Der britische Feldmarschall Montgomery (l.) und der deutsche Generaladmiral von Friedeburg am 4. Mai 1945 auf dem Timeloberg. Foto: Archiv/Boldt

Den Timeloberg im Kopf verankern

Wendisch Evern. Das Virus, das einen Platz in den Geschichtsbüchern sicher hat, schert sich nicht um geschichtsträchtige Daten. Am Montag vor 75 Jahren wurde im Hauptquartier von Generalfeldmarschall Bernard Law Montgomery auf dem Timeloberg ein Federstrich unter den Frieden in ganz Nordwesteuropa gesetzt. In Dänemark hat dieser Tag noch immer großes Gewicht. In den Niederlanden wird am 4. Mai der Opfer des Krieges gedacht und an den darauffolgenden Tagen die Befreiung von der deutschen Besatzung gefeiert.

Feiern wollte auch die „Projektgruppe Timeloberg“, doch die Pandemie durchkreuzte das Gedenken. Den Schmerz über die Absage der zentralen Gedenkfeier hat Dr. Dirk Hagener, Sprecher der Projektgruppe, inzwischen „überwunden“. Auch, weil er sich von einem Krankheitserreger nicht darin bremsen lässt, den geschichtsträchtigen Ort bei Wendisch Evern in der Erinnerung zu verankern.

Einer der Programmpunkte der Gedenkfeierlichkeiten war ein Vortrag des Hamburger Historikers Wolfgang Kopitzsch in der Volkshochschule zum Kriegsende in Norddeutschland. „Jetzt zeichnen wir ein Gespräch mit dem ehemaligen Polizeipräsidenten auf. Ab Sonnabend wird es dann auf der Website der VHS präsentiert.“

Künstler aus Dänemark und der Niederlande hatten zugesagt 

Dr. Hagener ist stolz darauf, dass zur 75-Jahr-Feier des Kriegsendes sowohl dänische und niederländische Künstler als auch Nachfahren Montgomerys und des damaligen Leiters der deutschen Militärdelegation, Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg, zugesagt hatten. „Damit sind all die Nationen vertreten, die der Friedensschluss damals besonders betraf. Und die Zusagen gelten auch für die nun auf die erste Mai-Woche 2021 verschobene Veranstaltung“, sagt Hagener. Auch sprang keiner der örtlichen Sponsoren ab, die eine Veranstaltung dieser Größenordnung erst ermöglichen.

Wer sich über das Geschehen vor 75 Jahren auf dem Timeloberg informieren möchte, muss nicht bis zum nächsten Jahr warten. Hagener: „Die wesentlichen Informationen haben wir in unserem Flyer ‚Gedenkort Timeloberg‘ zusammengefasst, der unter anderem in der Tourist-Info am Marktplatz und in den Buchhandlungen am Markt und am Lambertiplatz ausliegt.“ Texte, Bilder und Filmdokumente bietet die Website: www.wendischevern.de/gedenkort-timeloberg/startseite 

„Dort werde ich bald auch eine Kurzrezension des Buches von Volker Ullrich, Acht Tage im Mai, einstellen, eine gute Überblicksdarstellung der letzten Tage des Krieges, in dem der Historiker auch ausführlich auf den Timeloberg eingeht“, kündigt Hagener an.

„Wir wollen auf dem Timeloberg einen wetterfesten Kasten für die Flyer sowie Bänke aufstellen.“ - Dirk Hagener, Sprecher der Projektgruppe

Die Planungen für den Gedenk­ort konnte das Virus nicht infizieren. „Wir wollen auf dem Timeloberg einen wetterfesten Kasten für die Flyer sowie Bänke aufstellen.“ Patenschaften der Grundschule Wendisch Evern oder auch Oberstufen sollen historisches Wissen in die nächste Generation tragen.

Hier liegt die Motivation der Projektgruppe Timeloberg: „Als meine Frau und ich vor Jahren den Platz gesucht haben, konnten wir ihn nicht finden. Sowohl er als auch das Geschehen am Kriegsende waren weitgehend vergessen. Wir wollen, dass er als Platz der Erinnerung im Bewusstsein verankert wird. Und das scheint wichtiger denn je zu sein. Frieden ist angesichts der zunehmenden Ost-West-Spannungen nicht mehr selbstverständlich. Und Demokratie auch nicht mehr, denkt man an die vielfältigen Angriffe von rechts.“

In der historischen Stunde selbst, am 4. Mai um 18 Uhr, als vor 75 Jahren der Krieg in der Region endete, „werden meine Frau und ich zum Timeloberg wandern und Blumen niederlegen.“

Von Joachim Zießler

Eine leuchtende Erinnerung

Lüneburg. Der Zweite Weltkrieg endete vor 75 Jahren. Eigentlich sollte es dazu verschiedene Veranstaltungen geben – Corona hat die Planungen über den Haufen geworfen. Der Lüneburger Lichtkünstler Wolfgang Graemer möchte trotzdem aktiv werden.

Am Sonntag, 3. Mai, soll mit Einbruch der Dunkelheit zwischen 21 und 21.30 Uhr eine Installation auf dem Markt beginnen. Scheinwerfer sollen den Platz in andere Farben taucht, auf der Fassade des Rathauses soll der Schriftzug „75 Jahre Frieden“ leuchten.

An der Aktion beteiligt sich der Saxophonist Daniel Gebauer. Noch ist unklar, ob alles so laufen kann, wie geplant. Stadt und Landkreis müssen das Schauspiel genehmigen. Eine Entscheidung lag gestern noch nicht vor. ca