Mittwoch , 28. Oktober 2020
Eurolaser-Geschäftsführer Matthias Kluczinski. (Foto: t&w)

Nicht alle Hersteller spüren den Corona-Effekt

Lüneburg. In Zeiten von Corona sind Hand- sowie Nasen-Mund-Schutz begehrt, deshalb vielerorts auch rar. Und während die Importeure mangelhafte Ware aus dem Ausland beklagen, werden im Inland die Stimmen nach Alternativen laut: Maschinen und Geräte deutscher Firmen könnten umgenutzt, somit vor Ort hochwertige Produkte gefertigt werden. Das zumindest sind die Forderungen. Für die Betriebe ist das aber kaum umsetzbar.

Die Uvex Gruppe, Hersteller von Schutz- und Sicherheitsartikeln im Beruf-, Sport- und Freizeitbereich, hat einen ihrer Standorte auch in Lüneburg, ist hier für die Sparte Handschuhe zuständig. „Wir haben professionelle Einmal-Handschuhe aus Nitril im Sortiment, also solche, die in Krankenhäusern und Arztpraxen benötigt werden, produzieren diese aber nicht selbst hier in Lüneburg“, erklärt Geschäftsführer Carsten Baumgarten, und das werde auch so bleiben.

Anlage erst in gut eineinhalb Jahren einsatzbereit

Das Unternehmen müsste einige Millionen Euro investieren und hätte eine entsprechende Anlage dann auch erst in gut eineinhalb Jahren einsatzbereit, verdeutlicht der Chef von Uvex Safety Gloves: „Das sind Fertigungsstraßen, die mehr als eine Million Handschuhe pro Woche herstellen.“ Dieser Aufwand und die Produktionskosten am Standort Deutschland machten eine solche Investition nicht sinnvoll.

Derzeit entwickle und produziere die Firma am Lüneburger Standort hauptsächlich sogenannte Mechanik-, Schnittschutz- und Chemieschutzhandschuhe: „Da wir in diesem Bereich der einzige Hersteller in Europa sind, können wir zurzeit in vielen Fällen, in denen momentan die Wettbewerber aus Asien lieferunfähig sind, einspringen“, sagt Baumgarten zufrieden.

Diesen Corona-Effekt kann das Lüneburger Unternehmen eurolaser zwar nicht verzeichnen, doch auch der Hersteller hochspezialisierter CO₂-Laser­systeme an der Borsigstraße unterstützt deutsche Lieferanten von Schutzausrüstung, indem die Lasersysteme aus dem Demo-Center für den Zuschnitt von Filtermaterial für Schutzmasken genutzt werden.

Keine fertigen Laseranlagen im Lager

„Aktuell haben wir hier vor Ort vier Maschinen stehen, die hauptsächlich zu Demonstrationszwecken genutzt werden“, erklärt Thorsten Brandt, Prokurist und Betriebsleiter der Firma, „allerdings sind davon nicht alle zum Schneiden von Textilien konfiguriert und daher für die Produktion von Schutzmasken nicht geeignet. Unsere Lasersysteme werden immer anwendungsbezogen konfiguriert und auftragsbezogen für die Kunden produziert. Von daher haben wir hier keine fertigen Laseranlagen im Lager stehen, die zusätzlich genutzt werden könnten.“

Diejenigen allerdings, die dafür infrage kommen, seien durchgehend mit der Fertigung von geeigneten Schutztextilien belegt: „Wir arbeiten dabei eng mit unseren Kooperationspartnern zusammen, die sich um die Weiterverarbeitung kümmern“, sagt Brandt.

Soweit der Markt es hergebe, würden derartige Anlagen auch verkauft – und das im Internet auch beworben. „Die Produktion von Schutzausrüstung stellen wir hier eigentlich nicht dar“, sagt Brandt, „denn Lohnfertigung zählt nicht zu unseren Kernaktivitäten. Das übernehmen unsere Kunden.“

Von Ute Lühr