Donnerstag , 29. Oktober 2020
Baumkönigin Charlotte Baumann aus Vögelsen leistet Aufklärungsarbeit zur Robinie. Ein Jahr lang wirkt sie als Botschafterin der Baumart. Foto: privat

Im Auftrag des Baumes

Vögelsen. Charlotte Baumanns Lieblingsfarbe ist grün. Nicht lila wie die Heide, nicht rot wie der Wein oder gelb wie die Kartoffel. Nein, grün wie die Blätter am Baum. Nie hat sie davon geträumt, als Heide-, Wein- oder Kartoffelkönigin eine Krone auf dem Haupt zu tragen. Nur für die Bäume, da macht sie eine Ausnahme. Seit letzten Herbst trägt Charlotte Baumann den Titel der Deutschen Baumkönigin – und als solche streng genommen auch gar keine Krone, sondern einen Holzhut.

Mit dem wollte die Vögelserin eigentlich bis Ende des Jahres durchs Land ziehen, um im Auftrag der Stiftung „Baum des Jahres“ bei Pflanzaktionen den Spaten zu schwingen und Aufklärungsarbeit für ihren Partnerbaum zu leisten: die Robinie. 20 Termine standen in ihrem Kalender, alle wurden aufgrund der Corona-Krise gestrichen. Und so haben abseits der Szene viele nicht mitbekommen, dass es sie gibt: eine Baumkönigin aus der Lüneburger Heide.

Gut, dass es Instagram gibt

„Wenn das so weitergeht, ist mein erster Termin vielleicht wirklich die Übergabe an die nächste Baumkönigin“, überlegt Charlotte Baumann. Gut, dass es Instagram gibt. Dort postet die 23-Jährige seit einiger Zeit regelmäßig Beiträge über die Welt der Bäume und den Klimawandel. Schließlich ist sie als Studentin der Forstwirtschaft und Waldökologie vom Fach – eine Bedingung für den königlichen Titel.

Über die Robinie, Baum des Jahres 2020, könnte sie vermutlich schon fast eine Doktorarbeit schreiben: Als deren Botschafterin ist Charlotte Baumann bis in die Tiefen der Fachliteratur vorgedrungen und fühlt sich inzwischen fast ein bisschen verwandt mit dieser „umstrittenen Schönheit“ der Pflanzenwelt. Sie lacht: „Die Robinie polarisiert, wie ich manchmal.“ Dann erzählt sie – wie es die Robinie zum Beispiel schafft, heimische Baumarten zu verdrängen. Dass sie mit dem Klimawandel gut zurechtkommt, weil sie der Trockenheit trotzt, und unter Bienen sehr beliebt ist. Wenn Charlotte Baumann heute auf dem Weg zur Uni durch Göttingen spaziert, trifft sie immer wieder auf Robinien. „Dann muss ich jedes Mal lachen. Zwischen Beton und Asphalt tut sie ja auch niemandem was.“

Ein „Plus“ an Erfahrung

Die Idee, ein Jahr lang als Botschafterin des Baumes zu wirken, kam ihr im letzten Sommer, als sie in der Uni über einen Flyer der Stiftung „Baum des Jahres“ stolperte. Spontan füllte sie das Bewerbungsformular aus, noch am selben Abend kam die Einladung zum Vorstellungsgespräch, wenige Wochen später stand sie im Berliner Zoo, um sich von Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, in das Ehrenamt einführen zu lassen.

Und auch wenn der Holzhut im Augenblick unberührt auf ihrem heimischen Sekretär liegt, ist Charlotte Baumann froh, dass sie die Herausforderung angenommen hat. Das „Plus“ an Erfahrung, vor allem fachlicher Natur, könne sie für die Zukunft gut gebrauchen. Charlotte Baumann will Försterin werden, am liebsten in der Lüneburger Heide. Da ist es so schön grün.

Von Anna Petersen