Mittwoch , 23. September 2020
Landrat Jens Böther und Oberbürgermeister Ulrich Mädge beziehen Stellung zur jüngsten Bund-Länder-Beratung. Foto: t&w

Reaktionen auf die jüngsten Corona-Entscheidungen

Lüneburg/Berlin. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Donnerstag mit den Länderchefs beraten – und nur wenige weitere Rücknahmen der Corona-Maßnahmen beschlossen. Wichtige Entscheidungen wurden für die nächste Besprechung am 6. Mai angekündigt. Dann soll zum Beispiel klar sein, wie Schulbetrieb und Sport wieder möglich sein werden, ebenso wie es mit den Kitas weitergeht. Gastronomie und Tourismus müssen noch bis mindestens Mitte Mai gedulden. Reaktionen von Landrat Jens Böther und Oberbürgermeister Ulrich Mädge.

Landrat Jens Böther (CDU) ist nach dem Gespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länderchefs positiv gestimmt. „Es freut mich, dass viele Themen für eine Lockerung, die wir aus der Region in den letzten Wochen in Richtung Bund und Land transportiert haben, aufgenommen wurden. Wir haben dabei immer aufgezeigt, dass Abstandsregeln und Hygieneregeln einer Öffnung nicht entgegenstehen müssen“, sagt er gegenüber der LZ.

Der Landrat begrüßt den Beschluss zur Öffnung von Museen und Spielplätzen. Auch Gottesdienste können mit entsprechenden Vorkehrungen wieder stattfinden. „Für mich richtige und wichtige Entscheidungen“, sagt Böther. Wichtig sei aber auch, dass für Gastronomie und Tourismus sowie Schulen und Kitas planbare Perspektiven geschaffen würden. Die Kanzlerin hatte für kommende Woche Entscheidungen dazu angekündigt, wie der Schulbetrieb, die Öffnungen von Kindertagesstätten und Sport wieder möglich sein werden.

Böther betont: „Das alles ist nur möglich, wenn die Infektionszahlen für unser Gesundheitssystem verkraftbar sind. Das sind sie, und wir alle dürfen nicht vergessen, dass jeder einzelne in der Verantwortung steht, mit der Beachtung der Kontaktbeschränkungen seinen Teil dazu beizutragen.“

 Darüber wurde schon entschieden:

  • Spielplätze dürfen mit Auflagen wieder geöffnet werden.
  • Gottesdienste können auch wieder stattfinden, wenn Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Das gilt ebenso für Museen, Galerien, zoologische Gärten und Gedenkstätten.
  • Großveranstaltungen wie Volksfeste, größere Sportveranstaltungen mit Zuschauern, Konzerte sowie Straßen-, Wein- und Schützenfeste bleiben bis mindestens zum 31. August verboten bleiben.
  • Kliniken sollen nicht mehr so viele Intensivbetten und Kapazitäten für Corona-Patienten freihalten.
  • Die Kontaktbeschränkungen gelten vorerst weiter.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) sagt: Grundsätzlich sei der Trend der Regierung, weitere Lockerungen vorzunehmen, erfreulich. Nach der letzten Telefonkonferenz zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder vermisst er allerdings konkrete Entscheidungen in den Bereichen Betreuung, Bildung und Gastronomie.

Er habe Zweifel daran, dass die Reihenfolge der Lockerungen rein wissenschaftlich begründet ist. „Dahinter steht ja auch ein wirtschaftlicher Druck. Jede Branche versucht derzeit, ihren politischen Einfluss zu verstärken.“ Mädge hätte sich eine frühere Öffnung der Kindertagesstätten gewünscht, „das dauert nun vielleicht zwei oder drei Wochen zu lang.“ Und auch einem Fahrplan für die Gastronomie hätte aus seiner Sicht nichts entgegengestanden. Der städtische Handel funktioniere nicht ohne die Lokale, sagt der Oberbürgermeister.

„Und was hilft uns am Ende eine leere Innenstadt? Wir müssen unsere Städte weiterhin wirtschaftlich und lebenswert halten, denn sonst brauchen wir am Ende riesige Geldsummen, um den Zustand wiederherzustellen.“ Geld, das die Stadt Lüneburg nicht habe. Mit der Öffnung von Museen und Spielplätzen hätten Bund und Länder aber zumindest zwei Wünsche der Stadtverwaltung erfüllt. ape/ap