Mittwoch , 30. September 2020
Eigentlich sollte die Arena im Dezember übergabereif sein – doch daraus wird nichts. (Foto: t&w)

Arena im Kampf mit der Zeit

Lüneburg. Richtfest in diesem Juni, ein fertiger Bau zu Weihnachten, Eröffnung im Frühjahr, danach als erste Live-Erlebnisse packende und stimmun gsvolle Duelle um die Deutsche Volleyball-Meisterschaft – auf dieses Szenario haben die Arena-Planer in den vergangenen Monaten hingearbeitet. Seit voriger Woche ist klar, dass daraus nichts wird. Die Multifunktionshalle an der Lüner Rennbahn wird nach derzeitigem Stand nicht vor Mitte Februar fertig. LZ-Recherchen ergeben jetzt, dass sich nicht nur die Fertigstellung des Baus verzögert.

In Verzug geraten ist auch die Suche nach Dienstleistern, die künftig die Halle betreiben und die Gastronomie übernehmen sollen. Ursprünglich war der Zeitplan eng gestrickt. Im März wollte die Kreisverwaltung ausschreiben, am 18. Mai sollte der Kreistag bereits entscheiden, so dass die künftigen Dienstleister noch in dem Monat an den Start hätten gehen können. Das durchkreuzte die Kreispolitik bereits im Februar, da sich bei der neuen Konstellation, mit der bis zu zwei Millionen Euro Mehrwertsteuer allein beim Bau gespart werden sollen, noch etliche Fragezeichen auftaten.

Verzögerung als Zeitgewinn?

Doch auch der nachfolgende Zeitplan war ambitioniert: Spätestens im April hätte danach der Kreisausschuss über den Dienstleistungsvertrag für den Betrieb und den Pachtvertrag über die Gastronomie entscheiden sollen. Diese wären dann im Laufe dieses Monats europaweit ausgeschrieben worden. Danach sollte der Kreistag am 29. Juni über die Vergabe entscheiden. Vor der Sommerpause Mitte Juli hätten die Dienstleistungsverträge unterschrieben werden sollen. Auch davon ist man inzwischen weit entfernt. Der April verstreicht, ohne dass die Dienstleistungsverträge der Politik vorliegen, geschweige denn von ihr verabschiedet werden können. „Derzeit läuft die Abstimmung der finalen Entwürfe mit unseren Beratern“, heißt es dazu aus dem Kreishaus. Ausgeschrieben werden kann also frühestens im Laufe des nächsten Monats.

Dass damit vor der Sommerpause noch eine Entscheidung fällt, ist praktisch nicht mehr möglich. „Wann genau der Beschluss getroffen wird, ist noch offen“, heißt es dazu. Landrat Jens Böther (CDU) fasste sich dazu in dieser Woche beim Pressegespräch kurz und verwies auf die Bewältigung der Corona-Krise. Die Betreuung der Ausschreibung hat der Landkreis indes ausgelagert – sie übernimmt die Reese Baumanagement GmbH, die vor einem Jahr bereits das Bauchaos neu geordnet hatte.

Im Kreishaus versucht man den Ball flach zu halten. Eine „gewisse Verzögerung“ sei wegen der ohnehin späteren Fertigstellung „unkritisch“. „Dies verschafft uns Zeit, um die Fragen zum Betrieb in Ruhe zu klären.“ Hinzu komme, dass die Veranstaltungsbranche aufgrund von Corona derzeit im Ausnahmezustand sei. „Dies wirkt sich möglicherweise auch auf Vergabeverfahren aus und muss in unsere Überlegungen einbezogen werden“, lauten die Antworten.

Auch bei der Gründung der neuen Betriebsgesellschaft, für die der Kreistag nach kontroverser Diskussion Anfang März den Weg frei gemacht hat, ist man sechs Wochen später noch nicht weit. Sie stand laut Verwaltungsvorlage für den Kreistag für den April an. „Nein, soweit sind wir noch nicht“, erklärt Emilia Püschel aus dem Team Presse und Öffentlichkeitsarbeit. „Im Mai müssten aus jetziger Sicht diese Schritte erledigt sein.“

Erledigt ist bisher nur der Aufhebungsvertrag mit dem bisherigen Betreiber, der Campus-Management GmbH. Noch im März wurde er unterzeichnet. Diesen Wechsel mitten in der Bauphase entschädigt der Kreis mit einem sechsstelligen Betrag im gehobenen Mittelfeld – plus Mehrwertsteuer.

Von Marc Rath