Donnerstag , 22. Oktober 2020
Jan Orthey, Inhaber von "Lünebuch", hat sein Angebot in Zeiten der Krise online breiter aufgestellt. Foto: t&w

Nach dem ersten Schock

Lüneburg. „Erst war es ein Schock“, sagt Jan Orthey, dann eine Herausforderung – und am Ende vielleicht sogar der Anfang von etwas Großem? Mitte März musste der 41-Jährige seine Buchhandlungen in Lüneburg und Salzhausen schließen, seine Mitarbeiter nach Hause schicken. Mit dem Corona-Shutdown sind bei vielen Händlern in Deutschland finanzielle Engpässe entstanden, allerdings auch pfiffige Ideen, mit denen sie ihre Waren auch in der Krisenzeit an die Kunden bringen.

Der Markt hat sich gewandelt – in nur wenigen Wochen. Und Ortheys Team hat nicht etwa abgewartet, nein: „Wir haben die sozialen Medien gekapert“, sagt der Buchhändler. Er ist ein bisschen stolz auf die digitalen Angebote, die seinen Betrieb durch die schwere Krisenzeit gerettet haben. Welche Wege er und seine Kollegen beschritten, erzählt er am kommenden Donnerstag, 7. Mai, vor großem Publikum bei der „OMK.digital“.

„Wir haben die sozialen Medien gekapert.“ – Buchhändler Jan Orthey

Die Konferenz für Online-Marketing, E-Commerce und Digitalisierung schlägt angesichts der Corona-Krise neue Wege ein: In rund 20 virtuellen Vorträgen geht es in diesem Jahr um die konkrete und schnelle Hilfe für den Einzelhandel – anders als sonst, ist die Teilnahme kostenlos.

Eine spontane Idee der Lüneburger Online-Agentur „web-netz“, denn eigentlich war für dieses Jahr überhaupt keine Konferenz geplant. In nur zehn Tagen habe das Team zusammen mit seinen Partnern, darunter das Niedersächsische Wirtschaftsministerium sowie die Leuphana Universität Lüneburg, das Angebot für Händler aus der Taufe gehoben, berichtet Web-Netz-Sprecherin Julia Peckmann. Rund 30 Experten, Wissenschaftler und erfolgreiche Händler erklärten sich spontan bereit, über die Möglichkeiten der Social-Media-Welt, Überlebensstrategien, Website-Gestaltung oder auch Mut machende Praxisbeispiele zu referieren.

30 Experten, Wissenschaftler und Händler bei digitaler Konferenz dabei

Einer von ihnen ist Jan Orthey. Als er im März seine Läden schließen musste, verlagerte er seine Kundenberatung kurzerhand ins Internet. Täglich stellten seine Mitarbeiter Bücher in sozialen Netzwerken vor. „Das ist wirklich durch die Decke gegangen und hat auch den Kollegen viel Spaß gemacht“, sagt Orthey. Bei Facebook und Instagram zähle „Lünebuch“ inzwischen mehr als 6000 Fans. Auch der Online-Shop des Unternehmens wurde rasant ausgebaut, mit bis zu drei Lastenrädern wird bestellte Ware bis vor die Haustür geliefert oder zu den kurzfristig eingerichteten Abholstationen am Supermarkt. „Wir hatten teilweise über 300 Bestellungen am Tag“, verrät der Ladeninhaber.

Zwar deckten die Einnahmen bis heute nicht die Kosten für Miete und Mehraufwand, doch für die Zukunft fühlt sich Orthey gut aufgestellt: „Auch der Allerletzte sollte jetzt begriffen haben, dass man ohne Online-Channel nicht mehr vorankommt“, sagt er. Mehr zu seinen Erfahrungen erzählt Orthey am Donnerstag, 7. Mai, um 12.30 Uhr auf der virtuellen Bühne. Wer an der Online-Konferenz via „Zoom“ teilnehmen möchte, meldet sich unter www.omk.digital an und erhält dann eine Mail mit dem Teilnahmelink.

Von Anna Petersen