Dienstag , 22. September 2020
Die kleine Fischaufstiegsanlage am Südufer der Elbe ist seit dem Spätsommer 2019 wegen Bauschäden zugeschüttet. Foto: t&w

Wanderung mit Hindernissen

Geesthacht. Weil die Fischaufstiegsanlage am Südufer des Stauwehrs zwischen Geesthacht und Rönne wegen des drohenden Einsturzes einer Spundwand im Spätsommer 2019 zugeschüttet werden musste, ist für viele Fischarten die Wanderung in ihre Laichgebiete blockiert. Denn der großen Fischtreppe am Nordufer der Elbe fehlt seit einer Absackung des Dammes am Stauwehr die Lockströmung, die die Fische in die richtige Richtung lenken soll.

Am Mittwoch übergab Martin Gellner vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg an Vertreter der Fischereiverbände aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern frisch aus Südfrankreich angelieferte Glasaale. Insgesamt etwa 200 000 der jeweils sechs Zentimeter langen und 0,3 Gramm schweren Tiere. „Wir haben hier ja unbestritten aktuell ein Hindernis im Fluss, sodass wir durch den Besatz mit Glasaalen aus Frankreich oberhalb des Stauwehrs den Bestand unterstützen wollen“, erklärte Gellner.

„Wir haben hier ja unbestritten aktuell ein Hindernis im Fluss.“ – Martin Gellner, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lauenburg

50 Kilo der winzigen Fische hatte ein Spediteur mit einem Kleintransporter in Transportboxen nach Geesthacht gebracht. Dort übernahmen die Vertreter der Fischereiverbände die Kisten und den weiteren Transport zu geeigneten Orten für das Aussetzen in der Elbe. „Das ist besser als nichts zu tun, aber es kommen ja weiterhin viele Arten nicht elbaufwärts“, berichtete Elbfischer Eckard Panz aus Hohnstorf. Er hofft, dass das Wasserstraßenamt die Aufstiegsanlagen wieder in einen funktionsfähigen Zustand versetzt.

Daran werde gearbeitet, versicherte Gellner. Zunächst sei aber eine Erkundung nötig, um möglicherweise im Boden steckende Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg aufzuspüren. Beim Bau der Fischtreppe am Geesthachter Ufer war man auf zwei Bomben gestoßen. Wenn nun am Südufer die Instandsetzung der Aufstiegsanlage erfolge, müsse erst Sicherheit geschaffen werden.

Können die Bauarbeiten 2021 starten?

Laut Gellner werde vermutlich die Spundwand zur „Insel“ zwischen Elbstrom und Aufstiegshilfe komplett erneuert. „Das werden wir dann so machen, dass auch in Zukunft mögliche technische Verbesserungen des Aufstiegs umgesetzt werden können“, berichtet der stellvertretende Amtsleiter des WSA Lauenburg. Er hofft, dass die Kampfmittelerkundung in diesem Jahr abgeschlossen werden kann, damit 2021 die Bauarbeiten starten können.

Derweil wird wohl auch in Zukunft ein Besatz mit Jungtieren erfolgen. Gellner: „Wir hatten alle Hebel in Bewegung gesetzt und jetzt noch 50 Kilo bekommen.“ Der Kleintransporter lieferte die Fracht „Just in time“ an. Eine weitere Idee sei es, unterhalb der Aufstiegshilfe künftig wandernde Aale zu fangen und über die zugeschüttete Fläche in den Oberlauf zu tragen.

Von Timo Jann