Samstag , 26. September 2020
An der IGS Lüneburg in Kaltenmoor hat der Unterricht für die Schüler, die in diesem Jahr Abschlussprüfungen haben, bereits begonnen. Foto: A/be

Zwischen den Stühlen

Lüneburg. Die ersten Schüler gehen inzwischen wieder in die Schule, Schritt für Schritt folgen in den nächsten Wochen immer mehr Klassen. Durch strenge Abstandsregelungen kann der Unterricht zumindest abgespeckt wieder vor Ort stattfinden. Aber nicht für jeden: Manche Lehrer müssen weiter zu Hause bleiben. Darüber entscheidet teilweise die Schulleitung, die an einigen Schulen in Lüneburg dadurch vor Probleme gestellt wird.

Personen mit Herzkreislauf­erkrankungen, Diabetes, Krebs oder Erkrankungen der Atemwege müssen nach Vorlage eines ärztlichen Attestes nicht in der Schule erscheinen. „Für die betroffenen Lehrkräfte gilt, dass sie von zu Hause aus nach Weisung durch die Schulleitung schulische Aufgaben übernehmen“, erklärt Bianca Trogisch, Pressesprecherin der Landesschulbehörde.

Vorgabe des Landes wäre wünschenswert gewesen

Ganz so einfach ist es aber nicht für die über 60-jährigen Lehrer, die aufgrund ihres Alters zwar zur Risikogruppe gehören, aber ansonsten keine Vorerkrankungen aufweisen. „Das Erreichen einer Altersgrenze ohne Vorliegen einer der genannten Vorerkrankungen führt nicht automatisch zur Berechtigung, im Homeoffice arbeiten zu können“, erklärt Trogisch. Haben Beschäftigte das 60. Lebensjahr überschritten, kann aber dem Wunsch nach Arbeit im Homeoffice entsprochen werden. „Das regelt die Schule in eigener Verantwortung unter Berücksichtigung der Einsatzplanung“, verdeutlicht Trogisch.

Für die Schulleitungen keine leichte Entscheidung, findet Hartmut Lenz, Rektor der Grundschule Reppenstedt. Er hätte sich eine klare Vorgabe von der Landesschulbehörde gewünscht. „Zum Glück sitze ich derzeit noch nicht zwischen den Stühlen, keiner meiner Kollegen hat bisher Homeoffice angefragt.“ Es gebe außer ihm und einer Lehrerin an der Grundschule ohnehin niemanden über 60. „Wenn jemand andere Gründe hat, werde ich mir diese ganz genau anhören und dann, je nachdem wie prekär die Situation ist, entscheiden.“

„Keiner meiner Kollegen hat bisher Homeoffice angefragt.“ – Hartmut Lenz, Rektor Grundschule Reppenstedt

Die Schulleitung am Gymnasium Odeme überlässt diese Entscheidung den Lehrern selbst. „Wenn sich ein Kollege gefährdet fühlt und nicht vor Ort arbeiten möchte, dann muss er das auch nicht“, sagt die stellvertretende Leiterin Birgit Burmester. Die Gesundheit des Kollegiums stehe an erster Stelle, dies habe allerdings auch Konsequenzen.

„Es kann sein, dass wir deshalb den Präsenzunterricht nicht immer gewährleisten können“, gibt Burmester zu Bedenken. Es seien recht viele Lehrer des Gymnasiums über 60, einige von ihnen haben sich für das Homeoffice entschieden. Die nächste Woche, in der nur der 12. Jahrgang zurück in die Schule komme, könne noch problemlos bewältigt werden. „Da gibt es keinen Engpass, was für diese Schüler enorm wichtig ist.“ Schwierig könne es werden, wenn die jüngeren Schüler in die Schule zurückkehren.

Online wird der Unterricht immer stattfinden

Burmester betont: „Unterricht wird online immer stattfinden, aber ob wir allen Schülern den Unterricht in der Schule bieten können, wissen wir derzeit noch nicht.“ Zu dem großen Anteil an besonders gefährdeten Lehrkräften komme ein weiteres Problem. „Wir beaufsichtigen die Schüler ständig, um den Infektionsschutz gewährleisten zu können. Das frisst zusätzlich enorm Kapazitäten. Für dieses Problem haben wir derzeit noch keine Lösung.“

Am Johanneum kann der Unterricht vor Ort wohl wie geplant gestaltet werden, schildert die Schulleiterin Ulrike Lindemann. Etwa zehn Prozent der insgesamt 90 Lehrer gehören entweder selbst der Risikogruppe an oder leben mit solchen in einem Haushalt. Lindemann sei bisher nicht in der Situation gewesen, dass sie über die Notwendigkeit der Anwesenheit oder die Möglichkeit der Heimarbeit eines Kollegen hätte entscheiden müssen. „Bisher hat niemand nur wegen seines Alters Homeoffice angefragt.“

Sorgen bereiten ihr derzeit auch nicht vornehmlich die Kollegen aus der Risikogruppe. „Es sind vielmehr die Jungen, die selbst Kinder haben und derzeit keine Betreuung für diese finden können, durch die wir in einen Engpass geraten könnten.“

Unproblematisch scheint die Situation indes an der Förderschule am Knieberg zu sein. Konrektor Torsten Jahn betont, dass nur wenige Lehrer der Risikogruppe angehören und der Unterricht unter den gegebenen Vorgaben stattfinden könne. Die Lehrer im Homeoffice bringen Aufgaben und Gegenstände zu den Schülern nach Hause. „Natürlich geht es dabei nicht nur um Lesen, Schreiben, Rechnen, sondern auch um Aufgabenstellungen, die konkretes Handeln, Singen, Tanzen etc. erfordern“, erklärt Jahn.

Von Lilly von Consbruch