Samstag , 19. September 2020
Samira und Samir Alkonsa und ihre Söhnen Jekdar (l.) und Mohammed mit einigen der Behelfsmasken, die die Familie produziert. Renate Dierssen (hinten l.), die die Familie mit Susanne Ebel (hinten r.) ehrenamtlich begleitet, hatte Samir auf die Idee gebracht. (Foto: t&w)

Ein Dankeschön an die Deutschen

Scharnebeck. Mit seinen Eltern und drei Geschwistern ist Mohammed (15) bereits vor sechs Jahren aus der Region Afrin im Nordwesten von Syrien geflohen. Auf Umwegen kam die kurdische Familie nach Deutschland, lebt jetzt in Scharnebeck. Auf dem Tisch im Garten stapeln sich Behelfsmasken, die die Familie herstellt. „Die Menschen in diesem Land haben uns geholfen. Deshalb möchten wir den Deutschen für die Aufnahme etwas zurückgeben“, sagt der 15-Jährige und seine Eltern Samir und Samira Alkonsa nicken zustimmend. Über eine Betriebsärztin werden die Behelfsmasken an Alten- und Pflegeheime verteilt.

Eine Zeitlang in der Türkei gelebt

Bevor die Familie über die Balkanroute nach Deutschland gelangte, hatte sie eine Zeitlang in der Türkei gelebt. Samir Alkonsa arbeitete dort, wie schon in seiner Heimat Syrien bei seinem Onkel, in einer Textilwerkstatt. Doch die Bezahlung blieb monatelang aus, erzählt seine Frau. Brüder ihres Mannes hätten ihre Flucht dann mit Geld unterstützt, mit einem Schlauchboot ging es nach Griechenland und von da aus weiter nach Deutschland. Erst Köln, dann das Aufnahmelager Sumte, eine Flüchtlingsunterkunft in Erbstorf und schließlich fanden sie eine Wohnung in Scharnebeck.

Ehrenamtlich unterstützt bei Gängen zu Behörden, Schule, Kita wurde die Familie seit 2016 von Susanne Ebel und Renate Dierssen. Die beiden Frauen begleiteten auch das Paar zur Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), denn Samir Alkonsa ist schwer krank. „Er hat eine fibriotische Lunge“, erklärt Renate Dierssen. Atemnot und quälende Abgeschlagenheit waren die Folge.

Sauerstoffgerätes in einem bunten Beutel auf dem Rücken

Grund für die Erkrankung könnte der Staub in den Textilfabriken gewesen sein, vermutet der 40-Jährige. Seit er in der MHH behandelt wurde, ginge es ihm besser – auch Dank des Sauerstoffgerätes, dass er in einem bunten Beutel auf dem Rücken trägt.

Als Samir Alkonsa erfuhr, dass Renate Dierssen Behelfsmasken näht, stand für ihn fest: Das kann ich auch machen und einen Beitrag leisten in dieser schweren Corona-Zeit. Aus Decken, Bettlaken und Hemden, die eine Frau zuvor gründlich wäscht, näht er den Mundschutz. Samira bügelt die Falten ein und Sohn Jekdar schneidet die Nähfäden ab.

Insgesamt 250 Behelfsmasken sind so inzwischen entstanden, die Renate Dierssen an eine Betriebsärztin weitergeleitet hat, die diese dann wiederum an Alten- und Pflegeheime weitergibt. Aber auch syrische Flüchtlingsfamilien, die in Erbstorf und Scharnebeck leben, profitieren davon.

Von Antje Schäfer