziger stimmte er gegen den Beschlussvorschlag der Verwaltung, dem Verwaltungsausschuss die Auslegung des Bebauungsplans zu empfehlen.

Und so soll das Neubaugebiet dann aussehen: Während der Westen des Areals zwischen Brockwinkler Weg und Am Wienebütteler Weg als Grünfläche erhalten bleiben soll, konzentriert sich die zu bebauende Fläche im Osten des Neubaugebiets und grenzt dort an das sogenannte Pflegerdorf der Psychiatrischen Klinik an.

Von West nach Ost nimmt auch die Geschossanzahl der Gebäude zu. Beginnend mit zweigeschossigen Einfamilien- und Reihenhäusern mit Staffelgeschoss klettert die Höhe auf dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit Staffelgeschoss im Zentrum, die zum Pflegerdorf dann wieder auf zwei Geschosse plus Staffelgeschoss abfallen.

Grundsätzlich ist Flachdachbauweise vorgesehen. Die Mehrfamilienhäuser sollen roten Klinger erhalten, die anderen Gebäude einen hellen Farbton. Insgesamt seien die Gestaltungsvorschriften „moderat gehalten“, erklärte Gundermann.

Insgesamt können bis zu 85 Wohneinheiten in Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern entstehen sowie rund 300 Wohneinheiten in den Mehrfamilienhäusen.

Erschlossen wird das Areal vom Wienebütteler Weg aus, die Einmündung erfolgt über einen Kreisel auf Höhe des Ebelingwegs. Die für den Busverkehr (Linie 5009) vorgesehene Straße mündet in einer Wendeschleife mit Bushaltestelle, Mobilitätsstation, Fahrradstellplätzen, Car-Sharing-Station und Spielplatz.

Kaltluftzufuhr durch zwei Schneisen

Die übrigen Wege führen zu Sammelstellplätzen in der Nähe der Häuser. Des Weiteren sind Tiefgaragen in den Mehrfamilienhäusern geplant.

Im zentralen Bereich sind Gewerbeflächen in den Erdgeschossen der Mehrfamilienhäuser vorgesehen.

Grafik: Evers & Küssner Stadtplaner, Hamburg

Zwei in Nord-Süd-Richtung verlaufende Schneisen, die als Grünanlagen für die Naherholung gestaltet werden, lockern die Bebauung auf und sollen die Kaltluftzufuhr in die Innenstadt sicherstellen – ein zentraler Punkt bei der Vorplanung mit Klimagutachten.

Nördlich des bestehenden Wäldchens im Westteil soll ein fünfstufiges Regenwasserrückhaltebecken nebst Auslauf und mit einem Sammelbecken für Schlamm und andere Rückstände entstehen. Das Regenwasser soll bei Starkregen von der angrenzenden „Vögelser Rinne“ aufgenommen werden. Hier soll auch das Blockheizkraftwerk seien Platz finden.

Verkehr bleibt Kritikpunkt

Ausführlich gingen die Stadtbaurätin und Umweltdezernent Markus Moßmann auf die Fragen des Bauausschussmitglieder ein. Vor allem die verkehrliche Anbindung stand dabei im Mittelpunkt. Während Oberbürgermeister Ulrich Mädge „überhaupt kein Problem“ in der voraussichtlichen Verkehrszunahme sah – „Wir glauben an die Verkehrswende und müssen wegdenken vom Auto“ –, regte Birte Schellmann an, die Situation „mal ohne Denkverbote“ in den Blick zu nehmen – konkret: die Freigabe des Ebelingwegs und der Bernsteinbrücke in Ochtmissen für den Autoverkehr.

Ulrich Löb wiederum befand die Anbindung des Neubaugebiets an den ÖPNV als „nicht gelungen“, er hätte sich eine höhere Bustaktung gewünscht. Auch das Verbot von Kaminöfen stieß bei den Grünen auf Vorbehalte.

Grafik: Evers & Küssner Stadtplaner, Hamburg

Dem Antrag der Linken, die Auslegung auf den Zeitpunkt nach dem Corona-Kontaktverbot zu verschieben (LZ berichtete), schloss sich die Ausschussmehrheit nicht an, auch, weil der geplante Auslegungszeitraum vom 6. Juni bis 10. Juli vermutlich ohnehin außerhalb der Kontaktsperre fallen werde. Zudem habe das Land per Plansicherstellungsgesetz auch die gesetzlichen Möglichkeiten für die Auslegung während der Corona-Krise geschaffen, wie Mädge ergänzte.

Am Ende sprachen sich die Ausschussmitglieder gegen die Stimme der Linken und Enthaltung der Grünen für die Zustimmung zur Auslegung des Flächennutzungsplans als auch für die Auslegung des Bebauungsplans durch den Verwaltungsausschuss aus. Dieser stimmte am Dienstag ebenfalls zu.

Von Ulf Stüwe

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