Dienstag , 29. September 2020
Ein Autokino wird wohl nicht entstehen - aber eine große LED-Wand soll auf die Sülzwiesen, zusammen mit einer Bühne, für Lesungen und Konzerte. (Foto: AdobeStock)

Kultursommer im Grünen

Lesungen, Comedians, kleine Konzerte – in Corona-Zeiten könnte eine neue Spielstätte entstehen. Die ersten Ideen

Lüneburg. Der Kultur fehlt die Bühne, das soll sich ändern: Auf den Sülzwiesen könnten Autoren lesen und Konzerte stattfinden. Die Idee ist sehr konkret, die Initiatoren sind Profis in Sachen Veranstaltungen. Sie möchten eine feste Bühne mit einer 14 Meter breiten LED-Leinwand aufbauen. Darauf könnten von Juni an Künstler auftreten, Filme oder Bundesliga-Spiele gezeigt werden. Die Partner wollen nach Vorbid eines Autokinos den Rahmen für den „Lüneburger Kultursommer“ bieten, verschiedene Akteure können das Angebot dann für ihre Projekte nutzen. Mit Kreis und Stadt seien sie im Gespräch und rechnen sich gute Chancen aus, hieß es gestern vor Ort. Schließlich habe das Land Autokinos zugelassen. Doch ein Kino wird das Ganze nicht mehr, denn Filmtheater dürfen vermutlich in den nächsten Wochen wieder öffnen. Auf diesem Fundament könne man mehr aufbauen – unter Maßgabe von Corona-Regeln. Aus dem Rathaus heißt es: „Wir begrüßen das Engagement.“
Allen ist klar: Corona hat der Kulturszene den Boden unter den Füßen weggezogen. Keine Auftritte, kein Geld, ist die schlichte Bilanz. Gleiches gilt für die Veranstalter und Dienstleister, die ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt haben. Mit dabei sind Florian Buhr, Chef der Firma Protones für Veranstaltungstechnik, Mischa Karafiat, der aus derselben Branche kommt und Fachmann unter anderem für Sicherheits- und Hygienefragen ist, dazu Klaus Hoppe, Paul Reichwald und Max Giesler von der Campus-Gruppe, die auch verantwortlich für die Vamos-Partys und Betreiber der Ritterakademie sind. Die LZ ist als Medienpartner an Bord.
„Es soll ein Ort sein, an dem alle Kultur machen können“, sagt Hoppe. „Wir schaffen die Infrastruktur, die andere mitnutzen können.“ Er sieht viele Partner: Kirchen mit Gottesdiensten im Freien, Buchhändler, das Kulturforum mit seinem Angebot, aber auch Bands, die an einem eher kleinen Auftritt interessiert sind.
Klar umrissen ist das Konzept für den „Zuschauerraum“ Der zur Stadt gelegene Bereich könnte mit der Leinwand ausgerüstet, das Areal eingezäunt werden, Zu- und Abfahrten, Toiletten und Versorgungsfragen sind durchdacht. Platz wäre für 330 Autos à zwei Personen. Der Ton könnte mittels einer Ukw-Frequenz aufs Autoradio übertragen werden. Die „Wellenlänge“ ist gebucht.
Sollte es Lockerungen geben, können sich die Akteure auch vorstellen, Tische und Stühle aufzustellen – mit Windlicht und einem Getränk, ein bisschen wie im Hamburger Hansa-Theater. Dann hätten die Gäste Kopfhörer auf den Ohren. Anwohner würden so nicht gestört.
„Wir laden alle ein mitzumachen“, sagt Karafiat. Ähnlich sieht es Florian Buhr, der wie seine Partner nicht verhehlt, dass es auch darum geht, die eigenen Mitarbeiter zu beschäftigen. Für alle ist klar: „Wir brauchen Hilfe.“ Die Kosten schätzen sie auf eine Viertelmillion Euro. Da sie die Summe nicht auf alle Kulturschaffenden umlegen können, suchen sie Geldgeber: Die Region verfüge „in Teilen über einen sehr gesunden Mittelstand, auch hier gibt es Unternehmen, die von der Krise profitiert haben“.

Von Carlo Eggeling