Samstag , 31. Oktober 2020
Fahrlehrer Cem Aksoy und seine Kollegen aus Stadt und Kreis dürfen jetzt wieder arbeiten, allerdings nur sehr eingeschränkt. Sie hoffen, dass es bald wieder normal weitergeht. Foto: t&w

Weiter auf der Bremse

Lüneburg. Eigentlich hätten am Mittwoch etliche Fahrschulautos durch Hannover rollen sollen. Der Niedersächsische Fahrlehrerverband hatte zum Streik aufgerufen. Er wollte auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Fahrschulen in der Corona-Zeit aufmerksam machen. Doch dann verkündete die Landesregierung einen Tag vor der geplanten Demonstration erste Lockerungen: Erlaubt sind nun die praktische Fahrausbildung für Motorräder sowie der Theorieunterricht. Vom kommenden Mittwoch, 13. Mai, an finden auch wieder theoretische Prüfungen in Lüneburg statt, wie der TÜV Nord bekannt gibt. Alles also wieder gut? Noch lange nicht, findet der Vorsitzende des Lüneburger Kreisfahrlehrerverbandes, Cem Aksoy.

Mit dem Zollstock streift Aksoy durch seine Fahrschule in Kaltenmoor, misst den Mindestabstand zwischen den Stühlen aus. Ein Drittel seiner sonst üblichen Fahrschüler darf er nur noch in den Raum lassen. Das heißt, für die gleiche Zahl an Schülern müsste er nun drei Mal so viel Zeit investieren wie früher. Wer in die Theoriestunde kommen will, muss sich vorher anmelden und einen Platz reservieren. Vor seinem Schreibtisch baut Aksoy einen Spuckschutz auf, am Eingang steht ein Desinfektionsmittel.

Vielleicht noch länger arbeiten?

„Stellen Sie sich vor: Karstadt hat geöffnet, jeder darf sich umschauen, nur kaufen darf man nichts.“ Mit diesem Szenario vergleicht Cem Aksoy die aktuelle Lage der Fahrschulen. Er kritisiert, dass in Niedersachsen noch immer keine Praxisstunden außer für Motorräder erlaubt sind. Das sei eine große wirtschaftliche Krise: Nachdem sie am 17. März komplett schließen mussten, beantragten Aksoy und seine Kollegen umgehend staatliche Soforthilfe. Der Fahrlehrer sagt: „Man redet davon, dass von 1200 Fahrschulen in Niedersachsen wahrscheinlich dreißig Prozent schließen müssen.“

Wenn die Fahrschulen wieder vollständig öffnen dürfen, vermutet Aksoy einen Stau bei der Führerscheinausbildung für das Gewerbe. Schließlich sind der Güterverkehr, Logistik-Unternehmen und Paketdienste stets auf der Suche nach Fahrern. Wie die Fahrschulen das organisieren sollen, weiß der Lüneburger nicht. Vielleicht noch länger arbeiten oder Unterricht auch am Sonntag?

Klar ist: Bei einer Praxisstunde im Auto könnten 1,50 Meter Abstand zwischen Fahrlehrer und Schüler nicht eingehalten werden. Cem Aksoy ist sich der gesundheitlichen Verantwortung für sich und die Fahrschüler bewusst. Er sagt: „Wir versuchen, das Risiko mit Hygiene-Regeln so weit wie möglich zu minimieren.“ Lange halten er und seine Kollegen das aber nicht durch. Sehnsüchtig warten sie auf weitere Lockerungen.

Von Franziska Ruf

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