Dienstag , 22. September 2020
Als erstes soll die Notbetreuung schrittweise ausgebaut werden. Foto: Adobe Stock

Wieder mehr Betreuung

Lüneburg. Der Einstieg in den Ausstieg läuft langsam an. Die Kindertagesbetreuung wird Zug um Zug deutlich erweitert. Einen „Phasenplan-Kita“ zur schrittweisen Erhöhung der Betreuungskapazitäten hat das niedersächsische Kultusministerium ausgearbeitet und schafft so eine Perspektive für Eltern und Kinder nach den Schließungen der Einrichtungen wegen der Corona-Pandemie. Nach und nach wird die Notbetreuung ausgebaut, ab dem 1. August soll dann der Regelbetrieb in den Kitas wieder laufen. Soweit der Plan.

Schon seit Mittwoch dürfen private Betreuungsmöglichkeiten genutzt werden. Guten Freunden, Bekannten oder Nachbarn ist erlaubt, sich zusammenzutun und so zu organisieren, dass bis zu fünf Kinder, inklusive der eigenen, zu Hause betreut werden können. Eine weitere Erleichterung für viele Eltern folgt dann ab Montag, 11. Mai: Tagesmütter und Tagesväter dürfen ihre Schützlinge wieder betreuen.

Verdopplung von fünf auf zehn Kinder

In der zweiten Phase, ab dem 18. Mai, soll die Notbetreuung deutlich ausgeweitet werden. Wie das in den Kommunen im Landkreis Lüneburg reibungslos gelingen kann, darüber beraten heute die Hauptverwaltungsbeamten (HVB) in einer Videokonferenz.

„Es ist eine Herausforderung, die Gruppengröße bei der Notbetreuung von bislang fünf auf zehn Kinder zu verdoppeln“, sagt Norbert Meyer (SPD), stellvertretender HVB-Sprecher und Bürgermeister der Samtgemeinde Ostheide. Unklar sei vor allem, wer neben den bisherigen systemrelevanten Berufen nun zusätzlich Anspruch auf die Notbetreuung habe, erläutert er.

Wer darf die Notbetreuung nutzen und wer nicht?

„Wir begrüßen die Ausweitung, wünschen uns aber klare Regelungen vom Land.“ Denn nicht die Kommunen sollten die Entscheidung treffen müssen, wer die Notbetreuung nutzen darf und wer nicht. Der bisherige Weg, den Einzelfall vor Ort individuell zu prüfen, werde so nicht mehr funktionieren.

Eine verbindliche Prioritätenliste wäre hilfreich. „In der geregelt sein könnte, dass Vorschulkinder und Härtefälle, wie etwa Kinder von Alleinerziehenden oder mit erhöhtem Sprachförderbedarf, zuerst an der Reihe sind, wie bereits vom Land vorgeschlagen“, meint er. Zudem müssten die Sozialraumprojekte in den Kommunen bei Beratungen mit herangezogen werden, um herauszufinden, welche Familien einen dringenden Betreuungsbedarf haben.

Bei der Stadt Lüneburg als größte Kommune laufen die Planungen. „Ab 18. Mai wird die Betreuung auf 40 Prozent erhöht, das heißt in Kindergärten werden wir bis zu zehn Kinder pro Gruppe unterbringen können und in Krippengruppen bis zu sechs“, berichtet Stadtsprecherin Ann-Kristin Jenckel. Raum- und Personalplanung werden jetzt darauf eingestellt.

„Ab 18. Mai wird die Betreuung auf 40 Prozent erhöht.“ – Stadtsprecherin Ann-Kristin Jenckel

„Mit der Erhöhung der Gruppengrößen werden wir pro Gruppe wieder mindestens zwei Betreuungskräfte einsetzen. Wir holen daher Erzieherinnen und Erzieher aus dem Homeoffice zurück, soweit möglich, denn auch sie müssen zunächst die Betreuung ihrer eigenen Kinder organisieren.“

Gleichzeitig sei eine Umfrage unter den Fachkräften gestartet worden, wer als Risikogruppe nicht für die Rückkehr in die Einrichtung zur Verfügung steht. „Damit wir bis zum Ende der Woche wissen, ob wir ausreichend Personal für die Ausweitung der Betreuung haben.“

Ansammlungen von Eltern werden vermieden

Neben dem Personal spielt die Raumplanung eine maßgebliche Rolle. Jenckel: „Wir werden die Bring- und Abholsituation so gestalten, dass sich keine Ansammlungen von Eltern in der Einrichtung finden.“ Darüber hinaus warte die Stadt auf den Hygieneplan vom Land. „Wenn dieser vorliegt, können wir beurteilen, wie die Hygieneregeln in den Einrichtungen umzusetzen sind.“

Die Stadt begrüße es sehr, dass die Vorschulkinder wieder in die Einrichtungen kommen. „Damit wird gewährleistet, dass diesen Kindern ein guter Übergang zur Schule ermöglicht wird.“ Derzeit überprüfe die Verwaltung, wie viele Mädchen und Jungen das sind. „Für die Vorschulkinder werden wir besondere Angebote machen“, kündigt sie an.

Von Stefan Bohlmann