Sonntag , 20. September 2020
Auch der Polarfuchs im Wildpark muss sich vermutlich erstmal wieder an Besucher gewöhnen. Foto: t&w

Blick nach vorn

Hanstedt. Stück für Stück lockert Niedersachsen die Corona-Maßnahmen. Ab heute, Mittwoch, kehrt ein großes Stück Normalität zurück: Tierparks, Museen, Outdoor-Sportanlagen und Spielplätze stehen den Lüneburgern von nun an wieder zur Verfügung. Als diese Entscheidung Ende vergangener Woche durchsickerte, war die Freude bei Familie Tietz in Hanstedt groß: Seit mehr als 30 Jahren betreiben sie den Wildpark Lüneburger Heide, am 17. März musste der Familienbetrieb wegen der Corona-Krise schließen.

Geschäftsführer Alexander Tietz: „Natürlich war das erstmal ein Schock, aber wir haben die Situation schnell angenommen und alles gemacht, was sonst immer hinten runterfällt. Die Terrassen sind blitzblank, die Kanalisation ist neu gemacht worden, ebenso die Spielplätze. Wir haben sogar einen neuen Rutschturm. Umso besser, dass heute auch gleich die Spielplätze wieder mit Leben erfüllt werden.“

Auch der Baumwipfelpfad ist wieder geöffnet, die Polarfüchse haben ein neues Gehege.

Verhältnismäßig gut durchgekommen

Sonst sei für viele Dinge oft keine Zeit mehr gewesen vor Saisonbeginn, Tietz versucht es positiv zu sehen. Und die finanziellen Einbußen? „Sechs Wochen hatten wir geschlossen, uns ist das Ostergeschäft durch die Lappen gegangen und auch der 1. Mai, aber was nützt es nun zu jammern? Wir blicken nach vorne und hoffen auf einen tollen Start.“ Keine Spur von Verbitterung, vielmehr ist Alexander Tietz sehr zufrieden damit, wie souverän die Politik diese schwierige Situation meistert. „Deshalb sind wir verhältnismäßig gut da durchgekommen. Die ganze Welt blickt gerade mit Bewunderung auf unser Land. Ich habe volles Vertrauen.“ Für Tietz persönlich hatte die „Pause“ auch Vorteile: „Ich arbeite in der Regel sieben Tage die Woche. An Ostern bei gutem Wetter mit meiner Familie zu grillen, das war eine ganz neue Erfahrung für mich“, verrät er schmunzelnd. „Ich bin im Februar zum zweiten Mal Vater geworden, die Zeit nach der Geburt mehr begleiten zu können, war wirklich toll.“

An den ersten Tagen rechnet Tietz eher mit verhaltenem Andrang, dennoch ist er froh, dass der Park bereits seit 2019 über einen Online-Ticketshop verfügt. „Wir bitten unsere Kunden, wenn möglich, das Ticket online zu kaufen. Sie erhalten dann einen QR-Code direkt aufs Handy. Damit sollen Schlangen vermieden werden. Dass ein sicherer Aufenthalt hier gewährleistet ist, das ist unser oberstes Gebot.“

Einfach mal die Seele baumeln lassen

Bei dem weitläufigen Areal des Parks, er erstreckt sich auf stolze 65 Hektar, ist Alexander Tietz zuversichtlich, dass Abstände problemlos eingehalten werden können. „Der Platz ist unser ganz großer Vorteil, selbst wenn es voll werden sollte, kann man sich hier aus dem Weg gehen.“

Die Gastronomie wird erst am Montag eröffnen, Speisen und Getränke sind bis dahin nur zum Mitnehmen erhältlich, Spielplätze dürfen Kinder unter zwölf Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen betreten.

Alexander Tietz hofft, dass viele Menschen das schöne Wetter jetzt für einen Ausflug in den Wildpark nutzen werden. „Nach dem zehnten Mal Baumarkt ist langsam alles beisammen. Was wir hier haben, ist eine Oase, die frische Luft, die Tiere, hier durchzugehen und einfach mal die Seele baumeln zu lassen, das ist ein Genuss. Und so etwas ist es, was die Leute jetzt brauchen.“

Von Lea Schulze