Samstag , 15. August 2020
Anstelle eines Austauschs durch ein Modell mit Wasserstoff-Antrieb soll die „Amt Neuhaus“ einen neuen Dieselmotor erhalten. (Foto: t&w)

Aus für neue Elbfähre in Bleckede?

Lüneburg. Landrat Jens Böther (CDU) hat genau ein halbes Jahr nach Amtsantritt seinen ersten politischen Zwist im Kreistag – und das ausgerechnet mit einem Thema, das ihn in seiner vorigen Rolle als Bleckeder Bürgermeister schon besonders beschäftigt hat: Die Fährverbindung zwischen Bleckede und Neu Bleckede.

Bis gestern galt es in der Kreispolitik als ausgemacht, dass die in die Jahre gekommene „Amt Neuhaus“ in den nächsten Jahren ersetzt wird. Zunächst war eine Solar-Fähre im Gespräch, seit einigen Monaten ist jedoch ein Wasserstoff-Antrieb Favorit. Der Kreisausschuss hatte bereits eine externe Betreuung des Projektes ausgeschrieben. Doch dazu soll es nach einer Kampfabstimmung mit 6:5 Stimmen nun nicht mehr kommen. Stattdessen soll die mehr als 80 Jahre „Amt Neuhaus“ einen neuen Dieselmotor erhalten.

Wegen Finanzierungslücken durch die Corona-Krise schlug der Landrat einen neuen Kurs vor. Ein „hochmoderner Dieselmotor nach Euro 6 Standard“ könne die Lebensdauer der „Amt Neuhaus“ um weitere fünf bis zehn Jahre verlängern, „um dann in besseren Zeiten über eine komplette Neuanschaffung zu befinden“. Während eine neue Fähre den Haushalt „mit fünf bis sechs Millionen Euro“ belaste, koste ein „ausgetauschter Motor vielleicht mit 10 Prozent davon“.

Böthers Argumentation stößt auf harte Kritik. SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp wirft dem Christdemokraten vor, hier „sang- und klanglos eines der innovativsten Projekte für die Region zu beerdigen“. Dies geschehe zudem nichtöffentlich im Kreisausschuss ohne Einbindung der Region. Seine Kollegin Petra Kruse-Runge von den Grünen moniert, dass hier nach der Corona-Krise „die Chance für einen Neustart“ verspielt werde.

Die Anschaffung eines neuen Motors soll nun in der Arbeitsgruppe „Verbesserung Mobilität im Amt Neuhaus“ und im Ausschuss für Mobilität beraten werden. Ein Kauf sei noch in diesem Jahr möglich, heißt es.

Pikant: Die politische Konstellation der CDU-Vertreter mit FDP/Unabhängige und AfD hat im elfköpfigen Kreisausschuss eine Mehrheit, im Kreistag jedoch nicht. SPD, Grüne und Linke prüfen nun, ob das Thema nicht in den Kreistag gehört. Dieser hatte sich mehrfach für eine neue Fähre ausgesprochen.

Von Marc Rath

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