Montag , 28. September 2020
Der Standort an der Ecke Grapengießerstraße/Am Sande zählt zu den besten, die Lüneburg zu bieten hat. So ruhig wie auf diesem Foto ist es allenfalls sonntags und zur Corona-Zeit. Die Lage macht sich auch bei der aufgerufenen Miete bemerkbar. Foto: be

Alles eine Frage des Preises

Lüneburg. Gerade geschlossen, schon im Angebot zur Miete: die Einhorn-Apotheke an der Ecke Sand/Bäckerstraße. Über den vermeintlichen Preis wird im Internet munter diskutiert. Vielleicht nicht immer in Kenntnis aller Details. Bei Facebook heißt es, dass für 125 Quadratmeter 12.900 Euro aufgerufen werden und damit ein stolzer Quadratmeter-Preis von rund 100 Euro. Der relativiert sich jedoch beim Blick auf die entsprechende Immobilienseite. Denn zu dem Objekt gehört ein Keller- beziehungsweise Lagerraum von gut 100 Quadratmetern, für den weitere 770 Euro bezahlt werden sollen. Zusammen betrachtet stehen damit rund 56 Euro auf dem Zettel – kein ungewöhnlicher Wert für Lüneburgs 1a-Lage.

Das Haus gehört dem Lüneburger Immobilien-Unternehmer Günter Porth. Seine Adresse samt Erreichbarkeit hängen am Eingang der ehemaligen Apotheke. Die LZ hatte schon vor Wochen und nun wieder versucht, ihn zu erreichen, um über seine Pläne zu sprechen. Vergeblich. Daher nun ein anderer Weg.

Lage ist ein Bonbon

Der langjährige Sachverständige für Immobilienfragen, Jörg Carmincke, findet die Pachtforderung nicht ungewöhnlich. Carmincke, dessen Familie mehrere Immobilen in der Innenstadt und eben auch an der Bäckerstraße gehören, sagt: „Der Durchschnittspreis dort bewegt sich bei einer Fläche zwischen 80 und 100 Quadratmetern bei rund 80 Euro.“ Ein Objekt in einem Haus mit breiter Fensterfront erzielt einen besseren Preis als ein schmaler Schlauch. Zudem sei ein Haus mit einer Ecklage an dieser Stelle „ein Bonbon“.

Darüber hinaus habe sich die Situation auf dem Markt in den vergangenen zehn Jahren verändert. Waren Mieter damals froh, einen Laden in dieser Lage zu finden und hätten gewünschte Umbauten selbst finanziert, sei dies nun anders: „Wenn Sie einen guten Pächter haben und mit ihm beispielsweise zehn Jahre rechnen können, beteiligen Sie sich nun in der Regel an den Kosten. Solvente Mieter wissen um ihre Stärke.“ In der parallel verlaufenden Schröderstraße werden im Durchschnitt halb so hohe Pachten aufgerufen wie an der Hauptflaniermeile Bäckerstraße, berichtet Carmincke. Es sei Verhandlungssache, welche Pacht am Ende gezahlt werde.

295 Jahre Apotheken-Geschichte

Verhandlungen stehen auch in Corona-Zeiten an. Natürlich hätten Händler und Wirte Probleme, die Pacht aufzubringen, wenn sie keine Kunden haben. „Da muss man miteinander sprechen“, sagt Carmincke. Er hat mit seinen Partnern in Sachen Miete verschiedene Lösungen gefunden, um diese zu entlasten. „Man muss das ja langfristig sehen, wenn man weiter zusammenarbeiten möchte.“ Er sieht Vermieter und Geschäftsleute da ähnlich betroffen: „Wir bluten alle.“

Wie berichtet, hatte Apotheker Ulrich Steiger sein Haus verkauft und damit in diesem Frühjahr 295 Jahre Apotheken-Geschichte beendet. 1723 gegründet, war der damalige Pillendreher zehn Jahre später an den Sand gezogen. Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Ära der Familie Steiger. 1926/27 hatte das Haus die bis heute prägenden Arkaden erhalten.

Von Carlo Eggeling