Samstag , 24. Oktober 2020
Thomas Kammann und Andreas Hogrefe (r.) genießen ihren ersten Urlaubstag auf dem Campingplatz Rote Schleuse. Foto: t&w

Endlich wieder Camper

Lüneburg. Campingfreunde können sich freuen: Die Campingplätze in Niedersachsen öffnen wieder ihre Pforten für Touristen. Dauercamper durften bereits seit vierz ehn Tagen wieder in ihre Wochenenddomizile, bis vergangene Woche jedoch nur tagsüber.

Ein Irrsinn, findet Klaus Peter, der seit zwanzig Jahren Pächter des Campingplatzes in Dahlenburg ist. „Wer hat sich das denn ausgedacht, wenn man sich bei irgendetwas nicht ansteckt, dann nachts im Schlaf.“ Am Wochenende sei viel los gewesen, berichtet er. „ Aber das Ostergeschäft ist ins Wasser gefallen und da ist es bei uns nicht anders als in der Gastro: Mittagessen, die nicht verkauft wurden, kann man nicht übermorgen nachholen.“

Noch ist die Saison nicht verloren

Normalerweise hätte er den Platz am 1. April geöffnet, durch die Stornierungen hat er 3000 Euro Verlust gemacht. Doch schon jetzt zeichne sich ab, dass es mehr Reservierungen für die Sommermonate gebe, vor allem auch von Menschen, die es sonst eher nach Österreich oder Italien gezogen hätte, mutmaßt Peter. „Die Saison ist für uns noch nicht verloren.“

Auch auf dem Campingplatz Rote Schleuse in Lüneburg trudeln die ersten Touristen wieder ein, zum Beispiel Thomas Kammann aus Hamburg, der mit Wohnwagen, Hund und Ehefrau aus Hamburg angereist ist. „Meine Frau hat zwei Wochen Urlaub, ich bin selbstständig und kann es mir selbst einteilen. Wir haben einfach geschaut, wo wir hinkönnen und sind los. Das Wetter ist für uns zweitrangig, endlich mal ein Tapetenwechsel, darum geht es uns.“

Seit ein paar Jahren reist das Ehepaar mit dem Wohnwagen, war damit schon in Amsterdam und Prag. Die Reise nach Paris, die Thomas Kammann seiner Frau geschenkt hat, wollen die Beiden nach der Corona-Krise nachholen. Im Gepäck haben die Kammanns Fahrräder und ein Faltboot, „langweilig wird uns sicher nicht. In Lüneburg gibt es noch genug zu entdecken, außerdem würden wir gerne corona-konform unsere Nichte in Uelzen besuchen, die ist ganz frisch Mutter geworden. Ansonsten wollen wir einfach mal die Seele baumeln lassen.“

Campingplatz war eine Empfehlung

Ganz ähnliche Pläne hat Andreas Hogrefe, die beiden Männer sind Nachbarn auf dem Campingplatz und haben sich gerade kennengelernt. Hogrefes Weg war allerdings etwas weiter, er ist mit seiner Frau und zwei Hunden aus Halle angereist. „Momentan herrscht doch gerade überall der gleiche Wahnsinn, wir wollten einfach raus. Ich war noch nie in Niedersachsen, ich war noch nie an der Nordsee, vielleicht schaffen wir das in dieser Woche. Der Campingplatz ist uns empfohlen worden, zack.“

Eigentlich sollte der diesjährige Sommerurlaub drei Wochen nach Kroatien gehen mit dem Wohnmobil. Wehmütig ist Hogrefe aber nicht: „Jetzt wird eben Deutschland erkundet. Was wir von Lüneburg bislang gesehen haben gefällt uns ganz toll, wir wollen viel Fahrrad fahren, in den Wildpark und auch einfach mal nichts tun.“

In Halle betreibt Andreas Hogrefe ein Sportzentrum, Kurse dürfen dort nun draußen stattfinden, weil das Areal sehr groß ist. „Meine Frau wäre verrückt geworden, wenn wir unseren Urlaub Zuhause verbracht hätten, während ums Haus die ganze Zeit Leute rumspringen“, sagt er schmunzelnd. Donnerstag habe er in die Zeitung geguckt, Freitag das Wohnmobil gemietet. „Und jetzt genießen wir Lüneburg.“

Große Freude bei den Dauercampern

Auch am Reihersee ist wieder Leben eingekehrt. „Die Dauercamper sind total happy wieder hier zu sein“, erklärt Reinhard Nack, der den Campingplatz Am Wiesengrund in Brietlingen betreibt. „Das ist für die meisten ja ein ganz wichtiger Bestandteil ihres Lebens hier, die können sich nichts anderes vorstellen. Sie verhalten sich aber vorbildlich und halten sich an die Abstandsregeln.“

Für eine Nacht hat sich auch Familie Schulz aus Borstel mit ihrem Bus am Reihersee eingerichtet. „Wir üben heute hier ein bisschen, ab nächster Woche wollen wir vierzehn Tage ein wenig die Gegend erkunden, mit homeschooling“, erzählt Kathrin Schulz.

Ab in den Reihersee

Ihre beiden Söhne Boris und Matti sind froh über die Abwechslung, später will die ganze Familie noch in den Reihersee springen, Neoprenanzüge haben sie im Gepäck. Kathrin Schulz ist Schwimmlehrerin und kann momentan nicht arbeiten, ihr Mann Frank hat Urlaub. „Zuhause habe ich Kartoffelsalat und Frikadellen vorbereitet, außerdem gibt es Kuchen und Bananenbrot. Das fühlt sich an wie Urlaub.“

Von Lea Schulze